"Ratboy" ist zurück "Ratboy" ist zurück "Ratboy" ist zurück

Downhill Worldcup #5 Mont-Sainte-Anne

"Ratboy" ist zurück

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Das Downhill-Worldcup-Rennen in Mont-Sainte-Anne war ein einziges Highlight. Myriam Nicole feierte ihr Comeback, Rachel Atherton holte den Gesamtsieg, Bryceland überzeugte im Rennen der Männer

Mont-Sainte-Anne. Das ist Downhillracing mit Geschichte. Dieses Jahr feiert die Location schon ihren 25. Worldcup. Bereits 1991 fand hier eines der ersten Downhill-Worldcup-Rennen überhaupt statt. Und obwohl Teile der Strecke seit 1991 nicht einmal verändert wurden, ist die Strecke keineswegs eingestaubt.

Auch für die Profis ist Mont-Sainte-Anne schon seit Jahren das Highlight des Rennkalenders. Selbst die schnellsten Männer brauchen hier fast viereinhalb Minuten, um die Strecke zu bewältigen. Doch der Track ist auch abwechslungsreich. Schnelle Sektionen reihen sich an technische, das Steinfeld im unteren Drittel der Strecke ist berühmt-berüchtigt. Hier werden Rennen gewonnen oder verloren. Neu für 2015 ist auch ein riesiger Felsen, der die Fahrer mental extrem fordert.

Schwierige Bedingungen und große Felsen

Myriam Nicole feierte ein eindrucksvolles Comeback. Sie sicherte sich den dritten Platz.

Dieses Jahr war Mont-Sainte-Anne besonders tückisch. Regen weichte die Strecke im Qualifying auf, die Fahrer mussten auf Schlammreifen wechseln, die aber auf der schwierigen Sektion mit den Felsen nur unzureichend Grip boten und zu allem Übel nach und nach auch noch Schlamm auf die Felsen trugen. Favorit Aaron Gwin rutschte schon in einer der ersten Kurven auf dem Gras weg und brach sich die Kurbel ab, auch für Gee Atherton lief das Qualifying nicht optimal.

Das erste Highlight kam schon im Rennen der Damen auf die Zuschauer zu. Myriam Nicole ist endlich zurück. Nach einer langen Verletzungspause überlegte sie schon in Lenzerheide, ob sie nicht starten sollte, entschied sich dann aber doch dagegen. In Mont-Sainte-Anne war es dann endlich soweit. Im Qualifying sicherte sie sich gleich die viertschnellste Zeit und auch im Rennen konnte sie überzeugen und übernahm mit einer Zeit von 5.07.291 die Führung und den Platz im Hot Seat.

Schlamm machte die schwierige Strecke in Mont-Sainte-Anne noch anspruchsvoller.

Tahnee Seagrave startete als nächste. Die junge Britin überzeugt diese Saison durch konstant gute Leistungen und hält mittlerweile den vierten Platz in der Gesamtwertung. Auf ihren ersten Worldcupsieg wartet sie allerdings immer noch und auch in Mont Sainte-Anne blieb ihr der erste Platz verwehrt. Mit einer Zeit von 5.08.294 ordnete sie sich knapp hinter Myriam Nicole ein.

Rachel Atherton ist nicht zu stoppen

Die vorletzte Starterin war Manon Carpenter. Sie war in der bisherigen Saison eher glücklos. Defekte und eine Disqualifizierung wegen eines kurzen Ritts ins Grüne kosteten sie bisher viele Punkte. In Mont-Sainte-Anne lief aber alles glatt und sie unterbot die Zeit von Myriam Nicole um 0,2 Sekunden.

Rachel Atherton ist in dieser Saison nicht zu stoppen. Der Sieg in Mont-Sainte-Anne ist bereits ihr vierter in Folge.

Da Emmeline Ragot wegen einer Verletzung an der Schulter nicht starten konnte, blieb nur noch Rachel Atherton. Sie war die klare Favoritin für den Worldcup in Kanada. Schon drei Siege in Folge gehen auf ihr Konto und mit dem Ausscheiden von Emmeline Ragot hätte sie sich mit einem Sieg bereits jetzt den Worldcup-Titel sichern können.

Regen strömte auf die Strecke herab, als Atherton mit ihrem GT aus dem Startblock sprintete. Trotz der schwierigen Strecke bewahrte sie Ruhe und schon im ersten Split hatte sie sich einen guten Vorsprung herausgefahren. Zwar unterlief ihr in der schwierigen Felsensektion ein kleiner Fehler, so dass sie den Fuß aufsetzen musste, doch ihren Sieg gefährdete das nicht. Schon nach 5.03.674 Minuten raste sie durchs Ziel und sicherte sich den Sieg und auch schon den Gesamtsieg im Worldcup.

Das Podium der Damen: (v. l. n. r.) Tahnee Seagrave, Manon Carpenter, Rachel Atherton, Myriam Nicole und Miranda Miller.

Loic Bruni mit erstem Worldcupsieg?

Ungewöhnlich war in Mont-Sainte-Anne das Rennen der Männer. Sowohl Aaron Gwin als auch Gee Atherton und Loic Bruni starteten, bedingt durch Stürze im Qualifying, außerhalb der Top 10. Erwartungsgemäß übernahm Gwin direkt den Hot Seat mit einer Zeit von 4.27.059. Gee Atherton reihte sich bald hinter ihm ein. Doch Loic Bruni, der wie Tahnee Seagrave nun schon länger konstant sehr gute Leistungen bringt, aber auch noch keinen Worldcup gewonnen hat, nahm das Messer zwischen die Zähne.

"Ratboy" Josh Bryceland konnte in Mont-Sainte-Anne endlich wieder voll angreifen.

Ratboy ist zurück

Mit vollem Risiko raste Bruni die Worldcup-Strecke hinunter und leistete sich fast keine Fehler. Selbst in der felsigen Sektion wählte er eine gute Linie und verlor keine Zeit. Das zahlte sich aus. Obwohl Bruni im unteren Teil der Strecke wegen eines Kettenklemmers nicht mehr pedalieren konnte, standen 4.22.356 Minuten auf der Anzeigetafel. Bruni hatte Gwin um mehr als 4,7 Sekunden geschlagen.

Loic Bruni blieb der Sieg wieder verwehrt. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis der talentierte Franzose ganz oben auf dem Podium steht.

Bald folgte Greg Minnaar, der mit 4.24.711 Minuten Bruni zwar nicht schlagen konnte aber trotzdem einen guten Run hinlegte. Doch erst in den Top-Fünf wurde es für Bruni wieder brenzlig, als der Publikumsliebling "Ratboy" Josh Bryceland die Strecke unter die Gummis nahm. Mit der ihm eigenen Art ließ er die eine oder andere Gelegenheit zum Pedalieren aus, stylte dafür aber umso mehr über die Sprünge. In den technischen Sektionen traf er die perfekten Lines und konnte dann mit einem Vorsprung von 0,2 Sekunden den Platz im Hot Seat übernehmen. Dritter hinter Loic Bruni wurde Troy Brosnan mit einer Zeit von 4.22.381.

Das Podium der Herren: (v. l. n. r.) Greg Minnaar, Loic Bruni, Josh Bryceland, Troy Brosnan und Marcelo Gutierrez Villegaz.

Schlagwörter: Aaron Gwin Atherton Downhill Worldcup


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