EES 2015 #1 Punta Ala: Döhl zurück im Rennmodus EES 2015 #1 Punta Ala: Döhl zurück im Rennmodus EES 2015 #1 Punta Ala: Döhl zurück im Rennmodus

Enduro-Blog 2015 von Ludwig Döhl #03

EES 2015 #1 Punta Ala: Döhl zurück im Rennmodus

  • Ludwig Döhl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Beim ersten Rennen der European Enduro Series 2015 fand Cube-Fahrer Döhl wieder zurück in den Rennmodus. Die Stein-Canyons in Punta Ala forderten jedoch ihre Opfer.

Nach dem letzten Rennen in Treuchtlingen hisste ich die Woche über die Fahnen nur auf Halbmast, bevor es für unser Team weiter in die Toskana nach Punta Ala ging. Halbmast im Biker-Alltag heißt, die Worte zu Hause waren karg gesät, das Sportgerät bekommt weniger Pflege als normal und das Training wird eher wiederwillig abgespult als mit voller Motivation genossen.

Auf der 12-stündigen Autofahrt zum ersten Rennen der European Enduro Series kehrte ich jedoch meiner Trotzstimmung den Rücken. Erinnerungen an den ersten Worldcup, der hier in Punta Ala vor zwei Jahren stattfand und an den letztjährigen Europacup, halfen mir in einer Art Selbsttherapie dabei, die schlechte Laune abzulegen. Die Racepits direkt am Meer und die Tatsache, dass alle Fahrer in kleinen Bungalows am Campingplatz wohnten, waren nur zwei kleinere Gründe, welche zur Stimmungsaufheiterung beitrugen.

Punta Ala: Traumhafte Kulisse der ersten Show der European Enduro Series.

Stein-Canyons erweiterten den Horizont und forderten Opfer

Aber der Gedanke an die Streckenführung der letzten Jahre ließen die Mundwinkel steil nach oben wandern. Das in der Biker-Szene oft auf Südtirol, Gardasee und Finale Ligure begrenzte Italien bringt seinen wahren Charme eigentlich erst südlich von Genua zum Vorschein. Was der Rennfahrer hier als Charme bezeichnet, zeigt sich in Form von knüppelharten Strecken, die uns der Organisator Trailsolution präsentierte: Eine ausgewogene Mischung aus flachen, flowigen Trails und technisch hoch anspruchsvollen Steinpassagen wurde mit etlichen Tretpassagen gewürzt.

Wer sich unter technisch anspruchsvollen Steinpassagen ein Steinfeld von 3-4 Metern Länge vorstellt, das mit zwei gezielten Bunny-Hops übersprungen werden kann, der kann in Punta Ala seinen Horizont ohne Probleme erweitern. Hier winden sich kleine Stein-Canyons kilometerlang den Berg hinunter. Über Jahrtausende hat die Natur mit Bachläufen Anlieger, Sprünge und technische Lines besser geformt als es eine Baggerschaufel im Bikepark Whistler jemals schaffen wird. Nicht gerade leicht zu bezwingen oder anfängertauglich, aber wenn man den Move einmal raus hat, ist es genial, um seinen Körper und das Material an die Grenzen zu bringen.

Ludwig Döhl ist zurück im Rennmodus.

Die Steinformationen, welche es zu bezwingen galt, forderten jedoch auch einige Opfer. Zahlreiche Reifen, etliche Felgen und nicht zuletzt ein paar Knochen gingen irgendwo zwischen Start und Ziel der jeweiligen Stages in die ewigen Jagdgründe über. Unser Team schickte mit Scott Laughland, Gusti Wildhaber, André Wagenknecht und mir vier Fahrer in den Ring, den leider nur ich ohne größere Zwischenfälle wieder verlassen konnte. André und Scott holten sich mit einem jeweils platten Hinterreifen das kleinere Übel, während Gusti leider mit seinem Schlüsselbein für die Fahrt im Grenzbereich bezahlen musste.

