Cape Epic 2019 – Prolog

Prolog: Schurter/Forster holen Gelb

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 2 Jahren

Schurter/Forster (Scott Sram) siegen beim Cape-Epic-Auftakt am Tafelberg mit 41 Sekunden Vorsprung auf Fumic/Avancini (Cannondale). Weltmeister-Duo Langvad/van der Breggen siegt bei den Frauen.

Das Team Scott-Sram unterstrich seine Favoritenrolle und die Ansprüche auf den Gesamtsieg mit dem Gewinn des Prologs beim Cape Epic 2019 . An den Flanken des weltberühmten Tafelbergs in Kapstadt setzte das Schweizer Duo Nino Schurter/Lars Forster 41 Sekunden zwischen sich und ihre Verfolger Manuel Fumic und Henrique Avancini von Cannondale Factory Racing. In 43:41.5 Minuten legten die Schweizer den leicht rutschigen Kurs von 20 Kilometern und 600 Höhenmetern zurück und schlüpften in das Gelbe Trikot der Gesamtführenden. Auf den dritten Rang fuhr das Team Kross-Spur mit dem Spanier Sergio Gutierrez und dem Tschechen Ondřej Cink.

Marathon-Weltmeister Avancini vorneweg, Manuel Fumic am Hinterrad: Das Cannondale-Duo will 2019 in der Gesamtwertung ein ernstes Wörtchen mitreden.

Lars Forster im roten Bereich

Damit zeigten die Cross-Country-Spezialisten ihre Stärken auf dem schnellen, winkligen Kurs direkt am Rand von Kapstadt. Die Verhältnisse waren eher kühl für die südafrikanische Hafenstadt mit rund 18 Grad. Regen am Morgen hatte den Kurs mit seinem lehmigen, sandigen Untergrund leicht rutschig gemacht, gleichzeitig aber schneller. Die Siegerzeit war zwei Minuten kürzer als vergangenes Jahr bei identischem Streckenverlauf. „Die Strecke kam uns sehr entgegen“, kommentierte der 32-jährige Schurter, der 2017 das Rennen gewonnen hatte. Der mehrfache Gesamtworldcup-Gewinner, Weltmeister und Olympiasieger hat mit Lars Forster einen Cape-Epic-Neuling im Team. „Beim Anstieg zum Dead Man’s Tree war ich 20 Watt über meiner sonstigen Leistung, eindeutig im roten Bereich“ erzählte Forster, „glücklicherweise ist Nino so stark im Flachen, dass ich mich hinter ihm wieder etwas erholen konnte.“ Das Scott-Sram-Team musste umdisponieren, da der ursprüngliche Partner Schurters, Andri Frischknecht, Magenprobleme hatte und nun ins Support-Team wechselte.

Europameister Lars Forster musste sich ganz schön strecken, um das Hinterrad von Weltmeister Schurter zu halten.

Nicola Rohrbach (vorne) und Konny Looser beim Prolog: Die Schweizer landeten auf Rang 15 (+2:40 Minuten), ihre Stärken werden sie auf den langen Etappen ausspielen.

Sam Gaze (23) steht das erste Mal beim Cape Epic am Start. Mit Partner Jaroslav Kulhavy kassierte er beim Prolog stattliche 1:50 Minuten Rückstand.

Der kurze Prolog ist nicht das Terrain von Alban Lakata und Karl Platt (Bulls Legends). Sie kamen nur auf Rang 23. und hatten 3:20 Minuten Rückstand auf die Sieger.

Starker Auftritt von den jungen Bulls-Fahrern Martin Frey und Simon Schneller. Sie erreichten beim Prolog Platz 17.

Alle drei Bulls-Teams sind auf neuen Bikes unterwegs. Das Wild Edge Race-Fully wurde für 2020 überarbeitet. Die Geometrie ist länger und flacher, es bietet vorne wie hinten 100 mm Federweg. Die Prototypen kamen pünktlich zum Start des Etappenrennens, bald mehr Infos dazu in BIKE.

An den fünf Zwischenzeit-Punkten waren den Siegern die Südafrikaner von SpecializedFoundationNAD, Matt Beers und Alan Hatherly (U23-Weltmeister) dicht auf den Fersen, bevor ein Platten die beiden Lokalmatadoren bremste. Ihnen blieb ein 5. Platz und das Absa African Red Jersey, das rote Leadertrikot für die schnellste afrikanische Paarung beim Cape Epic.

Der Deutsche Manuel Fumic und sein brasilianischer Partner Henrique Avancini enttäuschten ihre zahlreichen Fans nicht, die zum Tafelberg gepilgert waren und dem unfreundlichen Wetter standhielten. „Wir haben unsere gute Form umsetzen können und gezeigt, dass mit uns zu rechnen ist“, sagte der Brasilianer, frischgebackener Vater einer Tochter. Erst in dieser Woche landete Avancini in Kapstadt, da er wegen seiner Tochter seine Flüge mehrmals verschoben hatte. „Ich bin das viele Reisen gewohnt, das macht mir nichts aus“, meinte Avancini, „wir haben nun eine gute Position für den Start in die echten langen Etappen.“

Etwas überraschend war für Insider der relativ schlechte 8. Platz für das Teams Investec-Songo-Specialized mit Vorjahressieger Jaroslav Kulhavy und dem Neuseeländer Sam Gaze. Der Rückstand auf die Sieger betrug 1:50 Minuten.

