Cape Epic 2019 – Etappe 3

Fumic/Avancini nach Defekt von Scott-Sram in Führung

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 2 Jahren

Cape Epic 2019 – dritte Etappe: Führungswechsel bei den Herren – nach Scott-Srams Plattenpech Cannondale im Gelben Leadertrikot. Langvad/van der Breggen bleiben weiter unangefochten in Front.

Das ist Mountainbiken, das ist typisch für das Cape Epic : Ein Defekt genügt, um das Gesamtklassement schnell zu drehen. Das Rennen ist erst zu Ende, wenn im Val de Vie am Sonntag die Ziellinie überquert wird. Lagen Scott-Sram am Vortag noch vier Minuten vor ihren Verfolgern, rutschten sie heute auf Platz zwei mit 2:40 Minuten Rückstand. Der Marathon-Europameister Lars Forster hatte einen Platten, den das Schweizer Team nicht in Griff bekam. Zeitweise hatten sie bis zu neun Minuten Rückstand. Diese Chance nutzten der Deutsche Manuel Fumic und Henrique Avancini (Cannondale) und holten sich den Etappensieg und auch das gelbe Leadertrikot. Auf den dritten Rang kämpften sich das Bulls-Team mit Stiebjahn/Huber mit einem 7:45 Minuten Abstand.

Wollten Druck machen auf Scott-Sram: Das ist  Fumic und Avancini heute gelungen.

Haben gut lachen: Henrique Avancini (links) und Manuel Fumic durften sich heute das Gelbe Trikot überstreifen.

Platten bei Forster am Groenlandberg

Der Groenlandberg ist einer der, wenn nicht der härteste Anstieg in dieser Woche beim Absa Cape Epic 2019. Der Anstieg zieht sich, immer wieder steiler, mal flacher. Bei dem heutigen Regen klebt der Reifen am Untergrund, dann kommen meterlange Sandpassagen. Und die Abfahrt ist sehr holprig, extrem viele lose, scharfkantige Steine liegen in der Spur – ein Platten ist da eher wahrscheinlicher als vermeidbar. Diesmal erwischte es das Schweizer Führungsduo: Forster fuhr am Hinterrad platt. Der Schlauchlos-Reifen von Forster war nicht dicht zu bekommen. Ein eingesetzter Schlauch verabschiedete sich gleich wieder und der Schweizer holperte auf der Felge weiter bergab, bis er vom unterstützenden zweiten Scott-Sram-Team mit Andri Frischknecht und Gert Heyns eingeholt wurde und ein Hinterrad bekam.

Eine echte Härteprüfung heute bei mittelmäßigem Wetter: der Groenlandberg.

Der Platten von Lars Forster kostete das Schweizer Duo viel Zeit.

Danach versuchten Schurter/Forster den Rückstand, der maximal neun Minuten betrug, zu verkleinern. Im Ziel waren es 6:45 Minuten.

Weltmeister und Olympiasieger Nino Schurter nahm es cool auf der Strecke und im Ziel. „Ja, wir haben die Zeit verloren, so ein Defekt kann passieren, aber wir haben uns bei der Aufholjagd nicht kaputt gefahren. Wir sind nicht über unser Limit gegangen und können weiter nach vorne schauen.“ Für Manuel Fumic und Henrique Avancini lief es nach Plan heute. „Wir wollten Druck machen auf das Führungsteam“, so Fumic im Ziel, „und als wir nach dem langen Anstieg am Groenlandberg merkten, dass Lars leichte Probleme hatte, forcierten wir etwas. Wenn du unter Druck bist, passieren leichter Fehler. Nun, es ist nicht schön wenn man einen Defekt hat, aber als die Scott-Jungs gebremst waren, haben wir unser Rennen von vorne solide durchgefahren. Wir sind nicht absolutes Vollgas gefahren, es kommen ja noch ein paar Tage. Ich bin sehr glücklich über unseren ersten Sieg.“

Der Brasilianer erinnerte sich an einen schmerzhaften Tag auf der gleichen Strecke zwei Jahre zuvor: „Ich hatte totale Magenprobleme, wir hatten außerdem noch drei Platten 2017, ich wäre fast nicht durchgekommen, wenn Manuel mich nicht so gut unterstützt hätte. Heute lief es gut, wir waren perfekt unterwegs und jetzt geht das Rennen nochmal los“, so Avancini.

