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Cape Epic 2016 Blog #8: Etappe 7

Im Kreise der Amabubesi

  • Robert Vogel
 • Publiziert vor 5 Jahren

Endlich – die letzte Etappe des Cape Epic 2016 war gekommen. Wie unser Hobby-Racer Robert Vogel seine sechste Teilnahme souverän nach Hause fuhr, schildert er in seinem letzten Blog-Beitrag.

Etappe 7: Boschendal – Meerendal (84 km/1200 hm)

Die letzte Etappe war gekommmen. Es ging nach Hause und das merkte man deutlich an der guten Laune der Biker. Es wurde mehr geredet und vor allem mehr gelacht. Liam und ich standen eine Startgruppe weiter vorne und wir vermissten unsere Kameraden, die wir in Gruppe E zurückgelassen hatten. Wir waren über die gesamte Cape Epic-Woche eine Familie geworden und erkannten uns an unseren Trikots, den Namen auf unseren Rückennummern, vom gegenseitigen Anfeueren bei steilen Anstiegen und der Gratulation in der "Recovery Zone" im Ziel.

Privatfoto Letzte Etappe: diesmal einen Startblock weiter vorne als sonst.

Die letzte Etappe ging los und wir preschten los. Das Tempo war von Anfang an hoch, jeder wollte nach Hause. Es ging über Farmwege auf und ab, bis wir auf dem Weingut Backsberg unseren ersten Anstieg erreichten. Das Tempo verlangsamte sich, aber trotzdem waren wir schneller als sonst.

Die Strecke von Boschendal nach Meerendal ist im Grunde flach. Es gibt in dieser Gegend, 30 km außerhalb Kapstadts, keine Berg- oder Hügelketten, die es zu überwinden gilt. Es gibt einzelne Hügel, die wir eventuell an deren Flanke umfahren würden. Nichts Erschreckendes mehr, das lag alles hinter uns.

Statt der großen Anstiege gab es aber die zermürbenden "Rolling Hills". Flachland-Terrain mit rollenden Anstiegen und das über 60 km. Dazu gab’s noch Wind von vorne. Wir suchten den Schutz in der Gruppe, aber die Gruppen fielen an den Waterpoints auseinander und wenn man Pech hatte, war man alleine unterwegs.

Privatfoto Noch ein Kilometer bis ins Ziel

Nach Waterpoint 2 hatte ich den Sprung zu einer Gruppe verpasst und konnte auch mit Liams Hilfe die Lücke nicht schließen. Liam fuhr – wie üblich – sein eigenes Tempo und war ein Stück vor mir, als ich mich wieder mal an einem langen, stetigen Anstieg abmühte. Der Untergrund war sandig, der Wind wehte mir ins Gesicht und mein Hintern tat mir zum ersten Mal richtig weh. Meine Stimmung hatte ihren Tiefpunkt erreicht. Ich hatte die Schnauze voll und wollte endlich das Ziel sehen.

Der Dorsberg trennte uns vom Ziel in Meerendal. Er lag direkt vor uns und ich war mir ziemlich sicher, dass wir dieselbe Route wie im Vorjahr nehmen würden. Das war damals ein langer, steiler Anstieg bis ganz nach oben auf den Dorsberg. Von dort ging es nur noch bergab bis über die Ziellinie.

Heute verliefen die letzten Kilometer anders. Höhenmeter sollten es bei dieser Etappe eigentlich laut Höhenprofil nur 1200 sein. Aber an dieser Stelle, also auf der anderen Seite des Berges, zeigte mein Garmin bereits 1100 Höhenmeter an!

Wir verließen den Farmweg, folgten kurz einer Teerstraße und bogen rechts auf den nächsten Farmweg ein. Von hier ging es den Berg hoch. Kurze Zeit später fanden wir uns auf der Prolog-Strecke wieder und nun wusste ich, wo wir waren, was noch vor mir lag und wie weit es bis ins Ziel war.

Ein steiler Anstieg zwischen den Weinreben, kurz bergab über einen trockenen Bach und ein Serpentinenanstieg, der eine Woche zuvor voll mit Zuschauern war. Dann ging's endlich bergab! Über eine Serie von Anliegern, über eine Gerüstbrücke und einmal um das "Epic Dorf". Eine letzte Kurve und die Ziellinie lag vor uns.

Privatfoto Geschafft! Endlich im Ziel

Geschafft! Cape Epic Nr. 3 für Liam und Nr. 6 für mich. Letztes Jahr bin ich im Ziel mit Tränen in dne Augen zusammengebrochen, weil ich sechs Tage ohne Partner unterwegs war. Dieses Mal war es "nur" ein Gefühl der Erleichterung, dass das Rennen endlich vorbei ist.

Privatfoto Epic Finishers: Liam (rechts) und ich.

Wir warteten in der Reihe, bis wir auf dem Podium unsere Medaille überreicht bekamen. Freunde, meine Eltern, meine Frau und meine Tochter standen hinter der Absperrung, winkten und fotografierten. Hinter dem Podium gibt es den "Amabubesi"-Bereich. Wer drei oder mehr Cape Epic-Rennen gefinisht hat, bekommt hier eine zusätzliche Medaille, ein Fotoshooting und ein exklusives T-Shirt. Ich holte meine Tochter zu mir für das Foto.

Privatfoto Ein Selfie mit den Bulls-Jungs Tim Böhme und Simon Stiebjahn.

Danach gibt es für jeden Cape Epic-Teilnehmer eine Kühltasche, gefüllt mit leckerem Essen: Käseplatte, Humus, Gemüse, Brötchen, Artischockenherzen,Schokoladenmousse, Obstsalat und anderen Kleinigkeiten. Ich sage immer: Die Kühltasche ist der wahre Grund, warum ich am Cape Epic teilnehme.

Privatfoto Zeit für eine Dusche

Wenn ein Team die angesetzte "Cut-Off"-Zeit bei einer Etappe nicht schafft, wird ihnen die weiße Startnummer vom Lenker genommen und druch eine blaue Nummer ersetzt. Sobald man dieses "Blue Board" bekommt, darf man zwar weiterfahren, ist aber kein "Official Finisher" mehr. Man bekommt keine Medaille, keine Anerkennung und darf das Podium nicht betreten. Man verlässt das Cape Epic durch den Hinterausgang. Es ist, als wäre man nie dabei gewesen.


Grüße aus Kapstadt,
Robert

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