Deutsche Damen-Elite auf Erfolgskurs Deutsche Damen-Elite auf Erfolgskurs Deutsche Damen-Elite auf Erfolgskurs

Cyprus Sunshine Cup 2016: Rennbericht

Deutsche Damen-Elite auf Erfolgskurs

  • Adrian Kaether
 • Publiziert vor 6 Jahren

Der Cyprus Sunshine Cup war dieses Jahr bemerkenswert besetzt. Vogel, Kulhavy, Fumic, Fontana & Co. gaben sich ein Stelldichein, aber ein Cyclocross-Champion mischte überraschend das Rennen auf.

Eigentlich ist der Cyprus Sunshine Cup , der seit 1997 auf der Insel Zypern jährlich stattfindet, nur ein eher kleines und nicht sehr bedeutendes Etappenrennen. Doch die exponierte Lage in der Vorsaison sowie eine wiederholt gute Grundstimmung in Kombination mit einigen feinen Trails haben dem Rennen eine feste Fangemeinde beschert.

Auch in diesem Jahr gab sich die Cross Country-Prominenz in Zypern ein Stelldichein. Cross-Country Legende Bart Brentjens dominierte in der Masters-Klasse, Gunn-Rita Dahle Flesjå trat mit ihrem Mann zusammen an. Den findet man sonst vor allem neben der Strecke, wo er die Norwegerin als persönlicher Coach zum nächsten Worldcup-Sieg treibt. Ebenso war mit Jaroslav Kulhavy, Florian Vogel und Fabian Giger die Crème de la Crème des Cross-Country Worldcups der Männer vertreten. Erstaunlich gut schlug sich auch der niederländische Cyclocross-Spezialist Mathieu van der Poel. Er konnte sogar mit einer Sekunde Vorsprung auf Fabian Giger eine Etappe für sich entscheiden. Sein erster wichtiger Sieg auf dem Mountainbike überhaupt.

Vier deutsche Damen auf den Plätzen eins bis fünf

Noch erfeulicher war jedoch die Beteiligung der Deutschen, insbesondere der deutschen Frauen. Mit Adelheid Morath, Sabine Spitz, Elisabeth Brandau und Helen Grobert fehlte wirklich niemand mehr aus der deutschen Top-Liga. Und dementsprechend sah auch das Feld nach dem ersten Renntag aus, den Elisabeth Brandau für sich entscheiden konnte. Auf Platz zwei folgte Sabine Spitz, Platz drei ging an Adelheid Morath. Auf Platz vier drängte sich die Schweizerin Linda Indergard in die deutsche Phalanx, die von Helen Grobert auf Platz fünf komplettiert wurde. Bei den Männern sicherte sich Florian Vogel mit nur 0,2 Sekunden Vorsprung auf Grant Ferguson den Sieg im Prolog.

Armin M. Küstenbrück Gunn-Rita Dahle Flesjå ging mit einem "getarnten" Merida-Bike an den Start. Hätten wir sonst gesehen, dass sie einen Erlkönig fährt? Vielleicht nicht... Auch bei der Gabel könnte es sich um eine neue Rock Shox SID handeln.

Richtig spannend wurde es aber erst auf der zweiten Etappe. Bis Kilometer 18 der 48 Kilometer langen Etappe hatte sich eine dichte Führungsgruppe um Fabian Giger, Grant Ferguson und Mathieu van der Poel gebildet. Florian Vogel hatte wegen eines platten Reifens den Anschluss an die Führungsgruppe verloren. Da keiner der anderen sich schon so früh an die Spitze setzen wollte, hatte der niederländische Cyclocrosser leichtes Spiel und führte lange das Rennen an. Erst im letzten Anstieg konnte Fabian Giger seine Erfahrung ausspielen und passierte van der Poel.

Mathieu van der Poel: ersten Sieg auf dem Mountainbike

„Ich war schon total im Eimer. Kaum hatte Fabian (Giger) mich überholt, hatte er auch schon einen Vorsprung von zehn Sekunden. Aber am Ende des Anstieges konnte ich noch einen finalen Sprint aus mir rauspressen und überholte ihn wieder“, sagte der 21-Jährige nach dem Rennen. Fabian Giger war offensichtlich von der Attacke des Newcomers total überrascht, der ihn erst 200 Meter vor dem Ziel überholte. „Ich dachte, ich habe es in der Tasche, es war ein totaler Anfängerfehler. Schade, aber meine Form ist trotzdem gut, nur an der Taktik muss ich jetzt noch arbeiten.“ Dennoch ist es keine Schande für Fabian Giger. Zwar hatte Mathieu van der Poel noch nie ein Mountainbike-Rennen gewonnen, aber dafür hat der Niederländer den Weltmeistertitel im Cyclocross von 2015 in der Tasche.

Armin M. Küstenbrück Der Überraschungskandidat: Mathieu van der Poel, Cyclocross-Weltmeister von 2015, mischte das Rennen kräftig auf und konnte sogar eine Etappe gewinnen. Damit hätte wohl niemand gerechnet.

Bei den Damen entschied Elisabeth Brandau die zweite Etappe für sich, dicht gefolgt von Adelheid Morath. Zwar stürzte Morath in der vorletzten Abfahrt, konnte aber die verlorene Zeit auf Brandau im letzten Anstieg wieder herausfahren. Auf Platz drei landete Jovana Crognogorac vom serbischen Nationalteam, die damit ihre erste wichtige Podiumsplatzierung nach Hause fuhr. Sie hatte sich auf dem letzten Anstieg gegen Gunn-Rita Dahle Flesjå durchsetzen können.

