European Enduro Series Reschenpass: Ludwigs Diaries #10 European Enduro Series Reschenpass: Ludwigs Diaries #10 European Enduro Series Reschenpass: Ludwigs Diaries #10

European Enduro Series Reschenpass: Ludwigs Diaries #10

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 7 Jahren

Glühende Oberschenkel, starke Briten und ein beeindruckendes Comeback: Cube Action Team-Pilot Ludwig Döhl berichtet von der European Enduro Series.

Nach dem Roll & Rock Enduro innerhalb der Landesgrenzen Deutschlands ging es dieses Mal wieder ins Ausland, um den schnellsten Mann der europäischen Rennszene zu ermitteln. Das Dreiländereck rund um den Reschensee bietet massig Trail-Kilometer, etliche Bergbahnen und eine traumhafte Alpenkulisse. Wer hier einen typischen Bikepark erwartet, sucht vergebens. Alle Trails haben einen natürlichen Charakter und sind gesäumt von Wurzeln, Steinen und losem Waldboden. Brechsand-Anlieger oder perfekt geshapte Table-Lines gibt es hier nicht. Aufgrund des natürlichen Charakters stellte der Veranstalter eine echte Männerstrecke zusammen. Eine technische Herausforderung reihte sich an die nächste. Ein gutes Auge bei der Linienwahl, viel Vertrauen in rutschende Reifen und „big balls“ bei Highspeed-Wurzelpassagen waren die wichtigsten Eigenschaften im Kampf um die schnellsten Zeiten. Stage zwei und fünf waren zusätzlich mit massiven Tretpassagen bestückt, welche die Oberschenkel zum Glühen brachten. Alles in allem verlangte die Strecke mit über 40 Minuten Renndauer uns Athleten alles ab und war von der Beschaffenheit definitiv auf World Series-Niveau. Auch das Starterfeld stellte einmal mehr das gute Niveau der europäischen Rennserie unter Beweis: neben den üblichen Verdächtigen gaben sich auch Ludovic May und Jerome Clementz die Ehre hier an den Start zu gehen.

Privatfoto Typisches Zimmer im alltäglichen Rennbetrieb, geschmückt mit Rennfahrern und Maschinen.

Sprint um die Burg von Nauders

Bereits im Training am Samstag zeigte sich das Wetter von seiner wechselhaften Seite. Der raue Wind und zahlreiche Regenschauer waren Vorboten des nahenden Herbstes und verwiesen die meisten Teilnehmer in dicke Regenjacken. Nach einem ausgiebigen Trainingstag mit über sieben Stunden auf dem Bike stand natürlich noch der obligatorische Prolog am Samstagabend an. Ehrlich gestanden haben sich meine Beine nicht vom Training erholt, als sie zum 30-sekündigen Sprint rund um die Burg von Nauders aufgefordert wurden. So reihte ich mich auf Platz 20 ein. Mein Teamkollege André Wagenknecht konnte die Belastung vom Vormittag wohl besser wegstecken und fuhr einen soliden zweiten Platz hinter Ludovic May ein.

Privatfoto Skill-Training: enge Kurven bespickt mit Wurzeln. Einfach geil!

Aber das Rennen wurde am Sonntag entschieden. Pünktlich zu Rennbeginn auf Stage eins öffnete der Himmel seine Schleusen und verwandelte den ersten Streckenabschnitt in eine wahre Rutschpartie. Ich bewegte mich mehr quer wie geradlinig auf dem Weg zum Ziel, managte aber auf dem Rad zu bleiben. Nebenbei bewerkt war das bereits das achte von elf Rennen mit schlechtem Wetter dieses Jahr! War der Sommer immer da, wo wir nicht waren?

Enduro und Downhill: Zwei paar Schuhe

Oft wird die Frage gestellt, was der Unterschied zwischen Downhill und Enduro ist. Dieses Rennen am Reschenpass brachte den Unterschied besser als jedes andere Rennen zum Vorschein. Beim Downhill gehst du als Fahrer immer mit 100-prozentigem  Einsatz ins Rennen und attackierst die Strecke. Fahrfehler kommen hier einer Todsünde gleich. Bei einer Streckenlänge von über 40 Minuten im Enduro sind Fahrfehler nicht zu vermeiden, einige Passagen müssen zur Regeneration genutzt werden. Anstatt die Strecke zu attackieren hilft ein smoother Fahrstil oft mehr auf dem Weg zum Ziel. Zudem muss man sich eine kleine Taktik zurechtlegen, denn nicht jeder Streckenabschnitt eignet sich, um Zeit gutzumachen. Folglich sollte man nur dann vollen Einsatz bringen, wenn es sich – zeitlich gesehen – auch lohnt. Bei diesem Rennen war klar, dass die Zeiten auf den Stages zwei, drei und fünf gemacht werden. Die restlichen Stages waren ebenfalls extrem fordernd, aber nicht annährend so lange.

Privatfoto Wie einst Erik Zabel: mit gestreckter Position bei der Zieldurchfahrt die letzten Sekunden sichern.

Zwar hielt ich mich an diese selbst ausgefeilte Taktik und konnte auf der dritten Etappe eine geile Zeit in die Wurzeln brennen, aber auf Stage zwei und fünf versagten einmal mehr meine Beine in den Tretpassagen und brachten mir so einige Bonus-Sekunden auf den Transponder. Ich konnte bergab besser denn je fahren, vermisste allerdings die Power aus meinen Beinen. Am Ende des Tages habe ich ein solides Rennen ins Ziel gebracht und konnte mich mit einem achten Platz einmal mehr in den Top 10 platzieren. Aber wichtiger wie diese Platzierung war mir dieses Wochenende der Spaß, den Teamkollege André und ich auf den Strecken hatten. Selten bekommen wir derartig geile Trails unter die Stollen und dann auch noch so viele an nur einem Wochenende. Ich habe mal wieder brutal viel gelernt und durch einige richtig gute Streckenabschnitte  viel Selbstbewusstsein für das nächste Rennen in Maribor getankt. Dort werde ich versuchen meinen dritten Platz in der Gesamtwertung zu verteidigen, oder sogar weiter nach vorne zu rutschen.

Privatfoto Regeneration ist das halbe Leben. Die deutsche Abordnung Wagenknecht, Reiser und Brückner nach der Zieldurchfahrt.

Der Dominator Clementz ist zurück

Jerome Clementz feierte in beeindruckender Manier sein Comeback, gewann jede Stage und platzierte sich mit einem großen Vorsprung auf Rang eins. Vor dem Briten Philip Shucksmith und einem bärenstaken Markus Reiser vom Focus Trail Team. Die Briten zeigten sich weiter mit den Plätzen fünf, sechs und zehn stark in den Top Ten vertreten. Wahrscheinlich weil das Terrain ähnlich wie in ihrer Heimat war: anspruchsvoll und mit Wurzeln übersäht.


Ride on,

Ludwig

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