Cape Epic 2016 Blog #5: Etappe 3

Vom Ziel in die Klinik an den Tropf

  • Robert Vogel
 • Publiziert vor 5 Jahren

Dritte Etappe: Warum Cape Epic-Teilnehmer Robert Vogel nicht durch die Nase atmen kann, ihm übel wurde und ihm der "Slow Poison“-Trail den Rest gab, lest Ihr hier in seinem Blog.

Etappe 3: Saronsberg (Tulbagh) – Wellington (103 km, 2100 hm)

Der Körper und die Beine hatten sich von der gestrigen Etappe relativ gut erholt und ich war mir sicher, dass heute zwar schwer wird, ich die Etappe aber gut überstehen würde. Es ging um 7:30 Uhr los und die ersten 17 km waren "freie Kilometer", weil es über die Teerstraße (und etwas Schotterpiste) auf die andere Talseite ging, wo uns der erste Anstieg erwartete.

Das Streckenprofil der vierten Etappe auf dem Oberrohr meines Cannondale Scalpel.

Wieder ging es über loses Geröll den Berg hoch. Immer wieder musste man die Richtung ändern, um den griffigsten Untergrund zu finden. Trotzdem rutschte das Vorderrad öfter weg und das Hinterrad war am Durchdrehen. Das schlaucht ganz schön, wenn man andauernd den Oberkörper hin und her bewegt, um die Balance zu halten. Der Ehrgeiz verlangt, dass man so lange fährt, bis es wirklich nicht mehr geht, aber das frisst auch die Energiereserven auf.


Oben angekommen, ging es kurz bergab – wie immer – über lose Steine und verlangte eine kompetente Technik.
Waterpoint 1 war erreicht und wie jeden Tag, griff ich mir einige Stücke Wassermelone. Die Kombination von süß und Wasser war bei der Hitze genau das richtige. Auf Riegel habe ich keine Lust, weil ich keine Lust auf ewiges Kauen habe und beim Fahren sowieso nicht durch die Nase atmen kann.

Weiter ging’s mit frischem Gegenwind durch große Sandfelder, bei denen man öfters absteigen und schieben musste. Immer wieder zehrte das ein bisschen mehr an den Kraftreserven. Am Ende des Tals angekommen (wir waren ja vorhin hochgefahren, aber noch nicht runtergekommen) ging es über eine sandige, löchrige und felsige Piste nach unten. Nicht zu steil, aber immer wieder gab es Abschnitte, die nicht alle meistern konnten und es hieß entweder absteigen und mitlaufen oder umfahren. Ich entschied mich für Letzteres, denn ich hatte noch Lust drauf und traute es mir zu.

Bis dahin war alles OK. Es ging bergab und wir überquerten den Oberlauf des "Breede River". Als wir beim Cape Epic 2013 die gleiche Route gefahren sind, musste man den Fluss durchlaufen und das Rad überm Kopf halten. Heute konnten wir durchrollen. Die Kapprovinz befindet sich zur Zeit in einer Dürreperiode und das sieht man vor allem auf den Farmen, die wir queren. Die Reservoirs sind fast leer und viele Bäche sind trocken. Und wir merken das natürlich auch als Mountainbiker. Es ist heiß und man versucht so viel Flüssigkeit aufzunehmen, wie es nur geht. Manchmal klappt das nicht so gut.

Während der Etappe: noch ist alles in Ordnung.

Kurz vor Waterpoint 2 gab es noch einen kleinen Berg zu überwinden und als ich im leichtesten Gang versuchte, bis oben zu fahren, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Die Beine verloren, wie am Montag, die Kraft. Sie wurde mir förmlich aus den Beinen gesaugt. Ich füllte meine Flaschen nach, gab Pulver dazu, konnte mich aber nicht dazu bringen, es zu trinken. Dieser süße Geschmack war mittlerweile zu viel für mich, ich wollte nur noch Wasser. Jedes Mal, wenn ich ein paar Schlücke nahm, wurde mir übel. Ich habe mich nicht übergeben müssen, aber angenehm war das nicht.

Es waren noch 50 km bis zum Ziel und die fühlten sich an wie eine Ewigkeit. Nach dem Wasserstopp ging es auf Asphalt über den "Bain’s Kloof Pass", wieder über die Berge Richtung Wellington. Ich trat ganz langsam in die Pedale, hatte einfach keine Kraft mich einer Gruppe anzuschließen. Meinem Partner blieb nichts anderes übrig, als in meiner Nähe zu bleiben, obwohl er noch genug Kraft in den Beinen hatte.

Als wir den "Bain’s Kloof" auf der anderen Seite runterfuhren war Wellington schon in Sicht, aber die Route bog scharf links ab in die "Welvanpas"-Trails. Normalerweise, immer einen Samstagsausflug wert, aber heute verfluchte ich die Trails. Es ging bis nach ganz oben zum "Full Monty" und wenn man total ausgepowert ist, machen die Singletrail-bfahrten keinen Spaß mehr. Es ging auch über einige Trails nach oben, der eine heißt "Slow Poison" und genau so war mir auch zumute! Ich wollte mich nur in den Schatten setzen und nicht mehr in die Pedale treten.

Mein Partner Liam (rechts) und ich im Ziel. Wenig später brauchte ich eine Infusion.

Nach Waterpoint 3, der nach 80 km kam, ging es nochmals in der brennenden Hitze einen größeren Hügel hoch. Ich konnte nicht mehr und musste in regelmäßigen Abständen vom Bike, um mich auszuruhen. Endlich war der "Last Climb" erreicht und es ging mehr oder weniger bergab. Die letzten drei Kilometer waren flach und ich musste bis ins Ziel in die Pedale treten. Ich konnte kaum sprechen, war total am Ende. Eine Schokoladenmilch im Ziel ging noch, aber mehr nicht. Meine Frau und Tochter waren aus Kapstadt nach Wellington gekommen, um mich zu begrüßen. Für mich ging es stattdessen direkt in die Mediclinic an einen Tropf.

Völlig fertig: am Tropf im Medizinzelt nach der vierten Etappe.

So ein Zusammenbruch ist mir noch nie passiert, die Infusion hat aber gut gewirkt und es geht mir den Umständen entsprechend gut. Vor der Etappe morgen muss ich mir zur Blutabnahme melden, dann sagt man mir, ob ich weiterfahren darf oder nicht. Der Kopf drängt zu einem „Nein“, der Ehrgeiz sagt „Ja“.


Bis morgen,
Robert

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