Mit zitternden Knien in den Trail

Nachdem ich in Treuchtlingen irgendwie neben mir stand, fand ich in der Toskana wieder in den Rennmodus zurück. Am Samstag beim Prolog kam die Rennstimmung wieder. Die Atmung vor dem Start wurde flacher, der Puls stieg im Ruhezustand und die virtuellen Scheuklappen wurden wieder angebracht, sprich, alles was sich links und rechts von der Strecke befand, wurde ausgeblendet und 100 Prozent der Hirnleistung beschäftigten sich mit den 20 bis 30 Metern Trail direkt vor dem Vorderrad.

Platz elf im Prolog ließ zwar noch Platz nach oben, war aber auch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Am Sonntag brachte ich solide Läufe nach unten und leistete mir nur wenige Patzer während der 26-minütigen Renndauer. Nicht nur die Stages waren knallhart, auch die Transfer-Etappen mit 1900 Höhenmeter zu den eigentlichen Etappen zogen einem die Kraft aus den Beinen. Jeder Marathonfahrer lacht über die Streckendaten von 1900 Höhenmeter und zirka 50 Kilometer Länge, aber ein Marathonfahrer spult seinen Arbeitsalltag auch nicht unter einem Integralhelm und Rückenpanzer ab und erst recht nicht mit einem Bike, welches in gewissen Zügen eher einem Motorrad ähnelt als dem schmalspurbereiften Gefährt der Cross-Country-Fraktion.

Kurzum, es war eine Qual und viele der steilen Schotteranstiege konnten vom Fahrerfeld nur schiebend bezwungen werden. Auf der letzten Stage begannen meine Beine im Trail zu zittern als würden sie beginnen, um Gnade zu betteln. Der Rest des Körpers machte aber noch einen vernünftigen Eindruck und so entschloss ich mich, weiter am Gashahn zu drehen. Im Ziel wurde ich mit Platz neun belohnt. Ein solides Top-Ten-Ergebnis im ersten Europacup 2015. Ich würde sagen: "Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen."

Siegerehrung.

Bärenstark dagegen präsentierte sich Michal Prokop, der nach Treuchtlingen seinen zweiten Saisonsieg in Punta Ala feiern konnte, dicht gefolgt vom Briten Robert Williams und dem Schweden Robin Wallner. Für die kommenden Rennen muss ich noch etwas an Fahrt aufnehmen, aber nun geht es erst mal, mit einigen Punkten für die Gesamtwertung im Sack, nach Riva zum BIKE-Festival, um die Trails und neuen Strecken rund um den Gardasee unter die Stollen zu nehmen.


Zur Ergebnisliste im PDF-Format

Zur Person: Ludwig Döhl (25)

Ludwig Döhl, Enduro-Team Cube: Ich werde als erstes in Malcesine in die Gondel steigen und auf den Monte Baldo schweben. Nachmittags hat man den Sonnenuntergang auf der La-Prada-del-Ventrar-Tour ganz für sich allein.

Der ehemalige BIKE-Junior-Teamfahrer hat 2011 vom Cross-Country- ins Enduro-Lager zum Cube-Action-Team gewechselt und zählte schnell zu Deutschlands besten Enduro-Piloten. International hat er noch nichts gerissen, doch das kann sich ändern. Wir wissen: Döhl ist fit und enorm ehrgeizig. Er will 2015 bei vielen Rennen starten. Ludwig kennt die Szene und berichtet in seinem Race-Blog, was sich im Enduro-Fahrerlager tut.

Enduro-Blog 2015: Ludwig Döhl berichtet aus Punta Ala

7 Bilder

Beim ersten Lauf der European Enduro Series im wunderschönen Punta Ala fand Ludwig Döhl zurück in den Rennmodus.

Gehört zur Artikelstrecke:

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Themen: DöhlEnduroRaceRace-Blog


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