Cape Epic 2018: 4. Etappe

Brutale Schlacht Königsetappe – GER weiter in Top-3

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 3 Jahren

Die Königsetappe des Absa Cape Epic 2018 bot eine fulminante Schlacht im Feld der Männer. Geburtstagskind Annika Langvad, mit Kate Courtney Führende bei den Frauen, erhielt ein unerwartetes Geschenk.

Schon vor dem Startschuss zu Etappe 4 des  Absa Cape Epic 2018  fiel eine Entscheidung bei den Frauen: Githa Michiels, die belgische Partnerin des zweitplatzierten Teams Spur mit der Schweizerin Ariane Lüthi, hatte Fieber bekommen und musste auf Anraten der Ärzte auf den Start verzichten. Damit war das mitfavorisierte Frauenteam ausgeschieden. Somit hatten Investec Songo Specialized mit Langvad/Courtney großen Zeitvorsprung auf das nächste Frauenteam und konnten diesen auf der vierten Etappe mit 113 Kilometern und 1800 Höhenmetern noch ausbauen. Die Überführung von Worcester nach Wellington sollte sich jedoch als ausgesprochen brutal erweisen.

Nicola Rohrbach und Daniel Geismayr vom Team Centurian Vaude gewinnen Etappe 4.

Das Cannondale Factory Racing Team mit dem Deutschen Manuel Fumic und dem Brasilianer Henri Avancini machte die Ankündigung wahr und attackierten. Denn sie wollten ihren taktischen Fehler des Vortags gutmachen, als sie das Gelbe Leadertrikot an Investec Songo Specialized mit Jaroslav Kulhavy und Howard Grotts abgeben mussten.

Alban Lakata and Kristian Hynek (Canyon Topeak) zogen früh das Tempo hoch, auch, um dem Amerikaner Howard Grotts weh zu tun. Kulhavy musste seinem amerikanischen Partner aus dem Patsche helfen und machte die Pace für ihn. "Ich konnte heute nur bis zu einem bestimmten Maximum fahren", erzählte Grotts, der bisher erste Amerikaner, der je im Gelben Leadertrikot des Cape Epic fuhr, "und glücklicherweise zog mich Jaro im passenden Speed mit."

Auch Centurion Vaude mit Nicola Rohrbach (SUI) und Daniel Geismayr (AUT) wollten zeigen, dass noch mit ihnen zu rechnen ist und holten sich die Dimension Data Hotspot-Wertung am Berg. Doch sie wurden von den folgenden Attacken der Cannondale-Jungs in die Schranken verwiesen, genauso wie die Teams BULLS 1 und 2, Buff Scott MTB und Investec Songo Specialized.

Manuel Fumic und Henrique Avancini vom Cannondale Factory Racing Team sicherten sich auf der vierten Etappe Platz zwei der Gesamtführung.

"Wir fühlten uns richtig gut heute", so Fumic. "Nach der dritten Etappe gestern wollten wir in den technischen Passagen zeigen, was wir draufhaben." Und das taten sie an der 60-Kilometer-Marke, also nach der halben Renndistanz, in der Landrover Technical Terrain-Abfahrt, genannt Slanghoek Traverse. Fumic und Avancini legten 40 Sekunden zwischen sich und die Verfolgergruppe, an der Verpflegungsstelle bei Kilometer 67 betrug ihr Vorsprung rund eine Minute.

Leider hatten die Gesamtführenden von Specialized wieder einen Platten, wie schon an beiden Tage zuvor. Genauso erging es Canyon Topeak mit Alban Lakata und Kristian Hynek. Das Gelbe Trikot schien verloren, doch eine Lokomotive wie Kulhavy lässt sich nicht so leicht aus den Gleisen werfen. Auf dem lockeren, sandigen Thudbuster Anstieg betrug der Vorsprung des vorne fahrenden Cannondale-Teams noch 3 Minuten vor den Gesamt-Leadern, eine Gruppe mit Centurion Vaude, Buff Scott MTB and BULLS  waren 20 Sekunden hinter Cannondale.

An diesem Teeranstieg wurde die vierte Etappe entscheiden. 

Der pittoreske, tief in einer Schlucht beginnende Bains-Kloof-Pass bildete daraufhin die Kulisse für die entscheidende Rennphase. Auf diesem Asphaltanstieg, an dem ein starker Wind blies, startete Centurion Vaude schon am Fuß einen Angriff – und der war entscheidend. Sie holten Cannondale ein, die mit einem technischen Defekt zu kämpfen hatten.

"Als Jaroslav Kulhavy Probleme bekam, übernahmen wir die Führung in der Verfolgergruppe" erläuterte Rohrbach, "auf Teer gaben wir dann Vollgas und kurz vor dem Pass hatten wir Cannondale eingeholt und konnten vorbei ziehen."

Fumic und Avancini verloren durch die Schwierigkeiten mit dem Material noch mehr Zeit und damit die Hoffnung auf das Gelbe Trikot. Der Investec Songo Specialized Express mit Lokomotivführer Kulhavy warf noch einmal alles in die Waagschale, Karl Platt und Urs Huber (Bulls) sowie Buff Scott MTB’s Francesc Carretero/Luis Pinto hingen hinten dran. Cannondale Factory Racing blieb am Ende der 5. Tagesplatz.

Karl Platt und Henrique Avancici im Ziel nach Etappe 4.

Der Etappensieg von Centurion Vaude war auch eine Ansage an die anderen Teams. "Wir wollten unbedingt gewinnen heute", so Geismayr. "Vor allem nach der gestrigen Enttäuschung. Unsere Mühen haben sich voll gelohnt, wir können noch mitmischen."

