DH Worldcup #2 2018 Fort William DH Worldcup #2 2018 Fort William

Downhill Worldcup 2018 #3 Fort William: Rennbericht

Machtvakuum in Schottland – kein Sieg für Amerika

Adrian Kaether am 04.06.2018

Großes Drama beim Worldcup in Schottland: Aaron Gwin stürzte schwer, Rachel Atherton und Myriam Nicole ebenfalls. Der Sieg ging an eine Britin und einen Franzosen.

Fort William in Schottland ist einer der Klassiker des Downhill-Worldcups. Lang, schnell, physisch extrem fordernd und das Waldstück in der Mitte ist tückisch. Letztes Jahr erwischte es im aufgeweichten Schlamm Rachel Atherton, für dieses Jahr bauten die Veranstalter einen riesigen Rock-Garden ein, um der Witterung besser trotzen zu können. Aber auch so Jahr wurde hier bei einigen Favoriten über Sieg oder Niederlage entschieden.


Aus für Greg Minnaar und Jack Moir


Die große News vor dem Rennen war das Aus für Greg Minnaar. Zu recht wird der Südafrikaner auch als "King of Fort William" betitelt. Sieben Siege insgesamt auf schottischer Erde, drei davon in den letzten drei Rennen. Doch ein Fahrfehler beim Testen des neuen Santa Cruz V10 warf Greg Minnaar über den Lenker, er brach sich den Arm. Jack Moir, Überraschungskandidat vom letzten Jahr in Fort William, fiel ebenfalls aus.

Downhill Worldcup #3 Fort William 2016

Greg Minnaar feierte 2016 seinen Sieg und widmete ihn dem verstorbenen Steve Smith. Statt des Ahornblatts befindet sich eine Kettensäge im Zentrum der kanadischen Flagge, die Minnaar hochhält. Ein gebrochener Arm verhinderte 2018 einen Start von Minnaar in Fort William. Ihm blieb nur die Zuschauerbank.


Reece Wilson – Überraschungs-Hot-Seat beim Heimweltcup


Stark präsentierten sich natürlich die Briten beim Heimweltcup: Gee Atherton, Laurie Greenland und Danny Hart. An sie haben wir alle gedacht. Die erste schnelle Zeit des Tages im Rennen der Herren holte aber ein anderer: Reece Wilson, Teil des Commencal-Teams aber ansonsten eher selten ganz vorne mit dabei. In Schottland konnte Wilson seinen Heimvorteil ausspielen und brannte eine Wahnsinns-Zeit in den "Asphalt" des Motorways. Mit perfekter Krafteinteilung und sauberen Linien verschenkte er wedert im oberen Teil der Strecke noch im Wald in der Mitte kaum Zeit und hatte sogar noch genug Power für einen starken Zielsprint.

Mit ihm hatte niemand gerechnet, aber als nach und nach echte Größen an seiner Zeit scheiterten, begann es gut auszusehen für Großbritannien beim Heimweltcup. Finn Iles, Gee Atherton, Connor Fearon, Martin Maes, Marcelo Gutierrez Villegaz – sie alle blieben völlig chancenlos. Dann rollte Aaron Gwin an den Start. Und der Amerikaner lieferte, ganz wie erwartet.

Aaron Gwin stürzt

29 Zoll, bessere Überolleigenschaften, ruhigerer Lauf – na klar, soweit die Theorie. Aber Aaron Gwin und sein YT Tues mit 27,5-Zoll-Laufrädern, sie waren einfach eine Macht. Perfekte Linienwahl in den oberen Steinfeldern, das Bike tanzte kaum, blieb immer gerade und Gwin schoss dem Ziel entgegen, mit bereits über einer Sekunde Vorsprung auf Wilson. Dann der neue Rockgarden im Wald, das gleiche Schauspiel, doch plötzlich das Desaster: Gwins Vorderrad blieb in einem Loch hängen, das sich wohl erst im Regen der Nacht gebildet hatte und bei vielen Fahrern im Racerun für Unruhe sorgte, der Worldcup-Champion wurde über den Lenker geschleudert und landete hart auf dem Gesicht. Unglaublich, wie schnell Gwin nach so einem Sturz wieder auf dem Bike war, doch der Sieg war dahin, nur ein Stück Helm blieb zurück.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Loic Bruni fuhr ein gutes Rennen. Für Platz fünf reichte es immerhin am Ende. Der WM-Sieger findet so langsam zu alter Form zurück.

