Downhill Worldcup 2019 #1 Maribor: Rennbericht

Fluch gebrochen: Seagrave und Bruni gewinnen in Maribor

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 2 Jahren

Der erste Downhill-Worldcup des Jahres erwartete die Fahrer mit Wurzeln, Steinen und wechselhaftem Wetter. Tahnee Seagrave und Loic Bruni verwiesen die Top-Favoriten auf die hinteren Plätze.

Die Geschichte dieses Worldcup-Auftakts in Maribor (Slowenien) beginnt ungewöhnlich früh. Schon vor einer guten Woche beim iXS European Downhill Cup auf derselben Strecke trafen die ersten Kontrahenten krachend aufeinander. Denn die Strecke in Maribor ist zwar ein alter Klassiker der Worldcup-Saison, stand aber schon seit zehn Jahren nichtmehr auf dem Programm und so nutzten zahlreiche der Top-Profis das frühe iXS-Rennen, um sich schon einmal an die Strecke zu gewöhnen.


Besonders auffällig waren dabei die Madison Saracen-Fahrer Danny Hart und Matt Walker, die sich schon in diesem Rennen nichts schenkten und für einen Sieg das volle Risiko eingingen. Auch die Canyon-Athleten Mark Wallace und Troy Brosnan waren schnell, schienen sich aber noch etwas zurückzuhalten, um sich nicht gleich vor der Saison aufzurauchen.

Vali Höll fuhr bei den Juniorinnen auch an diesem Wochenende wieder die Konkurrenz in Grund und Boden. Ihrer nächsten Verfolgerin, Anna Newkirk, schenkte sie fast zehn Sekunden ein.

Wetter sorgt für Drama in der Qualifikation: Greg Minnaar schafft es nicht ins Finale


Am Worldcup-Wochenende selbst sorgte erst einmal die Qualifikation für ungewöhnliche Aufregung. Der erste ernste Renntag am ersten Worldcup-Wochenende des Jahres wirbelte alles durcheinander. Während die Frauen noch trocken blieben, setzte bei den Männern strömender Regen ein und verwandelte die ohnehin schon tückische Strecke voller Off-Camber Wurzeln, Felsen und versteckter Löcher in eine tückische Rutschpiste, die auch Top-Fahrer wie Greg Minnaar und Jack Moir aushebelte. Aber Regeln sind Regeln. Und das hieß nach dem Sturz in der Qualifikation, dass Greg Minnaar nur von der Bank aus im Finale würde zuschauen können.

Marine Cabirou: Ein erster, schneller Rennlauf

Marine Cabirou fuhr bei den Damen die erste, schnelle Zeit ein. Am Ende reichte es für Rang vier.


Gebeutelt vom schlechten Wetter in der Qualifikation machte sich die Worldcup-Elite auf ein durchwachsenes, verregnetes Finale gefasst. Doch der Wettergott hatte ein Einsehen. Am Sonntag blieb es trocken und so konnten die Damen wie die Herren unter unerwartet guten Bedingungen in die neue Rennsaison starten. Marine Cabirou war es, die bei den Damen die erste, schnelle Zeit von 3:29.430 Minuten in die wurzeldurchsetzte Strecke brannte.

Monika Hrastnik konnte in Slowenien nicht den Heimvorteil ausspielen. Für das Podium reichte es aber, sie wurde Fünfte vor Nina Hoffmann auf Rang sechs.


Die französische Nachwuchsfahrerin, die neuerdings für Scott unterwegs ist, scheint mit dem Bike gut klarzukommen und fegte sauber und kontrolliert durch die engen Kurven. Sowohl Nina Hoffmann als auch die Slowenin und Europameisterin Monika Hrastnik würden sich an ihr die Zähne ausbeißen. Dem Dreigestirn Hannah, Seagrave und Atherton würde die junge Französin jedoch nicht Paroli bieten können.

Für einen Sieg reichte es zwar noch nicht, aber das neue Bike trug Rachel Atherton bei seinem ersten Rennen aber immerhin auf Rang zwei.

