Downhill-Worldcup-Finale in Vallnord (AND) 2016

Danny Hart schafft den Hattrick

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 4 Jahren

Erst staubte es, dann regnete es beim Worldcup-Finale der Downhiller in Vallnord. Rachel Atherton ließ sich nicht irritieren und Regenspezialist Danny Hart kam das schlechte Wetter sogar ganz gelegen.

Auch wenn die Sieger der Worldcup-Gesamtwertung, Rachel Atherton und Aaron Gwin, eigentlich schon im vorhinein feststanden: Einen Mangel an Spannung gab es beim Finale des Downhill-Worldcups in Vallnord (Andorra) nicht zu beklagen. Kein Wunder, denn Rennen auf einer solchen Strecke können eigentlich überhaupt nicht langweilig werden. Zwar ist keine der anderen Worldcup-Strecken wirklich einfach, doch Andorra stach dieses Jahr durch extreme Bedingungen besonders hervor. Das lag vor allem an der enormen Höhendifferenz von 612 Metern und einem durchschnittlichen Gefälle von 23 Prozent verbunden mit extrem staubigen Bedingungen, die fast keinen Gripp boten. Die gefürchtete Sektion "The Wall" mit einem Gefälle von bis zu 75 Prozent wurde so nahezu unfahrbar.

Gemischte Gefühle im Startgate

Genau das richtige Terrain also, um selbst bei den Besten der Besten noch die Spreu vom Weizen zu trennen. Wie wenig Gripp die Strecke, bot musste auch Tahnee Seagrave erfahren, der im Training der Vorderreifen unkontrolliert wegrutschte und sie bei Highspeed über den Lenker warf. Nach der Durchsicht im Krankenhaus gaben die Ärzte aber zum Glück grünes Licht, und so entschied sie sich, trotz des Crashs und der damit verbundenen Unsicherheit, noch im Rennen anzutreten. Eine gute Entscheidung, denn sie landete prompt im Hot-Seat.

Rachel Atherton zeigte sich wieder einmal fehlerlos. Doch die Angst vor einem Ende der Siegessträhne und damit der Druck wächst.


Auch Rachel Atherton ging mit gemischten Gefühlen in ihren Racerun. Seit dem zweiten Rennen der Worldcup-Saison 2015 hielt ihre Siegessträhne bereits an. Kein Wunder, dass sich die Britin langsam Sorgen machte, das Glück könne ihr ausgehen. Im Downhill auf Weltcup-Niveau geht das selten ohne Blessuren ab. Doch die Trek-Fahrerin muss sich ja glücklicherweise nicht nur auf ihr Glück verlassen und ihre Fähigkeiten konnte sie in Vallnord wieder voll ausspielen. Mit deutlichem Vorsprung verdrängte sie nach einem weiteren makellosen Lauf Manon Carpenter aus dem Hot Seat, die ihn gerade erst von Tahnee Seagrave übernommen hatte. Weder Tracey Hannah, noch Tahnee Seagrave konnten in der Folge noch an ihrer Zeit rütteln, fuhren aber auf Platz zwei und drei. So hat Rachel Atherton als allererste Rennfahrerin im Downhill überhaupt eine perfekte Worldcup-Saison eingefahren und alle Rennen gewonnen.

Das Podium der Damen: Manon Carpenter, Tracey Hannah, Rachel Atherton, Myriam Nicole und Tahnee Seagrave (von links).  

Regen bestimmt das Rennen der Männer

Im Rennen der Männer konnte zu Beginn Alexandre Fayolle, Teamkamerad von Mick und Tracey Hannah (Polygon) überzeugen. Er katapultierte sich mit einer Zeit von 4:18,933 in den Hot-Seat und ließ damit auch Größen Brendan Fairclough, Connor Fearon und Adam Brayton trotz guter Runs keine Chance. Als Greg Minnaar startete, hatte es bereits leicht zu regnen begonnen. Doch der Südafrikaner ließ sich wie immer nicht aus der Ruhe bringen und manövrierte sein Bike sicher über Drops, durch tiefen Sand und tückische Kurven. Schon häufig konnte Minnaar auf langen, schwierigen Strecken glänzen, Andorra war da keine Ausnahme. Er unterbot die Zeit von Fayolle um etwas mehr als 2,5 Sekunden.

