Cape Epic 2019 – Etappe 1

Schurter/Forster vergrößern Vorsprung – Fumic Zweiter

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 2 Jahren

Cape Epic 2019 – erste Etappe: Mit einem Etappensieg vergrößern Schurter/Forster den Vorsprung vor Avancini/Fumic. Platt/Lakata auf Rang drei. Langvad/van der Breggen bauen Führung aus.

Das Favoriten-Duo von Scott-Sram gewann die 111-km-Etappe des 2019 Absa Cape Epic in überzeugender Manier. Nino Schurter und Lars Forster legten die erste lange Distanz der Tour de France der Mountainbiker in 04:24:04 Stunden zurück und bauten damit ihre Führung auf Manuel Fumic und Henrique Avancini von Cannondale Factory Racing auf 3:33 Minuten aus, denen heute Platz zwei blieb.

Kämpften sich stark zurück: Alban Lakata und Karl Platt in der Verfolgergruppe.

Comeback für das Team Bulls: Im Zielsprint holten sich Alban Lakata und der fünffache Epic-Sieger Karl Platt den dritten Rang. „Ich freue mich über den Sieg und dass wir im Gelben Leadertrikot bleiben“, kommentierte Weltmeister Schurter im Ziel. „Wir hatten einen guten Tag, am Ende hat das Tempo-Hochhalten doch ein wenig weh getan. Aber so haben wir mehr Zeit für die Erholung", so der Schweizer. Ein bewölkter Tag mit gemäßigten Temperaturen hatte es sowohl den Profis als auch den Backendern – den normalen Fahrern, die doppelt so lange wie die Rennfahrer unterwegs sind – nicht zu hart gemacht.

Defekt bei Kulhavy und Sturz von Gaze

Mitfavoriten Jaroslav Kulhavy und Sam Gaze (Investec-Songo-Specialized) kamen mit einer größeren Verfolgergruppe ins Ziel der Hermanus High School an der südafrikanischen Ostküste. Damit schafften sie es noch auf den dritten Platz der Gesamtwertung – Defekte wie ein lockeres Schuh-Cleat von Kulhavy und ein Sturz hatte den Specialized-Fahrern wertvolle Zeit gekostet.

Morgens auf den ersten Metern der 111 Kilometer langen ersten Etappe des Cape Epic 2019.

Lockere Cleats von Jaroslav Kulhavy und ein Sturz von Sam Gaze warfen das Specialized-Duo aus der Verfolgergruppe.

Schon die erste lange Etappe des Cape Epic brachte die Anspannung der Konkurrenten zutage, die Favoriten lieferten sich auf den Bikes und auch verbal harte Duelle. 20 Fahrer versuchten sich abzusetzen, in diesem Feld ging es gleich auf den ersten 40 Kilometern hoch her. Erwartungsgemäß attackierten Schurter/Foster am Anstieg. Dann fuhren die Schweizer eine Lücke in die Gruppe, folgen konnten die Mitfavoriten Cannondale Factory Racing, Investec-Songo-Specialized, Trek Selle San Marco, Canyon und die zwei Bulls-Teams mit Platt, Lakata, Stiebjahn und Huber.

Dann kam Bewegung in diese Kombination: Avancini hatte Probleme mit seinem Trinkrucksack, gab Gas um wegzufahren und legte diesen beim dritten Versorgungspunkt ab. Danach ging es bei fast allen rund. Sam Gaze rutschte das Vorderrad in einer Sandpassage nach rund 74 Kilometern weg und er schlug so hart auf, dass sein Helm brach. Nach dem Lenker-gerade-Rücken und kurzem Schütteln war der Neuseeländer wieder im Sattel, doch Scott-Sram und Cannondale hatten die Flucht nach vorne angetreten.

Kurz danach brachen die Schweizer weg vom Deutschen Manuel Fumic und Partner Avancini aus Brasilien. „Die beiden wollten nicht vorne arbeiten, also haben wir Gas gegeben“, erklärte Schurter im Zielinterview, nachdem Avancini sich nicht gerade freudig über die Ansagen des Schweizer Olympiasiegers und Weltmeisters geäußert hatte. „Im Feld ging es ziemlich hektisch zu, alle waren nervös, aber nach dem dritten Wasserpunkt ging das Rennen dann richtig los“,, meinte Fumic im Ziel. „Scott hat versucht, Spielchen zu spielen, aber da wollten wir uns raushalten", so der Deutsche, „also fuhren wir unser Tempo, zogen das durch und das war ok. Es kommen noch ein paar Tage und entscheidend ist die Form am Ende der Woche.“

Avancini: „Der wahre Nino“

Avancini zollte seinen Gegnern Respekt: „Scott-Sram war sehr stark heute, Lars ist ein Weltklassefahrer und Nino vielleicht der beste Fahrer der Welt", so der Marathon-Weltmeister. „Aber es wäre nicht schlecht, wenn wir auch Mikrophone am Bike hätten, damit die Leute hören könnten, wie der wahre Nino ist. Er geht die anderen Fahrer ganz schön an. Es ist okay, ich werde mein Potential die nächsten Tage noch zeigen können. Ich bin sehr zuversichtlich bei diesem Epic, ich vertraue meinen Beinen, meinem Körper, meinem Partner und meinem Team. Es ist eine lange Woche und ich hoffe, wir werden noch ein paar nette Fights in den nächsten Tagen austragen können.“

