Cape Epic 2017: 4. Etappe

Doppelsieg für Scott-Sram – Defekte bei Spitz & Kulhavy

  • Thomas Roegner
 • Publiziert vor 4 Jahren

Das junge Backup-Team von Scott-Sram holt sich auf Etappe vier den Tagessieg vor Schurter/Stirnemann, die in der Gesamtwertung auf Rang zwei vorrücken. Sauser/Kulhavy bremst ein Reifendefekt aus.

Die letzten drei Tage des 14. Absa Cape Epic versprechen Dramatik pur: die Favoriten-Teams liegen in einem Zeitkorridor von nur 2:15 Minuten zusammen. Das bedeutet, dass auch bei den folgenden Distanzen von zwei Mal 80 und 100 Kilometern Sekunden entscheidend werden können. Heute auf der Transferetappe von Elandskloof nach Oak Valley hatten die jungen Wilden vom Team Scott-Sram Vollgas gegeben. Gemeinsam mit ihrem Top-Team Nino Schurter und Matthias Stirnemann rollten sie zweieinhalb Minuten vor den Gesamtführenden Manuel Fumic und Henrique Avancini (Cannondale Factory Racing) über die Linie. 4:10.00,3 Stunden hatten Andri Frischknecht (SUI) und Michiel Van der Heijden (NED) für die 112 Kilometer und 2150 Höhenmeter benötigt.

Da es in der Region Western Cape schon Monate nicht mehr richtig geregnet hat, sind die Pisten extrem trocken und sandig.

Flußüber- und Durchquerungen gehören beim Cape Epic täglich dazu.

Cadel Evans (vorne) und George Hincapie holten sich den Tagessieg auf der vierten Etappe. Im Gesamtklassement liegen sie derzeit auf Rang drei mit 9:22 Minuten Rückstand.

Drei Stopfen für Kulhavys Hinterreifen

Die Gesamtführenden Fumic/Avancini wurden Dritte, behielten mit dem Rückstand von 2:35 Minuten aber ihr gelbes Zebra-Leadertrikot. Zwar hatte man bei dieser längeren Etappe die Marathon-Spezialisten Christoph Sauser und Jaroslav Kulhavy (Investec-Songo-Specialized) vorne gesehen, doch ein Platten bremste das Team des fünffachen Cape Epic-Gewinners aus. Eine aufgeschlitzte Reifenflanke hinten ließ sich nicht abdichten, nach den ersten Flickversuchen verlor Kulhavys Reifen immer noch Luft und sie mussten einen dritten Stopfen in den Reifen drücken. So verrinnen wertvolle Sekunden und Minuten auf diesem achttägigen Rennen, die am Ende entscheidend sein könnten. „Wir wollten heute eigentlich angreifen und uns ins gelbe Trikot fahren“, stellte Sauser fest. „Etwas weniger Dramatik und eine beruhigende Führung unsererseits wäre mir in diesem Fall lieber“, meinte der Schweizer schmunzelnd.

„Wir haben nicht wirklich eine Taktik“, sagte Olympiasieger Nino Schurter im Ziel. „Wir wollten einfach Spaß haben auf der Etappe und heute lief es für beide Teams fantastisch. Der letzte Anstieg war wirklich brutal, dazu auch noch sehr sandig, aber anscheinend haben wir das am besten hingekriegt und konnten uns gemeinsam absetzen.“

Henrique Avancini (im gelben Trikot vorne) führt das Feld der Spitzenfahrer durch eine Bachdurchfahrt.

Nach ihrem Reifendefekt drückten Jaroslav Kulhavy und Christoph Sauser mächtig aufs Gas, um den Rückstand in Grenzen zu halten. Hinten hängen Leonardo Paez und Max Knox dran, die an der dritten Verpflegung sogar noch geführt hatten.

Glücklicherweise begann der fünfte Tag des Cape Epic 2017 für die strapazierten Mountainbiker mit leichter Bewölkung und einigen Graden niedrigerer Temperatur als in den Vortagen. Doch das das Renngeschehen bleibt hitzig, alle sind sich einig, dass ein extrem hohes Tempo gegangen wird.

Andri Frischknecht: Etappensieg statt Überleben

Etappensieger Andri Frischknecht, Schweizer U23-Meister und Sohn von MTB-Legende Thomas Frischknecht, überraschte sich selbst. "Bei 112 Kilometern Distanz wollten wir eigentlich nur überleben. Ein Etappensieg ist super. Zusammen mit Nino und Matthias vorne zu fahren, ist eine echte Motivation. Der sandige Anstieg war furchtbar, aber da merkten wir, dass wir womöglich ganz vorne im Ziel sein könnten.“

„Wir wollten hauptsächlich Susi und Jaro in Schach halten“, meinte ein zufriedener Manuel Fumic im Ziel. „Der Vorsprung zu Scott-Sram war nicht zu klein. Also galt es für uns, mitzuhalten und keine Zeit auf Investec-Songo-Specialized zu verlieren. Ein guter Tag für uns, bis Sonntag sind es noch drei lange Tage und wir wollten nicht alle Körner heute verschießen.“ Für den Zusammenprall mit einem Fotografen-Motorrad am Vortag hatte die UCI-Kommission nach einem offiziellen Protest des Cannondale Factory Racing Teams Fumic/Avancini eine Zeitgutschrift von 14 Sekunden erteilt. Fumic erlitt eine Prellung am Oberarm, fühlt sich aber fit. „Ich erhole mich schnell“, war sein Kommentar.