Bei aller Dramatik der Königsetappe blieb das Gesamtranking gleich: Investec Songo Specialized vor Cannondale Factory Racing, dann Canyon Topeak, Centurion Vaude und die immer stärker werdende Spanisch-portugiesische Kombi Buff Scott MTB.

Ergebnisse Etappe 4 Männer

1. Centurion Vaude 3-1 Nicola Rohrbach (SUI) 3-2 Daniel Geismayr (AUT) 4:26.22,6 Stunden
2. Investec Songo Specialized 2-1 Jaroslav Kulhavy (CZE) 2-2 Howard Grotts (USA) +17,9 Minuten
3. Buff Scott MTB 21-1 Francesc Guerra Carretero (ESP) 21-2 Luis Leao Pinto (POR) +19,5 Minuten

Absa Cape Epic 2018 – Gesamtwertung Männer nach Etappe 4

1. Investec Songo Specialized 17:47.25,3 Stunden
2. Cannondale Factory Racing +4.09,5 Minuten
3. Canyon Topeak +5.22,9 Minuten
4. Centurion Vaude +10.20,0 Minuten
6. KULU MANZI PROJECT +23.58,4 Minuten
7. BULLS 2 +26.43,5 Minuten
8. BULLS +29.34,2 Minuten

Die Top 10 Herren-Teams der vierten Etappe des Cape Epic 2018.

Zum Geburtstag: "Der härteste Tag auf dem Bike"

An ihrem Geburtstag machte sich die Dänin Annika Langvad selber das schönste Geschenk. Durch den Sieg mit Kate Courtney auf der, wie sie sagte, "super brutalen" Strecke blieben die Frauen nach Etappe 4 in Führung, der Abstand auf das zweite Frauenteam wuchs auf 32 Minuten.

Langvad und die Amerikanerin Courtney zogen wieder früh davon, im Ziel betrug der Abstand zu den Verfolgerinnen Mariske Strauss und Annie Last (Silverback-KMC) rund acht Minuten, Robyn de Groot und Sabine Spitz (Ascendis Health) folgten eine weitere Minute darauf.

Annika Langvad und Kate Courtney bauten auch auf Etappe vier ihren Vorsprung aus.

Trotz des großen Vorsprungs wollte die Marathon-Weltmeisterin Langvad noch nichts von einem Gesamtsieg wissen. "Es läuft zwar jeden Tag besser, aber wir wollen nichts beschwören, denn selbst eine kleine Panne kann großen Schaden anrichten", sagte Langvad im Ziel. "Es war ein hart erarbeitetes Geburtstagsgeschenk heute. Für mich war das heute der härteste Tag auf dem Bike, es war super brutal."

"Wir hörten von Githas Erkrankung am Start, und das ist wirklich sehr schade. Es ist nie schön, wenn die Konkurrenten wegen so etwas ausscheiden müssen, das wünscht man niemandem, es kann jedem passieren und es ist einfach nicht fair", solidarisierte sich Courtney mit ihrer Rennfahrer-Kollegin Githa Michiels.

Ganz schön steil: Mariske Strauss mit Annie Last (Silverback-KMC) und Sabine Spitz mit Robyn De Groot (Ascendis Health) im schweißtreibenden Anstieg.

Die enge Entscheidung im Frauenfeld liegt nun eher bei den Plätzen zwei und drei, denn diese liegen etwa neun Minuten auseinander. "Das wird morgen hart", meinte die Südafrikanerin Mariske Strauss, "aber zumindest können wir uns auf uns konzentrieren und müssen nicht auf andere um uns herum aufpassen. Wie wir letztes Jahr erlebten und was heute morgen mit Githa war, zeigt, dass immer etwas passieren kann. Also so gut wie möglich fahren und auf alles gefasst sein".

Ergebnisse Etappe 4 Frauen

1. Investec Songo Specialized 54-1 Annika Langvad (DEN) 54-2 Kate Courtney (USA) 5:04.32,7 Stunden
2. Silverback - KMC 51-1 Mariske Strauss (RSA) 51-2 Annie Last (ENG) +8.24,4 Minuten
3. Ascendis Health 52-1 Sabine Spitz (GER) 52-2 Robyn De Groot (RSA) +9.50,0 Minuten

Absa Cape Epic 2018 – Gesamtwertung Frauen nach Etappe 4

1. Investec Songo Specialized 20:34.11,7 Stunden
2. Silverback - KMC +32.35,6 Minuten
3. Ascendis Health +41.36,5 Minuten

Die Top 10 Frauen-Teams der vierten Etappe des Cape Epic 2018.

Mit Kabelbindern ins Ziel

In der Dimension Data Master-Kategorie schoben sich nach Pech der Führenden Massimo Debertolis und Ondrej Fojtik (Wilier Force 7C2) die Verfolger Bart Brentjens und Abraoo Azevedo (CST Sandd A, Eagle AAZ) nach vorne und sind nun im Blauen Leadertrikot. Beim Start lag der erste Bike-Olympiasieger Brentjens noch 18 Minuten hinter den Führenden. Debertolis und Fojtek erlitten eine Plattenserie, der Italiener kam mit dem Mantel mit Kabelbindern auf der Felge fixiert ins Ziel.

Bei den Grand Masters sicherten sich Udo Bölts und Rob Sim (Robert Daniel) mit einem Sieg ihre Gesamtführung, nachdem sie gestern wegen Defekten ebenfalls Zeit verloren hatten. Das deutsch-südafrikanische Team liegt 19 Minuten vor den Verfolgern Bucher/Gerber.

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