European Enduro Series Flims: Ludwigs Diaries #7

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Cube-Action-Team-Pilot Ludwig Döhl hadert mit seinen letzten Einsätzen. Ob der Knoten bei der European Enduro Series in Flims geplatzt ist, lesen Sie in seinem Blog.

Trieben wir uns bisher meist auf den Rennen der Spezialized Sram Enduro Series rum, ging es vergangenes Wochenende beim zweiten Lauf der European Enduro Series in Flims (CH) heiß her. Das Niveau der Serie ist – wie der Name schon verrät – sehr international angehaucht. Nachdem ich mich beim ersten Stopp der Serie im italienischen Punta Ala auf Rang 14 behauptet habe, hatte ich eine solide Ausgangsposition im Ranking.

Die Erinnerung an bessere Zeiten


Um nochmal in die Vergangenheit zurückzuschweifen: Punta Ala war das erste Rennen der Saison. Nach einer Zwangspause durch eine Knieverletzung hatte ich zu dieser Zeit einen echten Run, konnte mich sogar auf dem Podium in Terlago (ITA) platzieren, aber schaffte es danach, irgendwie von einem Schlammassel ins nächste zu geraten. Diesen Blogeintrag zu verfassen fällt mir nicht leicht. Um ehrlich zu sein, ist es wie ein Tritt in den Körper, wenn man schon am Boden liegt. Denn auch dieses Wochenende „schlamasselte“ ich mich wieder eher Richtung Ziel, als dass man es ernsthaftes Racen nennen kann. Der Mensch wächst jedoch an seinen Niederlagen, aber der Reihe nach.

Putzen will gelernt sein: Teamkollege André macht es vor.

Erst Krankenbesuch, dann ab zum Training

Bei der Anreise zum Rennen statteten André und ich unserem Teamkollegen Gusti Wildhaber im Krankenhaus noch einen Besuch ab. Der Schweizer hatte sich leider beim letzten Rennen der Enduro World Series lang gemacht, dabei sein Knie zertrümmert und war um jede Aufmunterung im Krankenbett froh. Das Training verlief gut, auch wenn wir deutschen Flachland-Tiroler mit dem extrem alpinen Charakter der ersten Etappe zu kämpfen hatten. Die Stages zwei und drei waren kurze, wurzlige, aber fiese Dinger, die ebenfalls sehr alpinen Charakter hatten. Stage vier war ein vernichtendes, fast 10-minütiges Monster aus Anliegern und North Shore-Trails. Die fünfte Wertungsprüfung wollte einfach nur abgerollt werden.

André hängt in jedem Gelände am Gas, am Ende Platz 12 für ihn.

Zwei Bodenkontakte und Kühe auf der Strecke

Zum Rennen startete die erste Gruppe samstags um 7:50 Uhr morgens an der Gondel. 7:50 Uhr morgens rennfertig in der Gondel zu stehen, ist wirklich kein leichtes Unterfangen. Aber alles in allem hat es funktioniert und wir konnten planmäßig die erste Gondel zur Stage eins nehmen. Diese Stage zwang einige Fahrer in aller Früh in die Knie: Während Fabian Scholz mit Kühen auf der Strecke zu kämpfen hatte, waren viele Piloten dort mit Platten und Stürzen beschäftigt. Bei mir lief es richtig gut – ich hakte die ekligen Spitzkehren perfekt ab und segelte über die High Speed-Passage. Eine Stage, auf der ich mal wieder gezeigt hatte, dass ich doch noch schnell und gut Fahrradfahren kann. Leider ging ich auf Grund von Konzentrationsfehlern auf den folgenden beiden Stages zu Boden und konnte ein weiteres Rennen vor der Zieldurchfahrt innerlich abschließen. Also rollte ich das restliche Ding ruhig runter und reihte mich auf einem mäßigen 24. Platz ein.

Stage eins zeigt ihren alpinen Charakter.

Aufstehen, wenn man am Boden liegt

Aber nach jedem Tief kann nur ein Hoch kommen: Da ich mich zweifelsohne in einem leistungsmäßigen Tief befinde, kann es nur noch bergauf gehen. Zum Racen um Sekunden gehört mehr als ein gestählter Körper, die kleinste Unachtsamkeit oder zögerliches Handeln an Schlüsselstellen bringen dich einfach aus dem Konzept und vermasseln das ganze Rennen. Um ums Podium zu kämpfen, müssen Geist und Körper zu 101 Prozent bei der Sache sein. Wenn zu viele andere Dinge im Kopf rumschwirren, wird es schwierig, die volle Leistung abzurufen. Ich weiß, dass der Knoten irgendwann platzen muss und mache alles dafür, diesen Prozess zu beschleunigen. Aber vielleicht ist es gerade diese Erwartungshaltung, die mich zu sehr belastet und bremst. Konzentrieren, weiter trainieren und nie den Spaß an der Sache verlieren – dann denke ich, wird es auch bald wieder klappen.

Nur nicht hängen lassen: Ich werde weiter mein Glück erzwingen.

Nach der Zieldurchfahrt feierten wir den Geburtstag von Rennfahrer-Kollege Petrik Brückner ordentlich auf der Riders Party nach. Der Schweizer René Wildhaber nutzte seinen Heimvorteil in Flims und fuhr in seiner eigenen Welt unangefochten auf Platz eins, vor Ludovic May und Lukas Anrig (beide CH).

ride on
Ludwig

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