European Enduro Series 2014: Ludwigs Diaries #12

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Das Finale der European Enduro Series im Altmühltal war für Cube-Action-Team-Pilot Ludwig Döhl fast ein Heimspiel. Lest in seinem Blog, wie die Briten patzten und Cross-Country-Asse sich neu orientieren.

Das Leben als Mountainbike-Rennfahrer spielt sich zu einem erheblichen Teil auf den Autobahnen Europas ab. Von Punta Ala in der Toskana bis in den hohen Norden Schottlands fressen sich so rund 40000 Kilometer jährlich auf den Tacho meines VW-Busses. Wenn gegen Ende der Saison das Handschuhfach mit Sanifair-Gutscheinen überquillt und das Auto notdürftig zusammengeflickt auf den großen Service wartet, ist es umso angenehmer, wenn die European Enduro Series in der Nachbarschaft gastiert und die Anreisekilometer sich im zweistelligen Bereich befinden. Keine Autobahn, keine Mautstationen, dafür etwas weniger alpines Gelände. Ich finde den Deal nicht schlecht.

Treuchtlingen: Wenig Gefälle wird durch massig Querwurzeln ersetzt.

Home Sweet Home

Überraschend für das Finale in Treuchtlingen im Altmühltal war, dass wir uns im Herbst über sommerliche Temperaturen freuen durften und der schnellste Fahrer ausnahmsweise im Trockenen ermittelt wurde. Was nicht heißen soll, dass die Stages an den Hängen des Altmühltals vor Grip strotzten. Das Kalkgestein dieser Region verleitete trotz trockenem Wetter zu überraschenden Querfahrten, polierte Wurzelteppiche rundeten das Glatteis-Feeling ab. Die Treuchtlinger Organisator versteht es aber wie kein Zweiter aus den rund 100 Höhenmetern,  welche in dieser Umgebung zur Verfügung stehen, das Maximale rauszukitzeln. Zwar wurden die Stages im Vergleich zum Vorjahr mit einigen Tretpassagen gestreckt, allerdings nur um die Renndauer auf 15 Minuten zu verlängern. Aber jede Stage hatte ihre technischen Feinheiten, welche uns Fahrern oft den Kopf über die perfekte Linienwahl zerbrechen lies. Außerdem beklagte sich keiner, dass ihm die Berge fehlen würden. Der Schweiß rann auf den Transferetappen mit 100 Höhenmetern ähnlich stark wie bei Rennen in Flims oder am Kronplatz, zumal im Altmühltal kein Lift die Aufstiege erleichterte.

Gerade einmal 100 Meter Höhenunterschied bietet das Altmühltal. Aber die Strecken waren technisch anspruchsvoll.

Bewährte Strategie: Defensive statt Stürzen

Die fiesen Tretpassagen ließen meine Reifenwahl auf leichtes Material fallen. Normalerweise arbeiten wir meist mit Super-Gravity-Bereifung, sozusagen dem Panzergeschoss in der Produktpalette unseres Sponsors. Aber diesmal zog ich die filigranere Evolution-Karkasse aus Gewichtsgründen vor. Neben der kurzen Anreise, dem guten Wetter und perfekten Stages, war es auch mal wieder schön mit dem gesamten Team ein Rennen zu bestreiten. Nach dem Finallauf der Specialized Sram Enduro Series in Leogang am vergangenen Wochenende hieß es in Treuchtlingen „Ring frei“ für das Finale der European Series. Auch hier konnte ich mich aufgrund meiner Leistungen aus der laufenden Saison bisher auf den dritten Gesamtrang behaupten. Im Prinzip legte ich mir die gleiche Strategie wie in Leogang zurecht. Nicht zu aggressiv fahren, um Stürze zu vermeiden und lieber wichtige Punkte für die Gesamtwertung einheimsen.

Defensiv fahren und nicht stürzen: So lautete Döhls Taktik beim EES-Finale in Treuchtlingen.

Die Patzer der Briten

Stürze gab es dank der rutschigen Verhältnisse einige. Die britische Konkurrenz, gegen die ich in der Gesamtwertung kämpfte, zeigte Nerven: Shucksmith, Shirley und Roberts gingen alle drei zu Boden oder landeten im Flatterband. Auf den sieben Stages und dem zusätzlichen Prolog am Freitag hatte man auch reichlich Gelegenheit dazu. Ich riss mich am Riemen, fuhr sehr bedacht und sauber. Dadurch konnte ich zwar mit meinem 7. Rang keine große Rolle in der Tageswertung spielen, schaffte es aber – dank der Patzer der Briten – mich in der Gesamtwertung noch auf Rang zwei zu schieben. Die European Enduro Series lockte mit meinen französischem Teamkollegen und Tagessieger Nicolas Lau wieder einen Weltklasse-Fahrer an den Start und etabliert sich so Stück für Stück in ihrem Premierenjahr. Hinter Nico belegten Downhill-Ass Robin Wallner (SWE) und der aus Radio und Rundfunk bekannte André Wagenknecht die Plätze zwei und drei.

Das Podium der Gesamtwertung der European Enduro Series: Samuel Shucksmith, Ludwig Döhl, Robert Williams, James Shirley, Markus Reiser (von links).

Cross-Country-Sternchen am Start

Auffällig war, dass sich neben den üblichen Verdächtigen auch einige Stars und Sternchen aus dem Cross-Country-Zirkus die Ehre gaben. So standen neben Daniel Voitl, meinem früheren Teamkollegen aus dem BIKE Junior Team, auch Simon Gegenheimer, Andy Eyring und viele mehr am Start, um sich vom Rennformat Enduro zu überzeugen.

Pedal to the metal: Die letzten Meter vor der Ziellinie forderten die Oberschenkel noch einmal.

Es freut nicht nur mich zu sehen, dass Enduro das schafft, was sich anfangs des großen Hypes alle versprochen hatten: Die in Cross Country und Downhill geteilte Mountainbike-Welt wenigstens an ein paar Wochenenden unter einen Hut zu bringen. Wer weiß heute schon, welche Sportart die UCI morgen absägt oder neu etabliert. Sich als Sportler breit aufzustellen schadet bei einem solch launischen Weltverband wohl nie. Treuchtlingen hat es mit geilen Strecken, einem goldenen Herbst-Wochenende und bester Stimmung geschafft, nicht nur bei den Kollegen aus dem CC-Bereich einen guten Eindruck zu hinterlassen. Zwei weitere Wochen werde ich meinen Bus noch durch Europa schinden, bevor er nach der DM in Schöneck endlich seine wohl verdiente Streicheleinheit in der Werkstatt bekommt.

Ride on, Ludwig


Alle Ergebnisse der European Enduro Series von Treuchtlingen gibt's hier

Gehört zur Artikelstrecke:

Ludwigs Enduro Diaries: Tagebuch aus der Enduro-Rennszene


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Schlagwörter: Döhl Enduro European Enduro Series Gesamtwertung Race-Blog Rennen Tagebuch Treuchtlingen


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