Beim Prolog noch weit hinter den üblichen Plätzen gelandet, zeigten die Bulls-Legenden Platt und Lakata, dass sie sich nicht verstecken werden: „Die letzten beiden Jahre lief es nicht wirklich gut und das hat meiner Motivation etwas geschadet“, so Karl Platt, der sich sehr über den Podiumsplatz freute: „Wieder auf dem Treppchen zu stehen ist eine Riesenfreude und eine große Erleichterung für mich.“ Alban Lakata sagte: „Das lief wirklich gut heute für uns, das war nicht zu erwarten, aber es kann gerne die restliche Woche weiter so laufen“,, so der Österreicher. „Solange wir uns um uns kümmern und dafür sorgen, dass wir uns nicht kaputt fahren ist alles gut. Heute hat es ganz schön Körner gekostet.“

Weiter in Gelb: das Schweizer Duo von Scott-Sram.

Auch morgen wird den Fahrern nichts geschenkt: 2250 Höhenmeter auf 90 Kilometer Distanz bedeutet harte Arbeit, wenn die Profis und Normalfahrer von Hermanus ins Oak Valley, dem nächsten Etappenort, fahren.

Das Podest der ersten Etappe des Cape Epic 2019: Avancini/Fumic, Forster/Schurter und Platt/Lakata (von links).

Langvad/van der Breggen erneut souverän bei den Frauen

Souverän, unangefochten, von vorne: Annika Langvad und Anna van der Breggen drückten dem Frauenfeld auch bei der ersten lange Etappe ihren Stempel auf. Beeindruckende 5 Minuten und 42 Sekunden beträgt der Abstand zu den Zweitplatzierten nach nur zwei Etappen. Auch wenn die Verfolgerinnen Ariane Lüthi (Schweiz) und Maja Wloszczowska (Polen) ein gutes Rennen ablieferten. Die polnische Weltmeisterin von 2010 machte im Ziel klar, dass die Absicherung des zweiten Platzes im Fokus stand, anstelle den Abstand zu verkleinern. „Wir haben gar nicht versucht, mit Annika und Anna mitzufahren“, so Wloszczowska, „das Tempo gleich zu Beginn der Etappe hätte uns gekillt.“

Langvad, fünffache Marathon-Weltmeisterin und ihre starke Straßenfahrerin imTeam, die Niederländerin Anna van der Breggen, zogen schon nach den ersten Anstiegen außerhalb von Hermanus an und fuhren allen anderen Frauen davon. Ungefährdet, defektfrei, aber nicht sturzfrei hatte das dänisch/niederländische Paar gute drei Minuten im Ziel herausgefahren und den Vorsprung ausgebaut.

Auch heute nicht zu schlagen: Anna van der Breggen (vorne) und Annika Langvad. Die Niederländerin zeigt, dass sie nicht nur Rennradfahren kann.

Blut lief am linken Schienbein der Straßenweltmeisterin hinab, als die beiden in die Zielgerade der Hermanus High School einbogen. „Mich hat's auf der Schotterstraße zerlegt, die Wege sind ganz schön rutschig. Die technischen Passagen sind nicht so schlimm, allerdings finde ich es schwer, den ganzen Tag die Konzentration zu halten. In diesem Bike-Rennen gehst du von Anfang an Vollgas, über fünf Stunden mit Druck, das zehrt ganz schön. Und ich fand es ganz schön heiß heute, draußen, wo kein Schatten war.“ Die Niederländerin war durchaus skeptisch: „Ich bin ganz schön fertig heute, schauen wir mal, wie ich mich nach der Erholung fühle und wie es die nächsten Tage so weiter geht.“

Wloszczowska war zufrieden mit der ersten langen Etappe, auch wenn es nicht leicht war, die Drittplatzierten mit Candice Lill und der Deutschen Adelheid Morath in Schach zu halten. „Ich hatte unglaubliche Rückenschmerzen“, sagte Wloszczowska. „Wir versuchten wirklich, das Tempo hoch zu halten, ohne uns ins Defizit zu fahren, aber ich empfand es als harte Etappe heute. Die Mädels hinter uns haben Druck gemacht, kamen immer wieder nach und wir mussten wieder aufs Gas drücken – ein verrückter Kampf heute. Die drei Minuten sind noch ganz okay bei einem Fünf-Stunden-Tag, wir sind ja noch einigermaßen dran.“ Das deutsche Frauen-Team Sabine Spitz und Nadine Rieder (Meerendal WIAWIS Rotwild) kam als Fünfte ins Etappenziel, ihr Rückstand auf die Führenden beträgt rund 15 Minuten.

Für Adelheid Morath (am Hinterrad ihrer Teampartnerin Candice Lill) reichte es erneut für Platz drei, allerdings 5:20 Minuten hinter den Siegerinnen.

Apropos dran: Der Sturz von van der Breggen zeigte heute, dass auch das Favoritenteam immer auf der Hut bleiben muss. Investec-Songo-Specialized  sind zwar klar dominierend bei den Frauen – aber beim Mountainbiken und vor allem an den folgenden Tagen ist ein Sieg oder die Führung nicht selbstverständlich. Ein Defekt oder Sturz kann alles wieder ändern und die Rangliste durcheinander schütteln.

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Schlagwörter: Annika Langvad Cape Epic Etappenrennen Jaroslav Kulhavy Manuel Fumic Marathon Nino Schurter Rennsport Sabine Spitz Südafrika


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