SSES 2015 #4 Samerberg: von wegen Hitzefrei SSES 2015 #4 Samerberg: von wegen Hitzefrei SSES 2015 #4 Samerberg: von wegen Hitzefrei

Enduro-Blog 2015 von Ludwig Döhl #7

SSES 2015 #4 Samerberg: von wegen Hitzefrei

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 5 Jahren

Enduro-Racer Ludwig Döhl musste in Samerberg seinen bayrischen Dialekt zum Glück nicht zügeln und konnte sich so trotz Hitze voll auf das Rennen konzentrieren. Zur Belohnung gab’s Bier und Freibad.

Im Vorfeld des vierten Rennens der Specialized Sram Enduro Series machte mir mein eigener Schlendrian einen Strich durch die Rechnung. Zuerst verpasste ich die Anmeldung und musste dank ausgebuchter Veranstaltung erst mal auf der Warteliste Platz nehmen. Als ich dann auch noch am Montag vor dem Rennen vergebens versuchte, eine Pension zu buchen, wurde mir klar: Das erste Rennen um die begehrten Betten und Frühstücksangebote im nahen Umkreis des Start-Ziel-Bereichs hatte ich bereits verloren.

Mit Grill und Feldbett ins Fahrerlager

Nach 15 Telefonaten mit verschiedensten Herbergen gab ich die Hoffnung auf ein kühles Zimmer mit Nordausrichtung in einem für die Region typischen Bauernhof auf. Stattdessen entschloss ich mich, den Sommer in seinen vollsten Zügen beim Camping im Fahrerlager zu genießen. Grill, Pavillon, Extragarnitur Klappstühle und Feldbett füllten die wenigen leeren Stellen in meinem VW-Bus aus.

Als ich mit meiner Camping-Ausrüstung auf dem Weg nach Samerberg war, ließ ich die Rennen der letzten Jahre dort mental Revue passieren und sie waren alle von Extremen geprägt: Während 2014 und 2012 Hitzewellen Einzug hielten, wurden die Bedingungen durch Dauerregen und miese Temperaturen 2013 etwas erschwert. Man kann sagen: Samerberg ist fast schon ein Klassiker im Rennkalender, der gemeinsam mit Treuchtlingen die Rennserie seit ihrer ersten Saison 2012 begleitet. Ich find es immer wieder cool, wenn ich eine kurze Anreise zu einem Rennen hab' und freu mich, wenn ich abends, beim Essenbestellen im Restaurant, meinen Dialekt nicht ablegen muss, um verstanden zu werden.

Prolog in Samerberg.

Im Fahrerlager war eine geile Stimmung, alle Camper grillten gemeinsam und am Abend fuhr jeder in kleinen Grüppchen gemeinsam zum Freibad, um sich etwas zu erfrischen. Hätte ich nicht zwischendurch immer wieder Puls und Adrenalin mit Training und Wettkampf hoch gehalten, hätte man fast glauben können, ich bin in einem Ferienlager der Landjugend Bayern gelandet.

Guter Mix aus Flow und Highspeed

Es war schwer, sich bei über 35 Grad vom Ferienlager-Feeling abzuwenden und sich beim Training ernsthaft auf die Strecke zu konzentrieren. Meine Erfahrung und Erinnerung aus den letzten Jahren half mir, die fast unveränderten Rennstrecken trotz Hitze ins Gedächtnis zu hämmern. Es war ein guter Mix aus flowigen Stages im Bikepark, einer super eckigen Stage zwei, bei der man fast das Hinterrad versetzen musste und dem am Samerberg üblichen Highspeed-Geballere durch Bachbette mit losem Geröll.

Vollgas im Bachbett.

Stage vier wurde nach dem Training vom Veranstalter gestrichen, um das Risiko für die Sportler zu reduzieren. Bei hohem Tempo im Kampf um Sekundenbruchteile erhöht sich die Gefahr auf rutschigen, steinigen und ausgesetzten Wegen meist exponentiell. Was beim gemütlichen Abfahren einen ordentlichen Trail darstellt, wird im Rennen oftmals zum Horrorszenario mit großem Risiko für die Sportler. Deshalb entschied sich der Veranstalter, Stage vier ohne Zeitmessung passieren zu lassen, um die Gesundheit der Sportler zu schützen.

Anakonda-Alarm im Bikepark Samerberg.

Der Prolog an der "4 X"-Strecke direkt hinter der Hochriesbahn stellt seit jeher einen Zuschauermagneten dar. Bei einem Mix aus Sprüngen, Anliegern und einem langen Sprint, ließ Fabian Scholz nach einer kurzen Verletzungspause seine Muskeln und sein Können raus und räumte den Prolog ab. Ich selbst reihte mich etwas weiter hinten auf Rang neun ein und musste wieder mal einsehen, dass der Prolog nicht meine Stärke ist.

Doch die Karten wurden für Sonntag neu gemischt. Über Nacht trockneten die Strecken nochmals ab und wurden zur reinsten Rutschbahn – durch den Staub, der sich auf sie gelegt hatte. Gleich bei Stage eins hatte ich aufgrund der rutschigen Bedingungen zwei "magic moments", die mich fast dazu zwangen, mich vom Sportgerät zu trennen. Aber irgendwie konnte ich die Schwerkraft doch überlisten und auf meinem Rad bleiben. Es war wie ein Schuss vor den Bug und ich ließ es deswegen etwas ruhiger angehen, um mich in den nächsten Stages nicht abzulegen.

Blöd, wenn plötzlich Flatterband den Weg versperrt

Die Hitze machte jedem auf den Transferstrecken stark zu schaffen, aber mit 1200 hm war die Streckenführung sowieso eher von der weicheren Sorte. Dank minimalistischen Einfach-Übersetzungen durfte das Bike oft auch geschoben werden, um die Oberschenkel für die Wertungsprüfungen zu schonen. Leider haben die Veranstalter die Strecke für das Rennen in vielen Teilen im Vergleich zum Training nochmals umgesteckt, was uns Sportler immer vor große Herausforderungen stellt. Schließlich werden Sektionen bis zum Exzess trainiert. Wenn dann auf einmal ein Flatterband in der einstudierten Kür den Weg versperrt, kann das oft blöd ausgehen.

Das blaue Trikot bringt endlich mal wieder Farbe aufs Podium.

Im Großen und Ganzen brachte ich meine Stages ordentlich runter und schaffte es auch beim Treten, gut Druck auf das Pedal zu geben. Im Ziel konnte ich mich auch endlich mal wieder über eine Podiumsplatzierung freuen und rundete das "Stockerl" auf Rang drei hinter Markus Reiser und Fabian Scholz ab. Das Wochenende ließ ich mit einem gemütlichen Bier vor der Siegerehrung und einer Runde Freibad danach stilecht ausklingen. Einen letzten Kraftakt hatte ich dann allerdings doch noch vor mir. Der Campingkühlschrank hatte meine Autobatterie leer gesaugt und ich musste mein Auto anschieben, bevor ich das "Ferienlager" verlassen konnte.

Happy Camping

Ludwig

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