EWS #1 2016 in Corral, Chile

Enduro World Series: Staub und Feuer in Chile

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Der erste Stopp der EWS in Patagonien warf die Enduro-Profis im Akkord in den Staub. Richie Rude ließ Skeptiker verstummen, Cecile Ravanel lieferte sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Anneke Beerten.

Die Saison der Enduro World Series 2016 begann mit einem Waldbrand. In der Nacht vor dem ersten Renntag standen plötzlich die Hügel über dem Austragungsort Chorral in Flammen. Der Ort in Chile, genauer in Patagonien, kam durch sein Fort, das im 17. Jahrhundert zur Verteidigung gegen die Spanier errrichtet wurde, zu einer gewissen Berühmtheit. Nun ist das nächtliche Fort Kulisse im Vordergrund für den Waldbrand im Hintergrund.

Eine Vorrausdeutung für den Verlauf der Saison? Vielleicht zum Teil, denn spannend wird die Enduro-Rennssaison ganz sicher, schön auch, zerstörerisch wie ein Waldbrand hoffentlich nicht. Richie Rude muss mit nur 21 Jahren schon seinen ersten EWS-Gesamtsieg gegen die Altmeister des Sports wie Jérôme Clementz, Nico Voullioz und Jared Graves verteidigen. Aber auch seine Altersgenossen werden ihm die Enduro-Krone streitig machen wollen. Beispielhaft sei hier Martin Maes genannt.

Richie Rude gibt Gas bei der ersten Station der Enduro World Series 2016 in Chile.

Bei den Damen hat Tracey Moseley nach drei Jahren der Dominanz und drei EWS-Gesamtsiegen in Folge den Sport verlassen und hinterlässt das, was man in der Politik ein "Power-Gap" bezeichnen würde. Der entscheidende Machtfaktor fällt weg, die Karten werden komplett neu gemischt. Cecile Ravanel und Anneke Beerten sind sicherlich die Favoriten, aber Isabel Cordurier und Ines Thoma haben auf jeden Fall Chancen, sich am Kampf um Platz eins zu beteiligen.

Graves, Beerten und Leov mit neuen Teams

Außerdem gibt es einige wichtige Teamwechsel, die die Saison 2016 spannend machen. Justin Leov, der für Trek 2015 in der ersten Saisonhälfte die Führung holte, hat zu Canyon gewechselt und nimmt dort die Position von Fabien Barel ein, der sich aus der EWS zurückgezogen hat. Anneke Beerten hat von Specialized zu GT gewechselt. Ein klares Signal, dass GT sein Engagement im Enduro-Bereich ausbauen will. Jared Graves hat Yeti verlassen und ist jetzt die Nummer eins von Team Specialized. Sicherlich hat er so bessere Chancen, seinen ehemaligen Teamkameraden Richie Rude vom Thron zu stoßen, denn Konkurrenz im Team ist meistens nicht erwünscht. Rae Morrison, die letztes Jahr auf eigene Rechnung die gesamte EWS mitfuhr und sich trotzdem in die Top 10 drängeln konnte, hat jetzt mit Lapierre auch einen erfahrenen Rennstall im Rücken.

Richie Rude mit anfänglichen Schwierigkeiten

Jared Graves wie wir ihn kennen: Schlauch im Rahmen für alle Fälle, Kette straff, Blick nach vorne.

Schon die erste Stage zeigte am Samstag ganz klar Stärken und Schwächen der Fahrer auf. Drei Kilometer Länge mit 500 Tiefenmetern hört sich nicht außergewöhnlich an, doch der Untergrund aus lockerer Erde bot kaum Grip und der allgegenwärtige Staub machte den Lungen der Fahrer das Leben zur Hölle. Selbst Enduro-Veteran Nico Voullioz gab hinterher völlig erschöpft zu: "Ich habe viele Fehler gemacht. Ständig versuchte ich mich an den Streckenverlauf aus dem Training zu erinnern, aber ich war den Track nur einmal gefahren und jetzt bekam ich die Quittung." In diesem Härtetest konnte Downhill-Spezialistin Cecile Ravanel den ersten Platz holen, dicht gefolgt von Isabel Cordurier und Anneke Beerten. Bei den Männern war Jérôme Clementz am schnellsten. Ihm folgten trotz seiner angeblichen Fehler Nico Vouilloz und Joan Barelli.