Braidot und Spitz gewinnen 3. Etappe

Die dritte und letzte Etappe war mit 50 Kilometern vergleichbar lang wie die vorangegangene. Doch wieder wurden die Karten neu gemischt. Während bei den Männern der Italiener Luca Braidot den Sieg holte, konnte Fabian Giger mit einem guten zweiten Platz das gelbe Trikot der Gesamtführung übernehmen. Auf Platz drei landete Jaroslav Kulhavy, der wohl noch mit der Form der Vorsaison kämpft, sich aber im Zielsprint gegen zehn weitere Fahrer durchsetzte. Vorjahressieger Florian Vogel dagegen gab auf, als er bereits in der ersten Abfahrt stürzte. Zwar waren die Verletzungen nicht sehr schwer, doch sein anhaltendes Pech hatte den Schweizer offensichtlich vollständig demoralisiert und außerdem seine Chancen auf eine anständige Platzierung zunichte gemacht. Bei den Damen führte zunächst wieder Elisabeth Brandau, diesmal dicht gefolgt von Sabine Spitz, bis sie sich zehn Kilometer vor dem Ziel einen Platten einfuhr. Sie musste Spitz ziehen lassen und damit auch das Führungstrikot an Adelheid Morath abgeben, die hinter Sabine Spitz als Zweite die Ziellinie überquerte.

Andreas Dobslaff Luca Braidot (ganz vorne) gewann die dritte Etappe.

Spannung pur beim CC-Rennen an Tag 4

Der letzte Renntag wartete mit einem Cross-Country-Rennen statt einer weiteren Etappe auf. Doch die Spannung erreichte hier ihren Höhepunkt. Sie kennen das Lied mit den kleinen Jägermeistern, die nicht gern allein waren? So ähnlich ging es beim Rennen zu. Schon in der ersten Runde fiel Mathieu van der Poel zurück, weil er von einem langsamen Fahrer aufgehalten wurde. Dann, in der zweiten von sechs Runden, riss die Kette des Italieners Luca Braidot. Besonders ärgerlich, weil er auch in der Gesamtwertung nur 37 Sekunden hinter Fabian Giger lag und damit noch Chancen auf den Gesamtsieg hatte.

Armin M. Küstenbrück Auch Jose Hermida ging an den Start, konnte aber keine guten Platzierungen einfahren.

Auch Jaroslav Kulhavy, der das Cross-Country-Rennen unbedingt für sich entscheiden wollte, hatte Pech. Er holte sich in der dritten Runde einen Plattfuß und verlor den Anschluss an die Spitze. Braidots Landsmann Marco Fontana hatte dagegen mehr Glück. Zusammen mit dem Franzosen Maxime Marotte fuhr er an die Spitze und ließ sogar Fabian Giger hinter sich. „Ich hatte gute Beine heute und bin smooth gefahren. Von der Hälfte des Rennens an wusste ich, ich könnte gewinnen, aber Maxime war verdammt stark. Der kann einstecken, der Mann“, sagte Fontana lachend nach dem Rennen: „Jetzt bin ich trotzdem total stoked. Ein guter Start in die Saison.“ Auf Platz drei landete Mathieu van der Poel, Platz vier sicherte sich Fabian Giger, der damit auch den Gesamtsieg einkassierte.

Überraschung bei den Damen im letzten Rennen

Die Gesamtwertung bei den Damen war mit dem Vorsprung von 2:55 Minuten von Adelheid Morath auf Gunn-Rita Dahle Flesjå eigentlich schon vor dem letzten Rennen entschieden. Doch Morath hatte sich bei ihrem Sturz am dritten Tag verletzt und Gunn-Rita Dahle Flesjå war in sehr guter Form. Zusammen mit Elisabeth Brandau preschte die Norwegerin vorweg. Schließlich galt es nicht nur ein Rennen zu gewinnen, sondern – wenn möglich – auch noch den Vorsprung von Adelheid Morath in der Gesamtwertung einzuebnen. Eigentlich ein unmögliches Vorhaben, doch die guten Beine Dahle Flesjås und die Verletzungen Moraths machten das Unmögliche möglich.

Armin M. Küstenbrück Gunn-Rita Dahle Flesjå konnte am Ende die Gesamtwertung noch für sich entscheiden.

Schon bald ließ die Marathon-Weltmeisterin Elisabeth Brandau hinter sich, die in den Downhills nicht mit der erfahrenen Norwegerin mithalten konnte und langsam aber sicher ging ihr Plan auf. Tatsächlich wurde Adelheid Morath durch ihre Verletzungen massiv behindert, sodass sie immer weiter zurückfiel, während Gunn-Rita Dahle Flesjå ihren Vorsprung auf die Führungsgruppe immer weiter vergrößerte. Trotzdem dauerte es bis zum Anfang der sechsten Runde, bis Dahle Flesjå Morath virtuell überholte. Währenddessen hatte sich Morath wieder ein wenig erholt und wollte vom zehnten Platz aus noch einige Positionen gutmachen. Doch der Vorsprung Gunn-Rita Dahle Flesjås war zu groß. Mit 3:34 Minuten Vorsprung auf Morath im letzten Rennen sicherte sich die Norwegerin den Sieg in der Gesamtwertung. Den zweiten Platz im Rennen sicherte sich Sabine Spitz, gefolgt von Elisabeth Brandau.

Themen: Adelheid MorathCross-CountryEtappenrennenGunn-Rita Dahle FlesjåJaroslav KulhavySabine SpitzVideoZypern


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