Wer macht 2016 das Rennen im Downhill? Wer macht 2016 das Rennen im Downhill? Wer macht 2016 das Rennen im Downhill?

Downhill World Cup 2016 #1 Lourdes: Vorschau

Wer macht 2016 das Rennen im Downhill?

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 5 Jahren

Nur noch wenige Stunden trennen uns vom Beginn der Worldcup-Saison 2016 im Downhill. Wir geben einen Überblick über Favoriten und Chancen in Lourdes und für die gesamte Saison.

Nach einer langen und ereignisreichen Off-Season steht endlich der Downhill-Worldcup vor der Tür. Kaum 48 Stunden trennen uns noch vom Startschuss in Lourdes, einer der extremsten und technisch anspruchsvollsten Strecken des gesamten Downhill-Worldcups, und damit ist eine ganz besondere Zeit gekommen: Die letzten Stunden der ausgehenden Off-Season, die Zeit des großen Kaffeesatzlesens. Wer wird 2016 das Rennen im Downhill machen?

Natürlich werden auch wir uns an diesem Volkssport beteiligen, aber wir werden uns nicht auf unsere hellseherischen Fähigkeiten allein verlassen, sondern über die letzten Rennen, über den Verlauf der vergangenen Saison und das Worldcup-Rennen 2015 in Lourdes auf die potenziellen Sieger für dieses Jahr schließen.

Die Übertragung des Finales in Lourdes startet bei Red Bull TV am Sonntag, den 10. April um 14:30 .

Das Tues und Aaron Gwin haben offensichtlich schon gut zueinander gefunden. Denn wer sein Bike schiebt...

Aaron Gwin – the man to beat

Sicherlich keine Überraschung ist, dass Aaron Gwin 2016 der Mann sein wird, den es zu schlagen gilt. Auch Weltmeister Loic Bruni sagte im Interview auf Rob Warners Frage 'Wer sein größter Konkurrent sei' ganz klar: „Nur ein Mann: Aaron Gwin wird derjenige sein, an dem ich vorbei muss." Dass Aaron Gwin vergangenes Jahr in Lourdes und beim letzen Worldcup-Rennen in Val di Sole – einem ebenso technisch anspruchsvollen Track – den Sieg holte und sicher ohne seinen Sturz Chancen auf den Weltmeister Titel gehabt hätte, verstärkt seine Favoritenrolle nur noch mehr.


Doch der Amerikaner, der die gesamte vergangene Saison dominierte und sich mit seinem Sieg ohne Kette in Leogang endgültig unsterblich machte, muss auch mit einem Teamwechsel umgehen. Er hat Specialized verlassen und fährt jetzt für YT Industries. Zwar betonte er in allen Interviews, das YT Tues entspreche genau seinen Wünschen an die Geometrie eines Downhill-Bikes und er komme sehr gut mit dem Team aus, doch in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Aaron Gwin nur dann nicht zu schlagen ist, wenn er perfekt mit seinem Umfeld harmoniert. Ob er das nach nur wenigen Monaten beim deutschen Versender YT schon geschafft hat, bleibt abzuwarten.

Ein World Champion ohne Worldcup-Sieg: Loic Bruni.

Loic Bruni – der Weltmeister ohne Worldcup-Sieg

Weltmeister haben es schwer in der nächsten Saison, so sagt man. Zumindest vergangenes Jahr bewahrheitete sich diese Sportler-Weisheit. Sowohl Gee Atherton als auch Manon Carpenter, die beide in Hafjell 2014 den Weltmeistertitel holten, blieben 2015 hinter ihren eigenen Erwartungen zurück. Dass Loic Bruni ein ähnliches Schicksal verfolgen sollte, erscheint aber unwahrscheinlich. Der immer gutgelaunte Franzose ist nicht nur ein Meister des Optimismus' und hat jetzt mit Specialized eines der professionellsten Worldcup-Teams im Rücken, sondern er sitzt auch auf einem Bike, das viele für das Racebike schlechthin halten. Und am allerwichtigsten: Er glänzt mit Beständigkeit.

Greg Minnaar hatte auch im Staub von Lenzerheide 2015 die totale Kontrolle.

Keinen einzigen Worldcup-Sieg holte Bruni in seiner Elite-Karriere. Doch insbesondere 2015 war er fast immer auf dem Podium zu finden, was ihm sogar den zweiten Platz in der Gesamtwertung vor Greg Minnaar, der immerhin zwei Siege einfuhr, einbrachte. Dass Bruni auch mit seinem neuen Bike gut auskommt, hat er dieses Jahr schon beim Crankworx Rotorua Downhill bewiesen. Im Gegensatz zu Lourdes war dieser Kurs allerdings wenig technisch. Letztes Jahr fuhr Loic Bruni zu Saisonbeginn in Lourdes auf Platz zwei.

