Enduro World Series Finale 2016 Enduro World Series Finale 2016

Enduro World Series 2016 #8 Finale Ligure

EWS-Rennbericht: von Meer zu Meer

Adrian Kaether am 04.10.2016

Beim Finale der Enduro World Series 2016 holten Richie Rude und Cecile Ravanel den Titel. Martin Maes kehrte zurück an die Spitze, Nico Vouilloz und Anne-Caroline Chausson kündigten ihren Rückzug an.

Es war erst Ende März, vor kaum mehr als einem halben Jahr, dass die Enduro World Series an der chilenischen Pazifikküste ihren Anfang nahm. Seitdem führte die Enduro World Series die besten Enduro-Piloten der Welt in fabelhaften Rennen durch Argentinien, Irland, Italien, die USA, Kanada und Frankreich. Wir sahen den Aufstieg von Sam Hill, den Déjà-vu-Sieg von Tracey Moseley und Greg Callaghan in Irland, bangten mit Martin Maes um seine Rückkehr an die Spitze der Weltelite nach seiner Verletzung beim Downhill-Worldcup in Fort William, feierten den Triumph von Jared Graves in Colorado und das Duell zwischen Sam Hill und Nico Vouilloz in Valberg. Und wir bewunderten vor allem Richie Rude und Cecile Ravanel für ihre Dominanz und ihre Konstanz. Jetzt, an der italienischen Mittelmeerküste im Enduro-Mekka Finale Ligure schließt sich der Kreis.

Aber von einem gemütlichen Ausklingen der Rennsaison konnte in Finale keine Rede sein. Auf der physischen Ebene forderten sieben lange Stages die letzten Kraftreserven der Rennfahrer, alleine der Transfer zur ersten Stage dauerte fast zwei Stunden. Nach und nach, Stage für Stage arbeitete sich das Rennen von den Bergen aus immer weiter bis zum Meer fort. Ausgerechnet die letzte Stage der Saison trug den vielversprechenden Namen "Men's Downhill" und gilt nach wie vor als eine der anspruchsvollsten Stages der ganzen Saison. Selbst Ausnahmetalente wie Richie Rude oder Martin Maes konnten sich hier keinen Moment der Unachtsamkeit leisten.

Enduro World Series Finale 2016

Clementz Teamkollege Marco Osborne holte mit Platz 9 sein erstes Top Ten Ergebnis überhaupt.

Enduro World Series Finale 2016

Martin Maes gab in Finale Ligure 100 % und katapultierte sich damit an die Spitze des Rennens.

Psychischer Druck auf Richie Rude und Martin Maes

Auch der psychische Druck war in Finale Ligure nicht zu unterschätzen. Denn während die Saison bei den Damen mit dem Sieg von Cecile Ravanel in Valberg schon zu ihren Gunsten entschieden war, durfte sich der Gesamtführende bei den Männern, Richie Rude, zumindest keinen Patzer leisten. Minimal Platz 36 musste er erreichen, um den Gesamtsieg sicher nach Hause zu bringen. Doch die Profis ließen sich nichts anmerken. Mit kühlem Kopf zogen sie ihre Bahnen und sowohl Richie Rude als auch Cecile Ravanel schossen weit über die selbstgesteckten Ziele hinaus.

Am meisten beeindruckte aber Martin Maes. Der erst 19 Jahre alte Belgier ist einem Sieg und damit Richie Rude schon lange auf den Fersen. Ausgerechnet beim Downhill-Worldcup in Fort William aber verschätzte er sich bei einem Sprung, landete hart auf dem Vorderrad, verlor die Kontrolle und überschlug sich. Ein gebrochenes Handgelenk bremste ihn seitdem ein, doch in Finale Ligure war er wieder ganz der Alte. Mehr noch – er schien motiviert wie nie, vergrößerte seinen Vorsprung auf jeder Stage und behielt auch auf der schwierigen letzten Stage einen kühlen Kopf. Er drosselte das Tempo ein wenig und fuhr so nur auf Platz 33, mit seinem großen Vorsprung war ihm der Rennsieg damit aber trotzdem sicher.