Seagrave unschlagbar in Maribor – Atherton trotzdem zufrieden


Tahnee Seagrave ging als Erste der drei auf die Strecke und sie war dieses Mal nicht aufzuhalten. Vor allem in den engen Ecken und in den besonders schwierigen Sektionen wie dem Rock Garden oder den Off-Camber-Passagen war die junge Britin sichtbar schneller als die Konkurrenz bisher. Immer knapp am Grip-Limit fand sie eine gute Balance zwischen zu viel und zu wenig Risiko und leistete sich bei einer Zeit von 3:25.888 Minuten kaum Fehler. Da waren auch Rachel Atherton und Tracey Hannah chancenlos. Gerade Rachel Atherton zeigt sich aber trotz Weltmeistertitel ziemlich zufrieden mit sich und Platz zwei. „Der erste Weltcup auf den neuen Atherton-Bikes. Ein verrücktes Gefühl“, schreibt sie auf Instagram.

Tahnee Seagrave war in Maribor nicht zu schlagen. Ein starker Sieg für die junge Britin.

Matt Walker deklassiert die Konkurrenz – Gwin und Pierron ohne echte Chancen

Matt Walker ist erst 20, aber bereits britischer Meister (erkennbar am Union Jack auf dem Arm) und auch im Worldcup mächtig schnell.


Im Finale der Männer war es der Sieger vom European Downhill Cup, Matt Walker, der als Erster mit einer podiumsverdächtigen Zeit das Ziel erreichte. Der kaum 20 Jahre alte Brite gilt als eines der größten Talente im Downhill und schlug bei der letzten britischen Meisterschaft sogar seinen Teamkollegen Danny Hart, dem er damit das Meistertikot abluchste. Auch in Maribor ließ sich Walker nicht unterkriegen und sah vom Hot Seat aus zu, wie auch die Besten der Besten reihenweise an seiner Zeit zerschellten. Dean Lucas, Laurie Greenland, Eddie Masters und Brook MacDonald, Dakotah Norton, Remi Thirion, Reece Wilson und Bernard Kerr, sie alle waren zu langsam.

Amaury Pierron konnte ebenfalls nicht ganz bis an die Spitze vorfahren. Der Franzose musste sich mit Rang sieben begnüngen.


Sogar Worldcup-Sieger Amaury Pierron, Mark Wallace und Aaron Gwin würden sich im Verlaufe des Rennens dem jungen Briten geschlagen geben müssen. Es war jedoch Walkers eigener Teamkollege, Danny Hart, der sich in Slowenien revanchierte und als erster Fahrer Wallace‘ Zeit unterbieten konnte. Mit einer knappen Sekunde Vorsprung vor Wallace rauschte Danny Hart ins Ziel. Auch Charlie Harrison aus England und Troy Brosnan konnten sich vor Mark Wallace einreihen, Hart blieb für sie jedoch gleichermaßen unerreichbar.

Für Aaron Gwin beginnt die Saison nicht optimal. Der Amerikanier hatte in Maribor keine Chancen auf das Podium.

Loic Bruni – Vom Weltmeister zum Worldcup-Führenden


Das letzte Wort hatte am Ende Loic Bruni. Der dreifache Weltmeister zeigt damit endlich, dass er nicht nur bei Weltmeisterschaften abliefern kann (bisher hat Bruni erst einen Worldcup gewonnen, 2016 in Cairns (AUS)). Mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit und Agilität prügelte Bruni das neue Prototyp-Demo über die Strecke und hier passte alles. Das Setup schien perfekt, die Linienwahl war sauber und schnell, immer wieder kratzte Bruni am Limit des Reifengrips, fing sich aber doch auch immer wieder rechtzeitig wieder ein. Vier Zehntelsekunden vor Danny Hart flog Bruni über die Ziellinie, der ewige Pechvogel im Worldcup ist damit zum Phönix aus Asche erstanden und vereint nun Weltmeistertitel und Worldcup-Führung in einer Person. Wenigstens bis zum zweiten Stopp des Downhill-Worldcups Anfang Juni in Fort William.

Loic Bruni fährt zum Worldcup-Sieg. Trotz drei WM-Titeln ist es erst der zweite seiner Karriere.


Alle Ergebnisse zum Downhill-Worldcup in Maribor finden Sie auf der Website der UCI . Die Wiederholung ist noch auf Redbull.tv zu sehen.

Schlagwörter: Aaron Gwin Downhill Loic Bruni Maribor Rachel Atherton Slowenien Tahnee Seagrave UCI Worldcup Worldcup 2019


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