Lange, schwierige Strecken. Sie liegen Greg Minnaar. Trotzdem wird der zweite Platz einige überrascht haben.

Auch Loic Bruni konnte trotz wieder verstärkten Problemen mit der Schulter einen guten Run fahren und sortierte sich knapp hinter Minnaar auf Platz zwei ein, während Brunis Teamkamerad Loris Vergier deutlich hinter seiner üblichem Leistung zurückblieb und fast zehn Sekunden auf den Hot Seat verlor. Doch das eigentliche Duell des Tages stand immer noch aus: Danny Hart gegen Aaron Gwin.

Danny Hart ließ auch über die riesigen Sprünge, die Cedric Gracia in die Hänge von Vallnord shapen durfte, das Gas ordentlich stehen.

Danny Hart startete als erster der beiden, direkt nach Loris Vergier. Inzwischen hatte der Himmel einen durch und durch grauen Farbton angenommen, der länger anhaltenden Regen ankündigte. Doch für Danny Hart war das ein gutes Zeichen. Der Brite aus Redcar im Nordosten Englands ist der vielleicht beste Fahrer bei Regen, der Wetterumschwung war für ihn also ein Zeichen von himmlischer Gunst. Und wirklich, Danny Hart war nicht mehr aufzuhalten. Zwar war die Strecke noch immer staubtrocken, weil es erst seit wenigen Minuten wirklich regnete, doch auch darauf war Hart perfekt vorbereitet. Gerade in den steilen, unteren Stücken zeigte sich eindrucksvoll, warum Hart auch als "The Redcar Rocket" bekannt ist. Selbst in den engsten Kurven verlor er sichtbar weniger Geschwindigkeit als die Konkurrenz und konnte so die Zeit von Minnaar um fast drei Sekunden unterbieten. Es scheint also, als schwimme Danny Hart tatsächlich gerade auf einer Siegeswelle auf, der erste Worldcup Sieg in Lenzerheide hat den Damm wohl endlich gebrochen.

Brosnan und Gwin chancenlos

Zwar gab der Regen Aaron Gwin keine Chance zum Sieg, doch den Gesamtsieg schnappte er sich trotzdem. Und lobte dabei auch das YT-Team und seine Sponsoren für das schnell zusammengestellte Team am Saisonanfang.

Immer heftiger wurde der Regen, die Strecke nasser, die Staubwolken weniger und die Wurzeln glänzender. Die beiden Topqualifizierten blieben damit chancenlos. Als Gwin als vorletzter aus dem Startgate sprintete, waren die Kameralinsen bereits voller Tropfen, die Strecke war selbst unter den großen Bäumen klatschnass. Gut also, dass Gwin sich mit 200 Punkten Vorsprung ein komfortables Polster für den Gesamtsieg herausgefahren hatte.

So musste er nichts riskieren erreichte das Ziel mit 22 Sekunden Rückstand als 54. Trotzdem genug, um sich mit jetzt noch 26 Sekunden Vorsprung den Gesamtsieg zu sichern und die Fans mit einigen Manuals und fetten Sprüngen zu unterhalten. Respekt verdiente sich auch Troy Brosnan. Der Australier startete als letztes und war trotz des strömenden Regens nur etwa 10 Sekunden langsamer als Danny Hart. Sie wird also auf jedem Fall spannend, die Weltmeisterschaft kommendes Wochenende in Val di Sole.

Hier der
Link
zu den Ergebnissen.

Themen: Danny HartDownhillLoic BruniRachel AthertonvallnordWorldcup


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