Greg Minnaar – das Comeback von 2015

Hätte jemand vor der Saison 2015 behauptet, dass Greg Minnaar noch einmal ein Comeback feiert, er wäre wohl verlacht worden – oder hätte beim Wetten einen hohen Gewinn erzielt. Beim ersten Rennen in Lourdes fuhr Greg Minnaar nicht in die Top 10 und dann plötzlich, wie aus dem nichts, holte sich Greg Minnaar beim zweiten Worldcup in Fort William den Platz im Hot Seat und ließ sich von dort auch durch niemanden mehr vertreiben. Pures Glück sagten manche, Fort William ist ein langer Kurs und passt damit zu Minaar sagten andere.

"Ratboy" Josh Bryceland konnte in Mont Sainte-Anne endlich wieder voll angreifen.

An einen zweiten Sieg in der Saison glaubte niemand, auch Kommentator Claudio Caluori rechnete dem Südafrikaner noch direkt vor dem Rennen in Lenzerheide keine Chancen aus. Lenzerheide ist kurz und knackig, wenig tretlastig. Das ist nicht Minnaars Sache, so lautete die Begründung. Doch entgegen aller Vorhersagen stand Minnaar wieder ganz oben auf dem Podium. Der Altmeister aus dem Santa Cruz Syndicate-Team, der gut der Vater einiger der jüngeren Fahrer sein könnte und der trotz der legendären Partys des Teams noch immer in Top-Form zu sein scheint, ist also noch immer jemand, mit dem man für 2016 rechnen muss. Ein Charakterkopf und echter Athlet, der wahrscheinlich kein Kandidat für den Gesamtsieg ist, der aber unter widrigen Bedingungen seine Erfahrung ausspielen kann. So vielleicht in Lourdes, wenn die Downhill-Strecke weiterhin so nass bleibt wie sie es in den letzten Tagen war.

Die Athertons und ihr neues "Arbeitsgerät" von Trek.

Attacke aus Großbritannien

Dass kein Mann von der Insel in den Top 3 des Downhill-Worldcups 2015 vertreten war, wurmt die Briten sicherlich. 2016 wird sich das bestimmt ändern, denn an guten Kandidaten besteht wirklich kein Mangel. Danny Hart hatte im vergangenen Jahr mit Verletzungen zu kämpfen, in Lourdes zu Saisonbeginn fuhr er aber auf Platz vier. Außerdem hat Dannys Team Mondraker sich von Marzocchi als Sponsor verabschiedet und Fox mit ins Boot geholt. Nach Ansicht vieler ein wesentlich wettkampftauglicheres Fahrwerk. Hart ist ein Spezialist für rutschige Bedingungen, seinen Weltmeistertitel holte er 2011 auf der Horrorstrecke von Champéry im strömenden Regen. Sollte es in Lourdes also wirklich nass und schlammig sein, ist er ein heißer Tipp.

Troy Brosnan: Ein Kandidat fürs Podium in Lourdes 2016?

Auch Gee Atherton könnte 2016 wieder aufs Podium klettern. Der Teamwechsel von GT zu Trek dürfte ihm Aufwind gegeben haben. Den "Fluch" des Regenbogen-Jerseys ist er jetzt los und er ist ein echter Athlet, der über den Winter professionell und diszipliniert trainiert hat. Sicherlich noch bessere Chancen hat in Lourdes Josh Bryceland. "Ratboy" hatte sich bei den Weltmeisterschaften 2014 in Hafjell übel den Knöchel verletzt und konnte deswegen den ganzen Winter vor der Saison 2015 nur eingeschränkt trainieren. Trotzdem holte er sich in Mont Sainte Anne den Sieg und den fünften Platz in der Gesamtwertung. Diesen Winter war Bryceland komplett unverletzt und konnte ohne Einschränkungen an seiner Form feilen. Sein Bike, das Santa Cruz V10, kennt er sehr gut, was ihm in Lourdes zum Vorteil gereichen könnte.

Troy Brosnan und Brook MacDonald

Auch Neuseeland hat einige vielversprechende Kandidaten im Downhill-Worldcup. Troy Brosnan war die vergangene Saison über dauerhauft überragend. Häufig holte er eine Podiumsplatzierung, Konstanz war wie bei Loic Bruni seine Stärke. Zwar konnte er keinen Sieg einfahren, doch seine großartigen Leistungen bescherten ihm am Ende trotzdem den dritten Rang in der Gesamtwertung. Troy Brosnan kann sich außerdem wie Josh Bryceland mit dem Demo auf einen alten Bekannten verlassen, während viele aus der Top-Riege sich über den Winter an neue Bikes gewöhnen mussten.

Johannes Fischbach beim City Downhill in Valparaiso.