Es war Amaury Pierron, der am Ende Wilson entthronen sollte. Der französische Commencal-Pilot gilt schon länger als eins der größten Talente im Worldcup, kämpfte aber immer wieder mit Verletzungen. In Fort William passte einfach alles. Das Bike schluckte auch die größten Steine sicher weg, Pierron blieb sauber in der gewählten Linie und teilte sich die Kräfte gut ein. Erst am Ende zeigte er etwas Schwäche und verlor noch einmal etwas Zeit – egal: eineinhalb Sekunden Vorsprung auf Wilson und frenetischer Jubel im Ziel.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Reece Wilson mit der schottischen Fahne. Mit Platz vier hatte er wohl sicher nicht gerechnet.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Amaury Pierron in voller Konzentration. Der Franzose leistete sich kaum Fehler und ließ erst am Ende ein wenig nach. Ein verdienter Sieg.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Es war der erste Sieg für Amaury Pierron im Worldcup. Vielleicht werden noch weitere folgen, das Talent stimmt.

Knapp daneben ist auch vorbei

Da konnten auch die Sieger der Qualifikation nicht mehr viel ausrichten. Loris Vergier war schnell unterwegs, verpasste die Zeit von Pierron aber um knappe drei Zehntelsekunden. Troy Brosnan musste sich mit ähnlich geringem Rückstand ebenfalls geschlagen geben. So blieb nur noch Luca Shaw, um das Blatt noch zu wenden. Und er hätte es schaffen können, so wie die erste Rennhälfte aussah, aber ein platter Hinterreifen bereitete seinen Hoffnungen ein jähes Ende. Es bleibt also der erste Sieg für Amaury Pierron und nach dem Sieg von Myriam Nicole in Losinj bereits der zweite Sieg dieses Jahr für das Commencal-Team. Aaron Gwin muss noch etwas warten, um mit den 21 Worldcup-Siegen von Greg Minnaar gleichziehen zu können. Leogang am nächsten Wochenende ist aber eine seiner Lieblingsstrecken. Hier wird er schwer zu schlagen sein, mit oder ohne Kette.

Frauen-Worldcup: Marine Cabirou holt Platz vier

Im Rennen der Frauen gab es am Ende großes Drama. Die erste schnelle Zeit brannte nach längerer Verletzungspause die Britin Katy Curd in den Schotter, Marine Cabirou aus Frankreich war wie auch in Losinj ebenfalls sehr schnell unterwegs und hielt den Hot Seat für eine längere Zeit, bevor die Favoritinnen ins Startgate rollten. Tracey Hannah erwischte keinen guten Tag und musste sich am Ende Cabirou geschlagen geben.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Kein sehr guter Tag für Myriam Nicole. Ein Sturz machte ihre Hoffnungen auf den Sieg zunichte, für Platz zwei reichtete es aber trotzdem. Sie behält damit die Weltcup-Führung und die 1 auf dem Startnummernschild.

Tahnee Seagrave in Topform

Dafür rollte Tahnee Seagrave zu Topform auf. Der jungen Britin liegen sehr lange Strecken eigentlich nicht, für Fort William machte sie eine Ausnahme. Gute Krafteinteilung, schöne Linien insbesondere im Waldstück im Mittelteil der Strecke, ein paar starke Sprünge am Ende. Im Mick-Hannah-Style ließ sie unter dem berühmten "Scotland-Arch" mitten im Sprung den linken Arm weit nach vorne fliegen und begeisterte damit auch im Rennlauf die Fans mit viel Style. Seagrave schlug Cabirou um fast zehn Sekunden.

Aber Myriam Nicole und Rachel Atherton warteten noch am Start, beide sind extrem fit im Moment. Doch es sollte nicht sein. Myriam Nicole stürzte und fuhr trotzdem noch vor Marine Cabirou auf Platz zwei, Rachel Atherton hatte gleich mehrere Probleme. Erst verlor sie beim Sprint aus dem Startgate die Kette, dann auch noch ein Crash im Rockgarden. Platz drei wurde es am Ende für sie trotzdem, mit Kette wäre sie wahrscheinlich nicht aufzuhalten gewesen. Egal. Leogang ist eine Chance zur Revanche, die Strecke ist eigentlich aber das Territorium von Tahnee Seagrave. Es bleibt spannend.

DH Worldcup #2 2018 Fort William

Tahnee Seagrave lässt sich feiern. Mit einem Sieg beim Heimweltcup hatte sie am allerwenigsten gerechnet.

Vali Höll aus Österreich siegte in ihrer Junioren-Klasse souverän mit fast einer halben Minute Vorsprung. Ihre Zeit hätte bei den Elite-Damen für Platz vier gereicht!

Alle Ergebnisse finden Sie auf der Website der UCI. Die Live-Übertragung ist außerdem noch als Replay auf Red Bull TV zu sehen. Bereits am nächsten Wochenende (8.-10.Juni 2018) steigt der nächste Downhill-Worldcup in Leogang. Alle Infos dazu bald hier auf bike-magazin.de.

Adrian Kaether am 04.06.2018