Mad East Challenge 2016: Taugt das neue Konzept?

Grüne Hölle

  • Ludwig Döhl
  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 4 Jahren

Die Mad East Challenge im sächischen Altenberg hat Kultstatus – bei Marathon-Fahrern wie Enduro-Bikern. Nun wurde das Konzept verändert. Mit dabei: die BIKE-Redakteure Ludwig Döhl und Henri Lesewitz.

Viele Jahre lang war die Mad East Challenge das kleinste Etappenrennen Deutschlands. Das leichteste war es deswegen aber noch lange nicht. Ganz im Gegenteil. Die anfangs noch dreitägige Höhenmeter-Orgie umgab ein fast schon mythenhafter Ruf. Streckenchef Matthias Mende, einst Teil der deutschen Cross Country-Elite, hatte alles in die Strecke eingebaut, was das Laktak zum Kochen bringt. Gftige Rampen, zähe Schotteranstiege, von knurzeligen Wurzeln überzogene Mischwaldpfade. Sogar die Bobbahn in Altenberg wurde als Uphill-Prüfung in den Kurs eingebaut. Dazu gab es herrliche Abfahrten auf anspruchsvollen Trails. Wer die Mad East Challenge bezwang, konnte stolz auf sich sein. Weil der parallel durchgeführte Enduro-Event zu beachtlicher Größe angeschwollen ist, die Starterfelder bei den Marathon-Etappen aber etwas geschrumpft sind, wurde das Veranstaltungskonzept nun etwas verändert. Zwei Enduro-Rennen – eins am Samstag sowie eins am Sonntag. Dazu ein extrataffer Marathon, allerdings nur noch am Samstag. Quasi ein "Best of" der früheren Etappen. Drei Distanzen zur Auswahl. Die Variante "Hell" bot 126 Kilometer und 3200 Höhenmeter auf. Ein noch heftigerer Oberschenkel-Schocker als der legendäre Erzgebirgs Bike Marathon in Seiffen. Der gilt schon – völlig zu Recht – als Oberschenkel-Meuchler. Dabei ballen sich auf seinen 100 Kilometern "nur" 2500 Höhenmeter. Ist die Mad East Challenge auch in kompakterer Form noch eine echte Herausforderung? Unser Reporter Henri Lesewitz wollte es wissen und hat sich eine Startnummer an den Lenker gezippt. Selbstverständlich die signalrote. Mad East-Kenner wissen: die der "Hell"-Variante. Hier sein Bericht:

Henri Lesewitz mit seinem Bressan-Singlespeed-Bike im Ziel

Lesewitz beim Mad Marathon Hell

„Was sofort auffällt und zwar angenehm: Alle sind entspannt. Die Endurofahrer, die in Richtung der ersten Stage zuckeln. Die Orga-Leute, die gut gelaunt umherwuseln. Und auch die Marathon-Starter, die sich ohne Anzeichen von Adrenalin-Überdosis auf dem Skihang aufstellen. Niemand stresst rum. Niemand fährt sich auf der Rolle warm. Niemand hebt sein Rad von der Seite ins Startgatter, denn so etwas wie Gatter gibt es auch gar nicht. Es ist mehr ein Einfinden zum gemeinsamen Losfahren. Wie angenehm! Kurze Ansage vom Moderator, ein paar Takte entspannungsverneinende Musik. Dann geht es los. Den Skihang hoch, links rein in den Waldweg und dann immer den Richtungspfeilen nach. Das Gros der Fahrer – zu erkennen an den entsprechenden Farben der Lenkernummern – hat für die kurze und die mittlere Strecke gemeldet. Die Starter mit den roten Nummern rufen sich motivierende Sätze zu. Man sieht sich mehr als Leidensgenosse, weniger als Konkurrent. Genau das macht den Charme der kleineren Veranstaltungen aus. Gut so. Mit Grundlagen-Ausdauerpuls im fortgeschrittenen Stadium geht es über das permanente Auf und Ab aus Waldwegen, Trails und Wiesenpfaden. Die vielen kleinen Belastungsspitzen in den Uphills saugen an den Kräften. Die Abfahrten sind zu kurz, um sich spürbar erholen zu können. Auf Kursen wie diesem ist die Krampfgefahr hoch. Also lieber etwas Dampf rausnehmen und lieber beim Dahinkurbeln ein bisschen in die Erzgebirgslandschaft geguckt, die hin und wieder mit prächtigen Weitblicken entzückt. Die Strecke gehört zu den zähen, doch man merkt ihr Meter für Meter an, dass sie von Freuden des Mountainbike-Sports abgesteckt wurde. Mehr Abwechsung geht fast nicht. Die Beine sterben leider mit jedem Kilometer mehr dahin. Doch es gibt ja noch die üppig gefüllten Verpflegungstellen, die eher Schlemmer-Buffet’s sind. Vom Blechkuchen bis zum Obst ist alles vorhanden, was erschlafften Muskeln wieder auf die Sprünge hilft. Dennoch: Den Abzweig zur die finalen Schleife, der als "Grüne Hölle" berüchtigten "Tschechen-Schleife" , nehmen gerade mal noch 30 Fahrer. Zu zermürbend ist schon die mittlere Distanz. Und die letzten 30 Kilometer bieten noch einmal knapp 1000 Höhenmeter auf, die sich in den teilweise gnadenlos steilen Rampen unter größtem Laktaktschmerz zusammenaddieren. Er einsetzende Gewitterguss macht da auch nichts mehr aus. Letzte Schotterrampe, eine spektakuläre Golfplatzüberquerung, dann das finale Trail-Zickzack runter nach Altenberg. Sieger Christian Kreuchler brauchte für die 126 Kilometer der Hell-Strecke 5:36 Stunden, der Zweitplazierte war bereits über eine halbe Stunde länger unterwegs. Die schnellste Frau, Marathon-Ass Regina Marunde, brauchte sogar fast 8 Stunden. Fazit: Ein schwerer, aber herrlicher Marathon! Top Orga. Schöne Landschaften. Leckerer Blechkuchen. Mehr geht nicht.“