Rude und Ravanel sind "Enduro-Weltmeister" 2016

Zweiter wurde Richie Rude, der damit mit großem Abstand seinen zweiten "Enduro-Weltmeistertitel" in Folge einfährt. Die ganze Saison über konnte er glänzen, überholte in La Thuile trotz 30-Sekunden-Vorsprung sogar seinen engsten Verfolger Damien Oton. Niemand kann nach den letzten zwei Jahren also mehr zweifeln. Richie Rude ist die Benchmark im Enduro, die es zu schlagen gilt.

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Cecile Ravanel war mal wieder nicht zu schlagen. Wird sich das 2017 ändern?

Enduro World Series Finale 2016

Richie Rude ist die Benchmark im Enduro. Ihn wird man 2017 schlagen müssen.

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Zwar hat die EWS immer noch keine offizielle Unterstützung von der UCI doch die Sieger können sich ruhig als Enduro-Worldchampions betiteln. Sie lauten 2016 Richie Rude, Cecile Ravanel, Adrien Dailly, Raphaela Richter und Michael Broderick (Masters).

Noch dominanter war Cecile Ravanel bei den Damen. Lediglich in Irland musste sie sich der Allmacht von der ins Renngeschehen zurückgekehrten Tracey Moseley geschlagen geben, ansonsten gewann sie 2016 jedes Rennen. Die Saison 2017 bringt jedoch wahrscheinlich Bewegung ins Feld der Damen. Die Hoffnungen ruhen dabei auf Ravanels Landsfrau Isabeau Courdurier, die schon in dieser Saison Cecile Ravanel bedrohlich nahe kam und ihr den einen oder anderen Stage-Sieg wegschnappen konnte. Die 22-jährige Courdurier wird aus der Winterpause nur noch stärker zurückkehren.

Fotostrecke: EWS Finale 2016

Raphaela Richter holt den U21-Titel

Auch der Nachwuchs ließ diese Saison keine Wünsche offen. Bei den Männern duellierten sich Adrien Dailly (Lapierre) und Sebastien Claquin (Rocky Mountain) aufs heftigste und schenkten sich die ganze Saison über keine einzige Sekunde. Erst im letzten Rennen konnte Adrien Dailly sich absetzen und den U21-Titel sichern, Claquin hatte technische Probleme und fand danach nicht mehr in seinen Rhythmus.

Besonders erfreulich – aber nicht gerade eine Überraschung – ist der Gesamtsieg von Raphaela Richter im U21-Feld der Damen. Die junge Radon-Pilotin hatte am Ende mit 1100 Gesamtpunkten ganze 260 Punkte Vorsprung auf ihre nächste Verfolgerin. Wer weiß, vielleicht wird sie schon im nächsten Jahr die Top-Fahrerinnen aufmischen. Wenn wir richtig gerechnet haben, kann sie aber noch mindestens ein weiteres Jahr in der U21 verbleiben.

Karriereende von Nico Vouilloz und Anne-Caroline Chausson

Während die Jugend in Finale Ligure alle Titel holte, blieben die Veteranen des Sport weitestgehend chancenlos. Nur Nico Vouilloz bildete eine Ausnahme und verpasste das Podium auf Platz vier knapp. Sam Hill und Jerome Clementz fuhren auf die Plätze zehn und zwölf und holten damit immerhin noch anständige Ergebnisse. Für Clementz reichte Platz zwölf sogar aus, um sich den dritten Gesamtrang zu sichern. Größen wie René Wildhaber dagegen oder Justin Leov wurden gnadenlos nach hinten durchgereicht. Jared Graves konnte das Rennen nicht beenden. Er stürzte schwer, der Kopf blieb zwar heil, Helm und Knöchel aber versagten danach ihren Dienst. Außerdem kündigten Nico Vouilloz und Anne-Caroline Chausson nach dem Rennen in Finale Ligure ihren Rücktritt an. Der Generationenwechsel ist damit eingeläutet.

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Sie war eine der großen Legenden des Sports. Jede Downhill-orientierte Disziplin schien ihr zu liegen, selbst der Krebs hielt sie nicht auf. Jetzt hat Anne-Caroline Chausson ihren Rücktritt bekanntgegeben. Der Sport verliert die größte Downhill-Athletin, die er je gesehen hat.

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Auch Nico Vouilloz hat in Finale Ligure seinen Rücktritt angekündigt. Er beendet seine Karriere mit einem vierten Platz. Würdig, für einen der erfolgreichsten Downhill- und Enduro-Piloten, den der MTB-Sport je gesehen hat.

Adrian Kaether am 04.10.2016
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