Hier rollt der Scott-Sram-Express mit Vollgas dem Ziel entgegen. Vorne macht Andri Frischknecht Tempo.

Die Ergebnisse der Top 15 Herren-Teams der vierten Etappe

Platt und Lakata fahren weiter hinterher

Zwar kommt Karl Platt von Bulls mit Schweizer Partner Urs Huber immer besser in Fahrt. Doch die ursprünglichen Favoriten sind auch nach einem 7. Etappenplatz mit 18:50 Minuten Rückstand „nur“ auf dem sechsten Gesamtrang. „Es wird besser“, meinte Platt, „aber das reicht hier natürlich nicht.“ Ähnlich geht es Topeak Ergons Alban Lakata. „Das Tempo, das hier von den Corss-Country-Fahrern vorgelegt wird, ist unglaublich,“ sagte der Österreicher, der ebenfalls in der Anfangsphase mit Formproblemen zu kämpfen hatte. Mit 25.:10 Minuten liegt er mit seinem tschechischen Partner Kristian Hynek auf dem achten Gesamtrang. Gut schlugen sich erneut Centurion Vaude 2 mit dem Schweizer Nicola Rohrbach und dem Österreicher Daniel Geismayr: Platz sechs heute und weiterhin Rang fünf der Gesamtwertung. Manuel Fumic hatte seine eigene Meinung, als er von Journalisten gefragt wurde, warum die Cross-Country-Spezialisten vorne liegen. „Tja, wir sind halt einfach die besseren Mountainbiker“, meinte Fumic mit einem Grinsen.

Grübelt, warum es nicht reicht, um mit den Top-Teams um den Sieg zu fahren: Marathon-Legende und fünffacher Cape Epic-Sieger Karl Platt.

Once more: Manuel Fumic und Henrique Avancini dürfen morgen einen weiteren Tag in den begehrten, gelben Jerseys fahren.

Reifenpanne bremst Sabine Spitz aus

Auch bei den Frauen wurde das Duell der Spitzenreiter von einer Reifenpanne beeinträchtigt. „Erst ein Cut überm Auge, heute ein Cut im Reifen“, meinte Sabine Spitz im Ziel. Dadurch musste das Team Ascendis Health die Gesamtführenden Esther Süss (SUI)/Jennie Stenerhag (SWE) ziehen lassen. 3:42 Minuten lagen in Oak Valley zwischen den führenden Frauenteams, dadurch stieg der Rückstand von Ascendis Health auf 12:41 Minuten an.

Die vier schnellsten Damen-Teams fuhren über weite Strecken der vierten Etappe zusammen.

Esther Süss (vorne) und Jennie Stenerhag auf dem Weg zu ihrem Etappensieg.

Sabine Spitz (links) und Robyn de Groot wollten eigentlich am letzten Anstieg attackieren, doch das verhinderte dann eine Reifenpanne von Spitz.

Adelheid Morath und Ariani Lüthi vom Team Spur – favorisiert ins Rennen gegangen, aber in den ersten Tagen mit schlechten Beinen kämpfend – können nun den Speed der Topfrauen einigermaßen halten. 7:37 Minuten später als die Siegerinnen waren sie als Vierte im Ziel. Doch der Gesamtrückstand von 50:48 Minuten lässt keine Chance mehr aufs Podium. Vor ihnen liegen Mariske Strauss (RSA) und Annie Last (GBR), die heute Dritte waren.

Cape Epic 2017, vierte Etappe: Das Ergebnis der Top 10 Damen-Team im Überblick.

Wieder nicht zu schlagen: Jenny Rissveds und Thomas Frischknecht dominieren die Mixed-Kategorie beim Cape Epic 2017.


Alle Ergebnisse und Kategorien des Cape Epic 2017 gibt's hier im Überblick.

  • Cape Epic 2017: Prolog
    Spitz und Fumic beim Prolog erfolgreich

    19.03.2017

  • Cape Epic 2017: 1. Etappe
    Fumic/Avancini weiter in Gelb – Spitz stürzt schwer

    20.03.2017

  • Cape Epic 2017: 2. Etappe
    Sprintsieg für Sauser/Kulhavy – Fumic weiter in Gelb

    21.03.2017

  • Cape Epic 2017: 3. Etappe
    Etappensieg für Spitz – Vorsprung von Fumic schwindet

    22.03.2017

  • Cape Epic 2017: 4. Etappe
    Doppelsieg für Scott-Sram – Defekte bei Spitz & Kulhavy

    23.03.2017

  • Cape Epic 2017: 5. Etappe
    Schurter/Stirnemann durch Tagessieg in Gelb

    24.03.2017

  • Cape Epic 2017: 6. Etappe
    Vorentscheidung durch Pannenpech?

    26.03.2017

  • Cape Epic 2017: Finale
    Scott-Sram mit Etappen- und Gesamtsieg – Spitz vorne

    27.03.2017

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