Sensationell: Gwin siegt ohne Kette Sensationell: Gwin siegt ohne Kette Sensationell: Gwin siegt ohne Kette

Downhill Worldcup 2015 #3 in Leogang

Sensationell: Gwin siegt ohne Kette

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

An diesen Downhill-Worldcup in Leogang wird man sich lange erinnern: Nicht wegen Rachel Athertons zweitem Saisonssieg, sondern weil US-Star Aaron Gwin trotz gerissener Kette allen davonfuhr.

Aaron Gwin gewinnt beim Downhill-Worldcup 2015 in Leogang ohne Kette.

Erst eine Woche ist es her, dass Greg Minnaar und Rachel Atherton beim Downhill-Worldcup in Fort William den Sieg holten. Für die Teams war es auch eine kleine logistische Herausforderung, bis spätenstesn Donnerstag mit dem kompletten Tross in Leogang einzutreffen. Immerhin etwa 2100 Kilometer, je nach Route, trennen die beiden Orte voneinander. Auch wegen des Wetters lohnte sich die Fahrt in den Süden, so dass die Strecke bei guten Bedingungen besichtigt werden konnte.

Neuer Mittelteil auf Leoganger DH-Strecke

In der Vergangenheit wurde immer wieder Kritik an der Strecke in Leogang geäußert. Zu sehr „Bikepark“ sei der Kurs, zu wenig natürlich. Die Veranstalter sind auf diese Kritik eingegangen und haben extra für den Worldcup einen neuen, natürlicheren Streckenabschnitt anlegen lassen. Dieser bildet nun den neuen Mittelteil, es ist der Part zwischen dem älteren Start mit den Leogang-typischen Tunneln und dem alten Ziel.

2,6 Kilometer ist die Strecke lang, 467 Höhenmeter trennen Start und Ziel. Im oberen Teil gilt es vor allem, gut durch die vielen, teilweise rutschigen Kurven zu kommen. Auch einige Steinfelder fordern die Aufmerksamkeit, bevor das erste Waldstück mit vielen Wurzeln die Fahrer zum Bremsen zwingt.

Wer hier die richtige Linie wählt, kann viel Geschwindigkeit in den folgenden, tretintensiven Abschnitt mit einigen Sprüngen mitnehmen. Es folgt ein weiterer technischer Abschnitt, mit vielen fiesen Wurzeln und einigen spektakulären Steilstücken und Drops. Der letzte Abschnitt ist wieder flacher, wird aber durch ein steiles Steinfeld eingeleitet, das viele Fahrer eher als Drop nutzen.

Damen: Rachel Atherton mit drei Sekunden Vorsprung

Bei den Damen war es, nach einer langen Führung von Emilie Siegenthaler, wieder Tahnee Seagrave, die die erste wirklich schnelle Zeit vorlegte. Emmeline Ragot zeigte sich ebenfalls stark und landete nur 0,153 Sekunden hinter Seagrave. Vorjahresgewinnerin Manon Carpenter wurde disqualifiziert, nachdem sie bei einem weiten Sprung das Absperrband um einen halben Meter überfuhr.

Emmeline Ragot wurde Dritte. Zufrieden war sie damit aber nicht wirklich.

So war es am Ende Rachel Atherton, die als einzige noch hoffen konnte, Seagraves Zeit zu unterbieten. Sie leistete sich kaum Fehler und schlug Seagrave um mehr als drei Sekunden. Trotzdem: Tahnee Seagrave muss man zukünftig auf der Rechnung haben. Zwar hat sie noch keinen Worldcup gewonnen, doch dies ist schon ihre zweite Podiumsplatzierung in Folge. Platz drei ging an Emmeline Ragot.

Für Tahnee Seagrave läuft die Saison gut. Zwar ist sie knapp an einem Sieg vorbeigeschrammt, doch der zweite zweite Platz in Folge ist ja auch nicht schlecht.

Die schnellsten Damen beim DH-Worldcup in Leogang 2015.

Finale Furioso bei den Herren

Bei den Männern war Loic Bruni der erste, dessen Zeit Chancen auf den Sieg hatte. Auch seine Zeit hielt lange und er machte es sich im Hot Seat bequem. Erst als die Fahrer, die noch am Start standen, schon fast an einer Hand abzuzählen waren, unterbot Troy Brosnan Brunis Zeit, die offensichtlich doch mehr wert gewesen war, als er selbst dachte.

Gee Atherton konnte noch nicht an seine Erfolge vergangener Jahre anknüpfen. Er fuhr in Leogang auf den sechsten Platz.

Steve Smith, Josh Bryceland, Greg Minnaar und Gee Atherton fanden keine besseren Lines als Brosnan und mussten sich weiter hinten einordnen. Doch dann folgte ein Finale, dass selbst der Downhill-Zirkus so wohl noch nie gesehen hat.

Als nur noch drei Fahrer oben am Starthäuschen auf die Startfreigabe warteten, dachten wohl viele, Brosnans Zeit sei nicht mehr zu schlagen. Remi Thirion aber ließ sich nicht entmutigen. Gute Trainings-Runs und eine gute Zeit im Qualifying hatten ihm viel Selbstvertrauen gegeben und er fuhr mit dem Messer zwischen den Zähnen. Zahlreiche vollkommen verrückte Lines und ein Bodycheck mit einem Baum später raste er durchs Ziel und holte sich den Platz auf dem Hot Seat.

Doch das spornte Connor Fearon nur noch mehr an und er konnte selbst die Zeit Thirions noch unterbieten. Der letzte Starter war Aaron Gwin. Kaum aus dem Startblock geprescht riss seine Kette. Damit war Treten für den US-Boy nicht mehr möglich. Doch er fuhr voll auf Angriff und legte einen sensationellen Run hin. Um 0.045 Sekunden schlug er die Fearons Zeit und holte sich sensationell den Sieg. „Vor einer Woche konnte ich in Fort William ein super Ergebnis einholen, aber es war ein ziemlich hartes Wochenende. Leogang lief viel besser, ich fühlte mich das ganze Wochenende richtig fit. Der Track ist gut, du musst nicht viel treten, also habe ich angegriffen", sagte Gwin. Eines ist klar: Spätestens nach diesem Run hat es Aaron in die Geschichtsbücher geschafft.

Konnte es selbst kaum glauben: Aaron Gwin jubelt mit seinem Specialized-Downhiller ohne Kette im Ziel.

Das Podium der Herren in Leogang 2015.

Wiederholung auf Red Bull TV

Hier die Wiederholung des DH-Worldcups von Leogang . Insbesondere das Finale der Herren ab Remi Thirion (ab 1:43 Stunden) ist absolut sehenswert.

Schlagwörter: Aaron Gwin Atherton Downhill Leogang Österreich UCI Worldcup Video


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