Brook MacDonald aus Neuseeland sollte man außerdem im Auge behalten. Er hat über den Winter von Trek zu GT gewechselt. Sein Ruf, ihm würden die Felsen wegen seines aggressiven Fahrstils von selbst aus dem Weg gehen, ist sicherlich nicht ganz unberechtigt. Und dann wäre da noch Newcomer Michael (Mike) Jones, Protegé von Sam Hill himself. Er ist insbesondere in Lourdes ein heißer Kandidat, 2015 fuhr er hinter Aaron Gwin und Loic Bruni auf Platz drei.

Newcomer mit Potenzial

Rachel Atherton inspiziert schon mal ihr neues Trek Session.

Überhaupt sollte man die Newcomer nicht aus den Augen lassen, denn ehe man sichs versieht, sind sie die größten Favoriten. So zum Beispiel in der Vergangenheit Josh Brycland oder auch Loic Bruni. Potenzial für 2016 hat neben dem bereits genannten Micheal Jones sicherlich noch Loris Vergier, Teamkamerad von Loic Bruni bei Specialized, der 2015 in Windham hinter Greg Minnaar und Aaron Gwin aufs Podium fuhr.

Die Deutschen sollten 2016 im Worldcup etwas bessere Chancen haben als 2015. Jasper Jauch ist gut in Form, vor allem aber Johannes Fischbach wird mit seinem Radon Swoop hoffentlich die Top 10 anvisieren können. Die Form dazu hätte er jedenfalls, das Profi-Team dazu jetzt auch.

Letzte Saison konnte Tahnee Seagrave mit mehreren Podiumsplatzierungen glänzen.  

Die Favoriten bei den Damen

Wesentlich einfacher als bei den Herren gestaltet sich die Favoritenfrage bei den Frauen. Zwei Antworten müssen hier gefunden werden: Erstens, kann Rachel Atherton auf ihrem neuen Trek an ihre unschlagbaren Leistungen vom vergangenen Jahr anknüpfen, in dem sie auf GT alle Worldcups bis auf einen und die Weltmeisterschaft gewann. Zweitens, hat Manon Carpenter ihre Pace von Hafjell 2014 wiedergefunden und kann sie damit Rachel Atherton wieder gefährlich werden?

Favoriten der Damen: (v. l. n. r.) Manon Carpenter, Rachel Atherton, Emmeline Ragot, Tracey Hannah und Tahnee Seagrave.

Über Atherton braucht weiter nicht viel gesagt zu werden. Sie ist die klare Favoritin. Dass Manon Carpenter letzte Saison nicht ganz mit sich zufrieden sein konnte, lag in vielen unterschiedlichen Faktoren begründet: Dem Druck durch das Regenbogen-Jersey, ihre Verletzung in Fort William und einem neuen Bike ab der Hälfte der Saison. 2016 ist all das nicht der Fall und so wird Manon Carpenter über den Winter viel und konzentriert trainiert haben. Mit ihr kann man also rechnen.

Die dritte im Bunde mit einer Art "Wildcard" ist Tahnee Seagrave. Die junge Britin glänzte bereits 2015 mit konstant guten Platzierungen doch auch ihr blieb ein Sieg bisher verwehrt. Über die Off-Season ist sie wahrscheinlich nur noch schneller geworden, aber die entscheidende Frage ist: Wie schnell genau ist schneller? Dass sie aber eine Kandidatin für das Podium in Lourdes ist, daran besteht kein Zweifel.

Emmeline Ragot wieder auf dem Bike

Nachdem Emmeline Ragot am Ende des letzten Worldcups in Lourdes ihren Rückzug aus dem Sport angekündigt hatte, erreichte uns kurz vor dem Worldcup-Start 2016 eine erfreuliche Nachricht: Emmeline Ragot wird in Lourdes am Start stehen. Doch die Erwartungen ihrerseits sind eher gedämpft. Man sollte ihren Start nicht als Comeback sehen, sondern eher als ein Probelauf. Ragot will ausprobieren, wie weit sie sich von ihren Verletzungen wieder erholen kann und dann über Comeback oder Rückzug entscheiden. Auf einen Sieg in Lourdes spekuliert sie also wohl eher nicht.

Sicher ebenso ohne Sieg bleiben wird Myriam Nicole. Zumindest in Lourdes. Sie kann wegen einer Armverletzung nicht starten, mit ihr wird dann aber im späteren Verlauf des Downhill-Worldcups 2016 zu rechnen sein. Zuletzt sei noch Tracey Hannah erwähnt, die vergangenes Jahr zwar nie bis ganz oben aufs Treppchen fuhr, die aber schon seit einigen Jahren konstant gute Leistungen bringt und häufiger auf Platz zwei und drei landete. Sie brillierte in der Vergangenheit vor allem auf rutschigen und steilen Kursen, insofern könnte ihr Lourdes und das Wetter in die Karten spielen.

Schlagwörter: Aaron Gwin Downhill Loic Bruni Lourdes Rachel Atherton UCI Worldcup World Cup


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