Enduro World Series 2014: Ludwigs Diaries #4 Enduro World Series 2014: Ludwigs Diaries #4 Enduro World Series 2014: Ludwigs Diaries #4

Enduro World Series 2014: Ludwigs Diaries #4

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 7 Jahren

Bei den Briten: Ludwig fährt sein erstes Rennen der Enduro World Series und erklärt, warum breite Lenker nicht immer besser sind.

Vom Rennen am Samerberg ging es für mich direkt weiter nach Amsterdam und dort auf die Fähre nach England, zum Rennen der Enduro World Series. Im Klartext hieß das, montags zirka zehn Stunden Auto fahren, um dann über Nacht die Nordsee bis Newcastel/GB zu durchqueren. Dienstagmorgens ging es dann auf schottischen Rallyepisten weitere drei Stunden zum Rennort, von Autobahnen halten die Briten nicht sonderlich viel. Solch eine Reise ist nach einem Rennen nicht gerade sehr regenerativ.

Michiel Rotgans Komplexe Theorie: Ein kurzer Impuls in Fahrtrichtung am kurveninneren Lenkerende leitet die Kurvenfahrt ein. In der Praxis einfach: Spaß!

Für mich war es das erste Mal in England und schon auf der Fähre gaben mir einige Leute denselben Rat: "First rule on the island: This is not Europe, everything is different!" Dieser Satz sollte sich im Laufe der Woche noch mehrmals bestätigen. Die schottischen Essgewohnheiten und der Linksverkehr waren einige der kleineren Details, die anders waren als auf dem Kontinent. Die verschiedenen Auffassungen von Mountainbiken klaffen da schon etwas weiter auseinander.

Wurzelmeere und "schottischer Sommer"

Während bei uns Enduro-Pisten meist so angelegt werden, dass sie relativ sicher und für Jedermann bezwingbar sind, ist das Ziel der Briten vielmehr, dem Fahrer alles abzuverlangen oder man könnte auch fast meinen, ihn zu quälen. Da kombiniert man halt ganz einfach mal zwei Downhill-Rennstrecken der British Downhill Series mit einem dreiminütigen Schotteranstieg in einer Stage. Die Downhill-Strecken darf man sich hier auch nicht vorstellen wie im Bikepark Bischofsmais, wo man relativ schnell auf grobem Untergrund und offenem Gelände ein paar Sprünge kombiniert. "This is not Europe!"

Michiel Rotgans Im dichten Wald können übermäßig breite Lenker schon mal hindern.

Hier wird Mountainbiken im Unterholz betrieben. Der Charakter der Strecken ist leicht beschrieben: supereng, absolut steil und europäische Wurzelteppiche werden durch britische Wurzelmeere ersetzt. Manche Stellen waren so steil, ich hätte nicht gewusst, wie ich die Dinger zu Fuß bewältigen sollte. Mit Hilfe eines Rades, eines extrem guten Selbstbewusstseins und starker Bremsen ging es zwar nicht viel besser, aber immerhin ging es. Kein Wunder, dass die Briten Downhill-Nation Nummer eins sind! Von solchen Trainingsbedingungen können wir in "good old Germany" nur träumen.

Schottische Wetterverhältnisse beim Training erschwerten die Sache noch ungemein, zum Rennen trocknete es jedoch noch rechtzeitig ab, und sogar die Sonne ließ sich mal blicken. Diese Art von Streckenführung gepaart mit extrem physisch anstrengenden Anstiegen, über 50 Kilometer Transferstrecken und die lockere Protektoren-Pflicht der Briten forderten viele Opfer. Einige Lenker wurden von den Mechanikern in den Pits auf ein Minimum gestutzt. Mein Teamkollege Scott Laughland brach sich bei einer Baumdurchfahrt das Schlüsselbein, ohne zu stürzen. Platte Reifen waren an der Tagesordnung.

Lehrreiches Dilemma

Nach drei Tagen Training fühlte ich mich am ersten Renntag in Innerleithen ganz gut und konnte mich letztendlich um den 50. Rang im Worldcupfeld behaupten. Am zweiten Renntag musste ich jedoch den Anstrengungen der vergangenen Tage Tribut zollen. Der Anstieg von Peebles zu Stage eins ging noch ganz locker, aber als ich den ersten explosiven Antritt am Start wagte, fühlte sich das ungefähr so an, als wolle man ein Auto mit einer Knopfzelle starten. Da passierte nicht viel, auch die Konzentration war nicht mehr ganz auf der Höhe und so wurde dieser Tag für mich zum absoluten Dilemma. Ein weiterer Sturz und ein Plattfuß am Hinterrad spülten mich letztendlich auf Platz 67.

Michiel Rotgans Ludwig mit Respekt vor den steilen und rutschigen Wurzelpassagen.

"Thats racing." Ich verbuche die Woche als ein weiteres lehrreiches Erlebnis und konzentriere mich weiterhin auf die Rennen auf unserem Kontinent, wo eben nicht alles anders ist. Mein zweiter Teamkollege Nico Lau (F) hatte weniger mit den Strecken zu kämpfen als der Rest und holte sich seinen ersten Sieg der Enduro World Series vor Justin Leov (NZ) und dem Einheimischen Joe Barnes. Bei den Frauen lag am Ende die Britin Tracy Moseley vor den beiden Französinnen Anne-Caro Chausson und Cecile Ravanel.

ride on
Ludwig

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