Enduro World Series #3 2016 Irland

Frühlingsmärchen Teil 2: Callaghan gewinnt in Irland

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Bei der Enduro World Series in Irland wurde 2015 für Greg Callaghan ein Traum wahr. Gewinnen im eigenen Land. Dieses Jahr sollte sich das Wunder wiederholen. Außerdem: Tracey Moseley wieder am Start.

Des Rennen in County Wicklow, Irland, brachte eine der größten Überraschungen der letzten Enduro World Series -Saison. Im vorhinein war viel diskutiert worden: Wer macht das Rennen? Fabien Barel, Justin Leov und Jerome Clementz hießen die Favoriten. Doch mit einem hatte 2015 keiner gerechnet. Mit Lokalmataor Greg Callaghan. Während der ersten Stage war noch nichts wirklich abzusehen. Jerome Clementz war wegen einer Erkältung nicht in topform, Justin Leov war schnell, auch der Newcomer Richie Rude, der sich am Saisonende zum Enduro-Champion aufschwingen sollte, war gut unterwegs. Schon auf der ersten Stage fuhr Callaghan aus dem nichts auf den dritten Platz.

Der Rest ist Geschichte. Die irischen Fans trieben „ihren“ Mann mit ohrenbetäubendem Geheul bergab. Callaghan wurde von Stage zu Stage stärker, konnte aber auch mit dem Druck gut umgehen, den die Chance auf den ersten Sieg bei der EWS mit sich bringt. Die neun Sekunden Vorsprung genügten ihm, um das Rennen auf der letzten Stage unter frenetischem Jubel sicher nach Hause zu fahren. Auch die restliche Saison profitierte der Pilot vom Cube Action Team vom neu gewonnenen Selbstbewusstsein. Zwar konnte Callaghan keinen Sieg mehr einfahren, war jedoch immer nah dran am Podium.

Jerome Clementz war schnell in Irland und erlaubte sich nach eigenen Aussagen keine Fehler. Doch das reichte nur für den elften Rang.

Über Fluch und Segen von Rennen im eigenen Land

So ist es kein Wunder, dass Callaghan auch 2016 neben den üblichen Favoriten – Rude und Maes – als Kandidat für einen möglichen Sieg gewettet wurde. Auch wenn die ersten beiden Rennen mit zwei 20. Plätzen nicht wirklich nach seinen Vorstellungen liefen. Doch das brachte natürlich eine Menge Druck für den Iren mit sich. Den ersten EWS-Sieg auf Heimaterde zu holen hatte märchenhaften Charakter, doch dieses Kunststück ein zweites Mal zu schaffen, bedeutet den meisten Racern die Welt. Man denke an die Siege, die Downhill-Legenden wie Steve Peat oder Greg Minnaar in ihrem Heimatländern holten.

"The Chainsaw" Stevie Smith war omnipräsent in Irland: auf dem Oberrohr von Sam Hill oder auch auf der Startnummer von Martin Maes.


Und wieder zeigte sich, dass Greg Callaghan nicht nur ein sympathischer Kerl ist, sondern auch ein echter EWS-Racer. Statt sich den Druck zu sehr zu Herzen zu nehmen, freute sich Callagahn lieber über den Support, den seine Landsleute ihm zukommen ließen. Er transferierte das Ganze in schnelle Stage-Zeiten im Rennen. Schon auf der ersten Prüfung holte er wie im Vorjahr den dritten Platz. Ein gutes Omen. Der Sieg ging an Richie Rude, Fünfter wurde Downhill-Legende Sam Hill, der sich dieses Mal im Enduro versuchte.

Richie Rude mit Platten auf Stage 2

Auf Stage zwei dann fiel der Hammer für Richie Rude. Die vielen Felsen überstanden seine Reifen nicht heil, er wurde auf Platz 70 zurückgeworfen und verlor mehr als 30 Sekunden, während Damien Oton dichtgefolgt von Florian Nicolai den Sieg holte. Auf den restlichen Stages blieben die Positionen dann einigermaßen stabil, wobei Greg Callaghan zwei zweite und je einen dritten, vierten und fünften Platz holte. Daneben konnte sich Sam Hill gut gegen die Enduro-Elite behaupten. Rude gab trotz des Plattens nicht auf und holte auf vier der letzten fünf Stages den Sieg.

Greg Callaghan war einer der großen Favoriten für das Rennen in Irland. Und wieder konnte der Pilot vom Cube Action Team vor den Fans in der Heimat überzeugen.

Doch an Greg Callaghan kam Richie Rude trotz seiner wirklich beeindruckenden Leistungen nicht mehr vorbei. Zu schnell war der Ire, zu groß der Antrieb durch die wieder unglaublichen Fans, die nach Callaghans Sieg im vergangenen Jahr 2016 noch zahlreicher zum Rennen gepilgert waren. Auch Sam Hill, der sich in Irland behaupten konnte und auf den zweiten Platz fuhr, verpasste Rude um 1,5 Sekunden und wurde damit Dritter. Für Greg Callaghan aber geht erneut ein Traum in Erfüllung. Zum zweiten Mal holt er den Sieg im eigenen Land und macht damit nicht nur seinen Fans ein Geschenk.

Voll fokussiert: Greg Callaghan mit seinem individuell angepassten Helm und Trikot.

Tracey Moseley dominiert das Damenrennen

Überraschend war auch die Rückkehr Tracey Moseleys in die Enduro World Series. Nach drei Gesamtsiegen in Folge hatte Moseley im vergangenen Jahr ihren Rückzug aus der EWS angekündigt und blieb den ersten beiden Rennen in Südamerika fern. Doch jetzt, so nah vor ihrer Haustür, konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Zwar kündigte sie im Vorhinein an „nur zum Spaß“ zu fahren. Aber wir alle wissen, wann Rennfahrer am meisten Spaß haben: Wenn sie gewinnen!

Tracey Moseley ist wieder am Start. Allerdings nur für dieses Rennen und „nur zum Spaß“. Wir alle wissen, was das heißt.

Über den Winter hatte Moseley es zwar etwas ruhiger angehen lassen mit dem Training, doch das war ihr in Irland nicht anzumerken. Aus dem Stand holte sie auf sechs der sieben Stages den Sieg, lediglich auf der letzten Stage war Isabeau Courdurier schneller. Ebenso konstant schnell wie Tracey Moseley waren Cecile Ravanel, die Moseley mit fast 40 Sekunden Abstand folgte, und Isabeau Courdurier, die nur wenige Sekunden hinter Ravanel lag. Der vierte und fünfte Platz ging an Anita und Carolin Gehrig, Ines Thoma wurde Sechste, die Deutsche Meisterin Franzi Meyer 14.


Hier alle Ergebnisse der EWS in Irland 2016 in der Übersicht.

Schlagwörter: Cube Enduro Enduro World Series Irland Jerome Clementz Rennbericht Rennen Richie Rude Tracey Mosley Video


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