Drei Distanzen standen beim Mad East Marathon 2016 zur Auswahl: BIKE-Redakteur Lesewitz entschied sich natürlich für die längste.

Lesewitz im Rennmodus: Die Orga bei der Mad East Challenge war wie immer top.

Ludwig Döhls Bericht vom Mad Enduro

„Lange bevor der Enduro-Sport mit Rennserien wie der Specialized-Sram Enduro Series hip wurde, hat man in Altenberg bei der Mad East Challenge dem spaßigen Mountainbike-Format bereits gehuldigt. Dabei setzt man im östlichen Erzgebirge schon immer auf das Fahren auf Sicht. Das bei anderen Rennen übliche Streckentraining am Tag vor dem Wettkampf spart man sich. Die Rennfahrer müssen sich während der Sonderprüfungen also völlig auf ihre Sinne und ihr Können verlassen. Und in Sachen Können fordert die Strecke im dichten Nadelwald des Mittelgebirges einiges ab. Enge Kurven, rutschige Hangquerungen und fiese Tretpassgen fordern die 250 Starter an jeder Stelle der Strecke. Die Ausdauer der Sportler wird auf den langen Transferetappen mit giftigen Anstiegen überprüft. Auf etlichen Etappen versüßen künstliche Hindernisse wie die hölzerne "Warschauer Wippe" oder die Sandlöcher eines nahe gelegenen Golfplatzes die Stages zusätzlich. Ein weiterer Reiz der Zwei-Tages-Veranstaltung: Wie das Gelbe Trikot bei der Tour de France gibt es auch bei der Mad East Challenge ein Führungstrikot, welches der Sieger des Rennens vom Samstag am folgenden Tag bei der zweiten Etappe tragen darf, die teilweise durch Tschechien führt. Die exzellente Verpflegung während des Rennens mit Kuchen, Broten und Getränken an mehreren Stationen gibt genügend Kraft für die 44 Kilometer am ersten, die 42 Kilometer am zweiten Tag und insgesamt zehn Wertungsprüfungen. Wer nur einen Tag Zeit hatte, konnte sowohl am Samstag als auch am Sonntag in der Tageswertung starten. Übrigens, von Stress ist auch beim Enduro-Rennen nichts zu spüren, denn feste Startzeiten gibt es nicht: Wer zuerst da ist, fährt zuerst.“

Das Sandloch auf einem Golfplatz wurde per Sprung überbrückt.

Zehn Wertungsprüfungen muss man beim Enduro-Bewerb der Mad East Challenge absolvieren.

Die berüchtigte Warschauer Wippe

BIKE-Redakteur Ludwig Döhl fuhr nur am Samstag mit, aber erfolgreich. Döhl (2. von rechts neben André Wagenknecht) wurde Tagesdritter hinter Sieger Daniel Jahn und Andre Kleindienst, der sich durch einen starken zweiten Tag den Sieg in der Gesamtwertung holte.

Fazit zur Mad East Challenge 2016

Der Klassiker sorgt 2016 an zwei Tagen für doppelt so viel Spaß wie zuvor, verliert dabei aber nichts von seiner familiären Atmosphäre. Die Mad East Challenge ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Schlagwörter: Enduro Erzgebirge Mad East Marathon Rennen


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