Atherton und Gwin erneut an der Spitze Atherton und Gwin erneut an der Spitze Atherton und Gwin erneut an der Spitze

Downhill-Worldcup #6 Windham USA

Atherton und Gwin erneut an der Spitze

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 6 Jahren

Windham war staubig, rutschig, schnell und kurz. Die Gesamtführenden Gwin und Atherton bewiesen hier, dass man auch die absolute Worldcup-Elite noch kräftig verseilen kann. Wenn man den Mut dazu hat.

Langsam wird es langweilig im Rennen der Damen, könnte man denken. Mit den Punkten aus dem Qualifiying und ohne Emmelinge Ragot am Start in Windham, die sich in Mont-Sainte-Anne den Ellbogen und das Handgelenk verletzt hatte, hatte Rachel Atherton schon vor dem Start des vorletzten Rennens die Gesamtwertung des Downhill Worldcups gewonnen. Trotzdem war das für sie kein Grund, zurückzustecken. Aber dazu später.

Comeback von Missy Giove

Das erste Highlight in Mont-Sainte-Anne wartete gleich zu Beginn des Rennens. Nach einem guten Run im Qualifying konnte Downhill-Legende Missy Giove auch in den Finals starten. Zwar war ihre Hand verletzt und ihre Chancen auf den Sieg von daher gering, doch die Fans feierten sie umso mehr. In Jeans und ohne Handschuhe raste sie Richtung Ziel. Ihr unkontrolliert wirkender Fahrstil ist noch immer so unverkennbar wie vor ihrer Zwangspause und der Respekt den ihr die Szene entgegenbringt mit Worten nicht zu beschreiben.

Red Bull Content Pool Missy Giove ist endlich zurück. Hier fliegt sie in Jeans und ihrem Amerika-Jersey durch die Luft. Handschuhe empfindet sie als überbewertet.

Auch wenn die Spitze schon fest stand: Den Sieg in Windham und wichtige Punkte für den zweiten und dritten Platz gab es immer noch zu erringen. Und die Ladys waren motiviert bis in die Haarspitzen. Tahnée Seagrave war in dieser Saison konstant extrem stark, wartete aber noch immer auf ihren ersten Worldcupsieg, Manon Carpenter hatte sich nach einigen Schlappen in der ersten Hälfte der Saison nun wieder gefangen und wollte in Windham unbedingt Punkte gutmachen.

Ein ganzer Espresso Unterschied

Die erste, die in Windham eine richtig gute Zeit fahren konnte, war aber Tracey Hannah. Die Australierin bewältigte den Staub der Strecke und die fiesen Felspassagen mit Bravour und jagte mit einer Zeit von 3.13,669 Minuten durchs Ziel. So richtig bequem konnte sie es sich aber im Hot Seat nicht machen, denn schon als nächste startete Manon Carpenter. Die junge Britin ist nun wohl endlich wieder komplett in Form und konnte Hannahs Zeit um fast 3,7 Sekunden unterbieten.

Red Bull Content Pool Tahnée Seagrave hat schon wieder eine sehr solide Leistung abgeliefert. Platz drei in Windham und im Gesamtranking sind ihr damit sicher.

Auch Tahnée Seagrave, die wiederum gleich nach Manon Carpenter startete, kann mit ihrer Leistung durchaus zufrieden sein. Bei 3.12,854 Minuten blieb die Stoppuhr stehen. Seagrave blieb damit ihr wohlverdienter Sieg zwar weiterhin verwehrt, doch sie rückte nach Carpenter auf den zweiten Platz in Windham vor.

Dann endlich kam Rachel Atherton. Und wer von ihr nichts mehr erwartet hatte, nur weil ihr der Gesamtsieg schon sicher war, wurde bitter enttäuscht. Wie keine der anderen Damen flog sie die Strecke hinunter. Ihre Linien waren perfekt, ihre Geschwindigkeit aberwitzig. Statt sich zurückzunehmen und sich zu schonen, tat sie das genau Gegenteil. "Ich wusste einfach, dass es keine Rolle mehr spielt, ob ich hinfliege. Also lies ich einfach laufen und hoffte auf das Beste", sagte sie hinterher im Interview. 9,36 Sekunden Abstand auf Manon Carpenter waren am Ende der Lohn für einen genialen Lauf. Da hätte sie ruhig oben noch einen Espresso vor dem Start trinken können.

Red Bull Content Pool Das Podium der Damen (v. l. n. r.): Rachels GT Fury, Tracey Hannah, Manon Carpenter, Rachel Atherton, Tahnée Seagrave und Myriam Nicole.

Newcomer Loris Vergier auf Kurs

Auch im Rennen der Männer war die Spannung von Anfang an greifbar. Zwar hatte diesmal niemand aus den Top-5 des Gesamtrankings das Qualifying verpatzt und startete deswegen gleich zu Beginn des Finales, dafür machte Loris Vergier, Teamkamerad von Loïc Bruni, mit einem extrem schnellen und sauberen Run auf sich aufmerksam. Dem jungen Franzosen aus dem Lapierre-Team wird von Kennern schon länger eine große Zukunft prophezeit. Welches Potential Vergier tatsächlich hat, wurde in Windham eindrucksvoll deutlich.

Red Bull Content Pool Greg Minnaar behielt die volle Kontrolle und konnte Loris Vergiers Zeit trotzdem unterbieten.

Neben Josh Bryceland, Steve Smith, Danny Hart und Marcelo Gutierrez Villegaz musste sogar Weltmeister Gee Atherton sich hinter Loris Vergier einordnen. Langsam entstand der Eindruck, als könnte niemand den jungen Franzosen noch schlagen. Doch Greg Minnaar bewies erneut in dieser Saison, warum er die Liste der Worldcupsiege anführt  und unterbot Vergiers Zeit um 0,785 Sekunden.

Red Bull Content Pool Loïc Bruni hatte in Windham schon wieder Pech. In einem sehr vielversprechenden Run platzte ihm der Hinterreifen.

Aaron Gwin auf 110 Prozent

Nur noch Aaron Gwin, Troy Brosnan und Loïc Bruni waren oben am Start übriggeblieben und bei letzterem sah es sogar eine Zeit lang so aus, als könnte er auch Minnaars Zeit noch unterbieten, doch wieder hatte Bruni Pech. Ein platter Reifen machte alle Hoffnung auf seinen ersten Worldcupsieg binnen Augenblicken wieder zunichte. Auch Brosnan blieb chancenlos.

Red Bull Content Pool Aaron Gwin rast mit 3,5 Sekunden Vorsprung durchs Ziel. Hinter ihm (nicht zu sehen) haben schon die Fans die Strecke in Besitz genommen.  

Aaron Gwin jedoch konnte und wollte sich auf Heimaterde nicht geschlagen geben. Er nahm das Messer zwischen die Zähne und während Minnaars Run vollkommen kontrolliert aussah, war der Run von Aaron Gwin einfach wild. Das Heck schlingerte, die Front wackelte. Die Kette blieb ausnahmsweise an ihrem Platz. Doch Gwin hatte alles unter Kontrolle und prügelte das Specialized Demo an den absoluten Grenzen von Mensch und Maschine über die Strecke. Schon der erste Split zeigte fast zwei Sekunden Vorsprung an, bis zum Ziel konnte Gwin seinen Abstand zu Minnaar auf ganze 3,5 Sekunden ausbauen.

Red Bull Content Pool Das Podium der Herren (v. l. n. r.): Gee Atherton, Greg Minnaar, Aaron Gwin, Loris Vergier und Steve Smith.

Themen: Aaron GwinDownhillRachel AthertonWindhamWorldcup


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