EWS #2: Enduro für Downhiller in Argentinien EWS #2: Enduro für Downhiller in Argentinien EWS #2: Enduro für Downhiller in Argentinien

Enduro World Series #2 2016 Cerro Catedral, Argentinien

EWS #2: Enduro für Downhiller in Argentinien

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Der zweite Stopp der Enduro World Series brachte einige Überraschungen mit sich. Mit "Blenki" und Casey Brown fuhren zwei Downhill-Spezialisten aufs Enduro-Podium.

Nur eine Woche nach dem Auftaktsieg von Richie Rude und Cecile Ravanel in Chile fand am vergangenen Wochenende bereits das zweite Rennen der Enduro World Series in Cerro Cathedral (Argentinien) statt. Obwohl die Entfernung zwischen den beiden Austragungsorten für die Verhältnisse der Enduro-Königsklasse nicht besonders groß war – nur etwa 400 Kilometer Autofahrt liegen zwischen Corral und Cerro Catedral –, so waren die beiden Strecken doch vom Charakter her total verschieden. Während beim ersten Stopp der EWS die Fitness besonders hoch im Kurs stand, war das zweite Rennen nur mit überragender Technik und der entsprechenden Risikobereitschaft zu gewinnen.

Duncan Philpott Cecile Ravanel wie immer extrem konzentriert. Ihr Blick allein lässt die Felsen aus dem Weg springen.

Der Staub in Argentinien kroch den Fahrer von der ersten Stage an in jede Pore. Durch den losen Untergrund veränderten sich die Ideallinien von Fahrer zu Fahrer – erst recht vom Training zum Rennen. Vorrausschauend auf Sicht zu fahren und dabei den Überblick zu behalten, das war der Schlüssel zum Erfolg. Die erste Stage hatte es mit 2,7 Kilometern und 454 Tiefenmetern bereits in sich. Richie Rude und Cecil Ravanel konnten gleich an ihren Sieg vom Vorwochenende anknüpfen. Sie hielten beide trotz des Staubs ein hohes Tempo aufrecht, ließen sich aber auch nicht von verborgenen Steinen oder versteckten Rinnen aufhalten. Hinter Rude folgten Sam Blenkinsop und Martin Maes. Downhill-Spezialist "Blenki" nimmt in diesem Jahr auch an der EWS teil, so lange es der Downhill-Worldcup zulässt. Cecile Ravanel wurde von Isabeau Courdurier und Casey Brown verfolgt.

„Enduro für Downhiller“ und Vouilloz' härtestes Rennen

Die zweite Stage gönnte den Athleten mit nur einem Kilometer und 144 Höhenmetern eine kleine Pause. Wieder konnten Rude und Ravanel sich dursetzen, Zweiter bei den Männern wurde Newcomer Lewis Buchanan vor Martin Maes. Anneke Beerten fand nicht in den Flow und stürzte auf der kurzen, zweiten Stage dann auch noch leicht. Das komplette Wochenende in Argentinien sollte nicht gerade ihr Lieblingsrennen werden.

Die kleine Ruhepause mit der kurzen zweiten Prüfung hatten sich die Fahrer auch wirklich verdient, denn Stage drei sollte eine der extremsten Stages werden, die der Enduro-Rennsport je gesehen hat. Downhill-Spezialistin Casey Brown erklärte die Stage zum “Enduro für Downhiller“ und Nicolas Vouilloz gab hinterher zu, dass er in 24 Jahren Profikarriere keine dermaßen anspruchsvolle Stage erlebt habe. 3,48 Kilometer und 728 Tiefenmeter machen dabei schon auf dem Papier den meisten Downhill-Strecken auf der Welt Konkurrenz. Dabei wurde ein Mix aus fiesen Steinen und querliegenden Wurzeln bedeckt von der üblichen Portion Staub und den damit einhergehenden tiefen Rinnen und Löchern geboten.

Duncan Philpott Tony Ferreiro auf der grandiosen dritten Stage, auf der er seinen ersten Stage-Sieg bei der Enduro World Series überhaupt einfuhr. Insgesamt wurde er Vierter.

Lewis Buchanan stürzte leicht, konnte aber trotzdem noch eine gute Position einfahren. Greg Calaghans Sturz war eine einzige Staubexplosion, die Fahrer und Rad hinter zwei Meter hohen Fontänen verbarg. Der Spanier Tony Ferreiro brillierte in der langen Downhill-Stage vor Martin Maes und Richie Rude. Für Ferreiro ist das der erste Stage-Sieg in seiner Karriere in der EWS überhaupt. Bei den Damen war Cecile Ravanel weiterhin nicht zu schlagen, während sich mit Casey Brown und Isabeau Courdurier zwei eindeutige Verfolgerinnen für das Wochenende abzeichneten. Nach Tag eins lag damit Richie Rude nur 4,4 Sekunden vor Martin Maes auf Platz eins, während Cecile Ravanel bereits 40 Sekunden auf Isabeau Courdurier herausgefahren hatte.