Cross-Country-Spezialisten unter sich: In Gelb Schurter/Forster, auf Rang zwei Fumic/Avancini und auf dem dritten Rang Gutierrez/Cink.

Damen: Langvad/van der Breggen souverän vorne

Auch bei den Frauen setzten sich die Favoritinnen klar durch. Die Weltmeisterin und mehrfache Epic-Siegerin Annika Langvad und ihre Partnerin Anna van der Breggen, Weltmeisterin und Olympiasiegerin auf der Straße, siegten souverän mit rund zweieinhalb Minuten Vorsprung.

Die Dänin und die Niederländerin, erstmals gemeinsam bei einem Mountainbike-Rennen unterwegs, ließen nichts anbrennen. Investec-Songo-Specialized, so der Team-Name, benötigten nur 51 Minuten 44 Sekunden (das ist ein überragender 43. Platz in der Gesamtwertung). Ariane Lüthi, die ehemalige Partnerin von Langvad bei drei Absa Cape Epic Siegen, und Maja Wloszczowska vom Kross-Spur-Team wurden Zweite vor Summit Fin’s Candice Lill und Adelheid Morath.

Souverän zum Sieg: Annika Langvad (vorne) und die Niederländerin Anna van der Breggen dominieren das Damenfeld. Ob das auch die ganze Cape-Epic-Woche so weitergeht?

Langvad und Van der Breggen starteten zuletzt im Frauenfeld und zeigten bereits nach 6 Kilometern und den ersten Anstiegen, dass sie den anderen Frauen nur die weiteren Plätze lassen würden: 66 Sekunden hatten sie nach dem ersten Drittel des Prologs bereits Vorsprung. Die zwei Weltmeisterinnen werden dem Frauenring auch weiterhin ihren Stempel aufdrücken, denn sie bauten diesen Abstand auf über zwei Minuten zu den zweitplatzierten aus.
"Ein guter Start, ein guter erster Tag ist sehr wichtig", meinte Langvad im Ziel, "es ist gut für unsere Moral und es ist eine starke Motivation für uns", so die Dänin, "ich denke, das war der schnellste und härteste Prolog bei einem Epic für mich seit ich dabei bin."

Van der Breggen war erleichtert und glücklich, den Prolog hinter sich zu haben. "Gut, dass es losgegangen ist", so die Olympiasiegerin von 2016,"es lief heute besser für mich als erwartet, aber es kommen ja noch sieben Tage und da kann noch einiges passieren." Bei einer Straßenspeziliastin wie van der Breggen fragen sich Beobachter und Insider, wie sie mit den technischen Schwierigkeiten eines MountainbikeRennens zurecht kommt und ob sie nicht in den schwierigen Downhill-Passagen Zeit verliert. Doch die amtierende Straßenweltmeisterin zeigte keine Schwächen und hat ihre Kritiker überzeugt. "Ich muss mich hier beherrschen, sagte die Niederländerin, "auf der Straße gehe ich immer Vollgas, hier musst du Tempo rausnehmen auf technischem Terrain, daran muss ich mich noch gewöhnen. Aber mit Annika habe ich ja eine der besten Mountainbikerinnen der Welt direkt vor mir und sie zeigt mir die optimale Linie und wie es am besten geht."

Die beiden deutschen Fahrerinnen Nadine Rieder (vorne) und Sabine Spitz können auf dem vierten Rang beim Prolog aufbauen.

Sabine Spitz und Adelheid Morath mit gutem Start

Einen guten Prologstart erwischten auch die deutschen Frauen Adelheid Morath und Sabine Spitz mit Nadine Rieder. Morath belegte mit der Südafrikanerin Candice Lill den dritten Platz nach Ariane Lüthi und der Polin Maja Wloszczowska. Das einzige komplett deutsche Frauenteam Spitz/Rieder kam auf Rang vier mit dreieinhalb Minuten Rückstand. Die mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin Sabine Spitz kann ihre Epic-Erfahrung an die Debütantin Rieder weitergeben und hat sich mindestens einen Podestplatz vorgenommen. „Zwar haben wir das Podium knapp verpasst, aber keine Minute Rückstand auf Rang zwei. Darauf können wir mit Blick auf die nächsten Tage aufbauen. Wir wollten kein Risiko eingehen und haben bei unserem ersten gemeinsamen Start ein guten Rhythmus gefunden“, zeigte sich Sabine Spitz im Ziel zufrieden.

Das Podest bei den Damen. Erfreulich aus deutscher Sicht: der dritte Rang von Adelheid Morath (ganz rechts).

Plattenpech: Na hoffentlich nimmt dieser Starter auf den langen Etappen genügend Flickzeug mit, denn da kann man nicht mehr so einfach ins Ziel laufen.

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