Bulls-Team schiebt sich in Gesamtwertung auf Rang drei vor

Super lief es heute auch für das Bulls-Duo Simon Stiebjahn und Urs Huber, die den zweite Etappenplatz belegen konnten. Gemeinsam mit Trek Selle San Marco, Damiano Ferraro und Samuele Porro, waren sie in der Spitzengruppe mitgefahren und mussten nur Cannondale ziehen lassen. Damit rutschen die Bulls-Fahrer im Gesamtklassement auf Rang drei, allerdings beträgt der Abstand auf die Italiener von Trek nur hauchdünne elf Sekunden. Nach vorne, auf den fünften Gesamtrang, arbeiteten sich auch Daniel Geismayr und Jochen Käß von Centurion Vaude vor, ein Team das in den letzten Jahren immer zu den Top-Teams beim Cape Epic zählte. Noch in den Top Ten liegen die Bulls-Legenden Karl Platt und Alban Lakata, die auf der Etappe als Zehnte ins Ziel fuhren. Doch ein Abstand von 26 Minuten zu den Führenden ist nahezu uneinholbar.

Urs Huber und Simon Stiebjahn von Bulls feiern den zweiten Platz. In der Gesamtwertung schieben sie sich auf Rang drei nach vorne.

Sam Gaze steigt aus

Nach einem heftigen Sturz zwei Tage zuvor musste Sam Gaze heute aus dem Epic aussteigen. Favorisiert mit dem mehrfachen Sieger Jaroslav Kulhavy, versuchte der junge Neuseeländer alles. Doch nach wenigen Kilometern in der dritten Etappe beendete er das Rennen. Jaroslav Kulhavy ist nun als Outcast-Fahrer weiter unterwegs, auch um Support für die anderen Specialized-Fahrer zu leisten.

Die Top 10 Herren-Teams auf der dritten Etappe.

Specialized-Frauen Langvad/van der Breggen als oranges Uhrwerk


Annika Langvad und Anna van der Breggen, seit dem Prolog im orangefarbenen Leadertrikot der Frauen, spulten auch heute die schwierige und durch Regen und kühle Temperaturen harte Etappe, wie ein Uhrwerk ab. Die Verfolgerinnen von Kross-Spur, Ariane Lüthi und Maja Wloszczowska, riskierten in der Groenlandberg-Abfahrt etwas zuviel und wurden durch einen Platten von Lüthi nach hinten geworfen. Dabei hatten sie doppeltes Pech: Als sie das Hinterrad eines der männlichen Kross-Teams übernahmen, war dieses auch bereits geflickt und verlor Luft. „Da mussten wir den Job der Jungs leider nochmal machen“, lachte eine trotz des Rückstands noch gut gelaunte und optimistische Ariane Lüthi im Zielinterview. „Ich fahre mit einer der stärksten Frauen am Berg überhaupt“, lobte sie Maja Wloszczowska, „da muss ich mich total anstrengen und bin nicht so schnell wie sie. Dafür müssen wir unsere Stärken im Downhill ausspielen und das haben wir heute versucht. Leider ist es ein wenig schiefgegangen.“

Weiter in einer anderen Liga auf der Rennstrecke: Annika Langvad und Anna van der Breggen (Specialized).

Wie anstrengend die heutige Etappe war verdeutlich die Aussage der vierfachen Epic-Siegerin Annika Langvad: „Ich spüre meine Hände und Arme kaum noch, heute war der Untergrund so brutal, mit so vielen Steinen. Natürlich bin ich froh, dass wir auch am vierten Tag gewonnen haben. Heute am Start fühlte ich mich viel erholter als am Vortag. Wir zogen unser Tempo konstant durch. Am ersten Hotspot hatten wir geplant, unsere Form und die der anderen auszutesten, und so zogen wir da schon mal an. Dann fuhren wir unsere Pace, nach dem Motto: Wenn uns jemand einholen will, müssen sie dafür arbeiten. Von Arianes Defekt haben wir nichts mitbekommen, wir haben überhaupt nicht gewusst, was im Frauenfeld hinter uns los war heute.“

Morath auf Rang zwei, auch im Gesamtklassement

Vom Plattenpech Lüthis profitierten die Verfolgerinnen Adelheid Morath und Candice Lill, die gut durchzogen, den zweiten Platz heute belegten und nun sechs Minuten vor Kross-Spur liegen. Entsprechend kamen die beiden mit einem breiten Grinsen in still in Oak Valley. „Ein super Tag für uns“, so die Südafrikanerin Candice Lill. „Heute durfte man wegen des langen Anstiegs nicht überdrehen und als Ariane den Platten hatte, fuhren wir kontrolliert in unserem Tempo weiter. Wir versuchten, das Defektrisiko in Schach zu halten und alles ging gut.“

Adelheid Morath und ihre südafrikanische Partnerin profitierten von einem Defekt bei Kross-Spur und holten heute Platz zwei.

Die Top 5 Damen-Teams auf der dritten Etappe.

Morgen wird es ein „kurzer“ Tag. Es gibt ein Zeitfahren über 43 Kilometer im Oak Valley. Dabei wird in zeitlichen Abständen gestartet.

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