Tag 2: Casey Brown überholt Isabeau Courdurier

Am zweiten Tag wurde den Zuschauern auf der ersten Stage ein gleiches Bild geboten. Mit 2,6 Kilometern und 578 Tiefenmetern war Stage vier sehr steil. Wieder dominierten Staub, Fahrrinnen und plötzlich auftauchende Löcher, doch diesmal konnte Sam Blenkinsop seinen zweiten EWS-Stage-Sieg vor Richie Rude und Martin Maes einfahren, während die Veteranen Clementz und Gracia auf Platz vier und fünf landeten. Bei den Damen das übliche Bild mit Ravanel vor Brown und Courdurier.

Duncan Philpott Sam Blenkinsop gab der Strecke in Argentinien ordentlich Saures.

Abwechslung war dagegen mit der fünften und sechsten Stage geboten: Während Stage fünf mit 3,78 Kilometern und nur 258 Tiefenmetern sehr flach ausfiel und die Kondition forderte, war mit Stage sechs nochmal ein echter Downhill-Track geboten. Die Anforderungen an die Kondition in Stage fünf lagen offensichtlich Francois Bailly-Maitre sehr gut, der sich auf dem zweiten Platz hinter Richie Rude und vor Martin Maes einreihte, während bei den Damen Ines Thoma hinter Cecile Ravanel und Casey Brown den dritten Platz holte.

EWS #2 2016 in Argentinien

7 Bilder

Stage 6 – Downhill-Track: Klappe, die Zweite!

Stage sechs mit drei Kilometern und 614 Tiefenmetern war Downhill im Kleinformat, mit allem was dazu gehört. Endlich etwas weniger Staub, dafür technisch sehr hohe Anforderungen mit Wurzeln und Off-Camber-Abschnitten, mit Steilstücken und kleinen Rock-Gardens. Kein Wunder, dass Downhiller Sam Blenkinsop auf seinem Norco den Stage-Sieg holte, vor Martin Maes und Tony Ferreiro mit seiner zweiten beachtlichen Position. Casey Brown durchbrach die Dominanz von Cecile Ravanel und verwies die erfahrene Enduro-Pilotin mit ihrer Downhill-Erfahrung auf den zweiten Rang vor Isabeau Courdurier. Casey Brown ist damit die einzige, die im zweiten Rennen der EWS 2016 überhaupt eine Prüfung gegen Cecile Ravanel gewinnen konnte.

Duncan Philpott Casey Brown räumt schon in ihrem ersten EWS-Rennen ab und sichert sich den zweiten Platz. Ihre Downhill-Expertise spielte ihr dabei in Argentinien ganz besonders in die Karten.

Der Endstand ist keine Überraschung: Mit konstant sehr guten Leistungen und vielen Stage-Siegen holen sich Cecile Ravanel und Richie Rude die ersten Plätze. Beide haben damit in der 2016er-Saison der Enduro World Series schon zwei Siege eingefahren und sind die klaren Favoriten. Beachtlich ist aber auch die Leistung von Martin Maes, der zwar keinen Stage-Sieg einfahren konnte, aber mit konstanten zweiten und dritten Plätzen am Ende nur 7,81 Sekunden hinter Richie Rude lag.

EWS #2 Fazit: Newcomer vor MTB-Veteranen

Sowieso haben bei den Männern eher die Newcomer die Nase vorn: Neben Maes und Rude, die erst letztes Jahr ganz vorne im Tableau auftauchten, sollte man auch Tony Ferreiro und Lewis Buchanan im Auge behalten, die beide bei der EWS #1 in Chile noch schlechter als Platz zehn lagen. Die erfahrenen Fahrer haben dagegen eher Schwierigkeiten: Jared Graves stürzte im Training und konnte auch im Rennen nicht mit der Pace der Führungsgruppe mithalten, Justin Leov ergeht es nach seinem Teamwechsel von Trek zu Canyon noch schlechter. Nico Vouilloz konnte in Chile überzeugen, in Argentinien tat er sich eher schwer. Jerome Clementz fuhr auf einen passablen sechsten Platz, Damien Oton sicherte sich Rang acht.

Duncan Philpott Das Podium der Herren: Martin Maes, Richie Rude und Sam Blenkinsop (von links).

Bei den Damen war der Sieg von Cecile Ravanel sehr eindeutig. Mehr als eine Minute trennten sie von ihrer nächsten Verfolgerin Casey Brown. Zwischen ihr, Isabeau Courdurier und vielleicht Anneke Beerten bahnt sich aber ein spannender Kampf um den zweiten Platz an. Anneke Beerten landete allerdings in Argentinien auf einem für ihre Verhältnisse enttäuschenden fünften Platz, hinter der deutschen Enduro-Hoffnung Ines Thoma, die mit ihrem vierten Platz mit Konstanz glänzen kann. Rae Morrison sicherte sich Rang sechs.

Die vollständigen Ergebnisse zur EWS #2 in Argentinien finden sie unter diesem Link , das nächste Rennen der Enduro World Series 2016 wird am 15. Mai in County Wicklow in Irland ausgetragen.

Themen: ArgentinienEnduroEnduro World SeriesJerome ClementzNico VouillozRaceRichie Rude


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