Es sah nicht gut aus für Richie Rude, doch so leicht ließ sich der Gesamtsieger von 2015 nicht kleinkriegen. In den zwei folgenden Stages fand er in das Rennen hinein und holte zwei Mal in Folge den Stage-Sieg, während bei den Damen noch ein Sieg an Cecile Ravanel und der zweite an Anneke Beerten ging. Am Ende von Tag eins lag deswegen Richie Rude knapp vor Jérôme Clementz, während Cecile Ravanel gefolgt von Anneke Beerten die Spitze der Damenwertung besetzt hielt.

EWS 2016 #1 Chile

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Tag 2: Rude und Maes vorne

Auch der zweite Tag hielt wieder sechs Stages für die Fahrer bereit. Schon in der ersten Stage wurde aber die Kondition bis aufs Äußerste getestet. Bei 3,5 Kilometern Länge mit "nur" 433 Tiefenmetern zahlte sich das Off-Season-Training gewaltig aus. Hier konnte Martin Maes von GT den Sieg einfahren, dicht gefolgt von Richie Rude. Bei den Damen lag keine Sekunde zwischen Anneke Beerten auf dem ersten und Cecile Ravanel auf dem zweiten Platz.

Doch der echte Hammer des Tages wartete mit Stage fünf noch auf die Fahrer: Zwar hören sich 2,6 Kilometern und 333 Tiefenmeter wieder nicht nach einer besonderen Herausforderung an, doch Patagonien wies die Enduro-Weltelite mit seinen ganz eigenen Gesetzen in die Schranken. Cecile Ravanel pushte zu hart und rutschte seitlich weg, Isabel Cordurier stürzte, Richie Rude wurde unsanft von seinem Bike getrennt und Yoann Barelli blieb nur wie durch ein Wunder im Sattel. Sein Manöver sah mehr nach Weltmeisterschaft im Rodeo statt nach MTB-Enduro aus. Der Sturz hatte Richie Rude Zeit gekostet und so ging der Etappensieg an Florian Nicolai, dem Martin Maes folgte. Auch Cecile Ravanel war leicht gestürzt, doch sie konnte dennoch den Stage-Sieg einfahren, wieder dicht gefolgt von Anneke Beerten. Die letzte Stage fügte sich dagegen mit Siegen von Rude und Ravanel wieder recht harmonisch in das Gesamtbild ein.

Jared Graves ist vom Pech verfolgt. Letztes Jahr hielt ihn noch seine Verletzung zurück, dieses Jahr riss ihm mitten in der Stage die Kette. Dafür ist der achte Platz noch eine sehr gute Leistung.

Richie Rude und Cecile Ravanel auf Platz 1

Damit steht fest: Trotz seines zarten Alters kann Richie Rude sich auch langfristig im Enduro-Zirkus behaupten. Das wird nach diesem ersten Rennen der Saison, das Rude mit einer Gesamtzeit von 32:47 Minuten für sich entschied, niemand mehr bezweifeln. Noch verhältnismäßig dicht hinter Richie Rude folgt allerdings Martin Maes mit einem Abstand von 7,75 Sekunden, Platz drei und vier gehen an die Nico Voullioz mit 17,33 und Jérôme Clementz mit 25,97 Sekunden Abstand. Damien Oton ist auch wieder in Form und landete auf Platz sieben vor Jared Graves auf Platz acht.

Das Podium der Herren in Corral: Martin Maes, Richie Rude und Nico Voullioz (von links).

Bei den Damen gewann Cecile Ravanel die erste Runde der EWS 2016 mit einer Zeit von 37:43 Minuten, auf Platz zwei folgte - wie zu erwarten - Anneke Beerten mit 25,94 Sekunden Abstand. Isabel Cordurier konnte sich mit gut 44 Sekunden Abstand auf Ravanel den dritten Platz sichern. Ines Thoma lieferte eine gewohnt starke Vorstellung ab und landete mit 1:17 Minuten Rückstand auf Platz vier, allerdings mit ihrerseits nur einer Sekunde Vorsprung auf Anita Gehrig auf Platz fünf.

Das Podium der Damen: Anneke Beerten, Cecile Ravanel und Isabel Cordurier (von links).

Themen: ChileEnduroEnduro World SeriesJared GravesJerome ClementzPatagonienRichie Rude


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