Cape Epic 2016 Blog #4: Etappe 2

Kampf gegen die Hitze

  • Robert Vogel
 • Publiziert vor 5 Jahren

Bei Temperaturen weit über 30 Grad standen für unseren Blogger Robert Vogel auf der zweiten Etappe erneut 93 Kilometer an. Er berichtet vom gebrochenen Kugellager bis zum Grund, endlich abzusteigen.

Vor dem Start am Morgen.

Etappe 2: Saronsberg – Saronsberg (93 km, 2200 hm)

Schon wieder waren die in der Etappenbeschreibung angegebenen Kilometer falsch! Man stellt sich auf 93 km ein und rechnet im Laufe der Etappe hin und her. Man will ja wissen, wann es wieder den Berg hinuntergeht und wann die Höhenmeter zu Ende sind.

Der Ort Tulbagh ist an drei Seiten von Bergen umgeben. Es sind keine Hügel, es sind richtige Berge und den einen mussten wir heute überqueren. Nach knapp 10 km waren wir am Fuß des Berges angekommen und es ging über einen alten Pioniersweg (damals machten die das mit Ochsenwagen!) nach oben. 800 Höhenmeter galt es zu überwinden, um ins nächste Tal zu gelangen.

Anfangs konnten wir noch fahren, aber bei der ersten Steinstufe steigt einer ab und es gehen alle zu Fuß. So ging es dann über die nächsten 90 Minuten nach oben: mal fahren, mal schieben. Bei 1200 Teilnehmern hat man auf technischem Terrain nicht immer freie Fahrt und muss akzeptieren, dass man ab und zu an Stellen absteigen muss, wo man selber noch hätte fahren können.

In Reih und Glied schieben.

Endlich oben angekommen ging es über eine steinige Piste zum Talboden und Waterpoint 1. Bis hierher, waren wir knapp 20 km von 93 km gefahren und ich sagte mir, dass wir um die 50 km hier oben herumeiern würden, bevor es wieder über die gleiche Piste den Berg hinunter nach Saronsberg gehen würde.

Es war schon um halb zehn Uhr und die Sonne brannte uns in den Nacken. Die Route führte uns zur anderen Talseite und neuen Singletrails, die für ein anderes Etappenrennen (Tankwa Trek) gebaut wurden. Es ging um große Felsen und durch kurze Waldstücke, die für kurze Zeit Schatten spendeten. Mein Hinterrad machte komische Geräusche, wie wenn der Reifen am Rahmen scheuert. Dem war aber nicht so. Wir erreichten Waterpoint 2 und ich hielt an der Tech Zone, um zu sehen was los war. Ein Kugellager in der Radnabe war kaputt, aber leider hatte der deutsche Mechaniker keinen Ersatz dabei. So hieß es weiterfahren und hoffen, dass die Nabe bis ins Ziel hält.

Das atemberaubende Panorama versüßt die Leides des Aufstiegs.

Es ging gleich wieder in die Berge und der Weg schlängelte sich um und über Felsen. Normal – mit etwas Geschick und alleine – gut zu fahren, aber einige Cape Epic-Teilnehmer haben es nicht so mit der Fahrtechnik. Man bleibt aber immer schön freundlich, denn wir leiden alle zusammen und man weiß ja nie, wann man auf fremde Hilfe angewiesen ist. Manchmal ist man auch insgeheim froh, wenn es einen Grund zum Absteigen gibt.

In dem Tal, wo wir uns heute die meiste Zeit aufhielten, wird Obst angebaut (Äpfel und Birnen). Nach dem steinigen Singletrail ging die Strecke immer wieder mal an den Äpfelbäumen entlang. Wieder ein bisschen Schatten, der jetzt echt nötig war.

Schon gezeichnet: am dritten Waterpoint.

Waterpoint 3 kam nach 60 km und ich kippte mir eine Kanne eiskaltes Wasser über den Kopf. Von hier waren es 13 km den Berg hoch bis zu der Stelle, wo wir den Berg heute morgen überquert hatten. Es waren 13 harte Kilometer! Anfangs im Schatten eines Nadelwaldes. Aber als der aufhörte, gab es Wind von vorne und die Piste zeigte steil nach oben. Es war steinig und rutschig, man musste die Linie halten, sonst rutschte man weg. Meine Nabe machte an den steilsten Stücken komische Geräusche und ich schob vorsichtshalber. Als wir den Bergkamm endlich erreicht hatten, dachte ich, es geht jetzt bis zum "Wagon Trail” leicht bergab. Natürlich nicht! Wir sind hier beim Cape Epic und ein paar kurze, scharfe Anstiege kamen noch. Mit Sand, damit die Beine nochmal eine Gelegenheit zum Verkrampfen hatten. Zum Glück blieb ich heute von Krämpfen verschont. Meine Herzfrequenz kommt schon gar nicht mehr über 150 Schläge.

Die Abfahrt ins Tulbagh-Tal kam endlich in Sicht und nun hieß es: Lenker festhalten und Nase nach unten. Letzte Woche Mittwoch bin ich nochmal gestürtzt und habe mir die linke Hand verletzt. Sie ist noch ziemlich geschwollen und meine zwei Außenfinger können den Lenker nicht so gut umklammern. Aber egal, mein Partner war vor mir und es hieß: An ihm dranbleiben!

Der alte Wagenweg ist nicht präpariert. Es liegen überall größere Steine und in machen Kurven Sand und dann kommen da noch Steinstufen und steile Serpentinen mit viel Geröll. Man musste gut achtgeben und schnell reagieren können. Ich hab mal kurz einen Blick auf meinen Garmin gewagt und er zeigte 30 km/h. Das hört sich für manche nicht so schnell an, aber bei dem Untergrund – für mich nicht schlecht.

Unten angekommen ging es über Farmwege Richtung Ziel. Wie gesagt, anstatt angesagten 93 km, waren es fast 96 km. Als die geschafft waren, ging es wieder in die "Woolworths Rider Zone”, wo ich erstmal drei Flaschen Schokomilch getrunken habe. Gestern waren es knapp über 4000 Kalorien, die ich aufgebraucht habe, heute bestimmt nicht viel weniger.

Morgen verlassen wir Tulbagh und fahren bis nach Wellington. Mit dem Auto eine knappe Stunde, mit dem Mountainbike eher wieder sieben Stunden.


Bis morgen,
Robert

Nach drei Schokomilch sieht die Welt schon wieder etwas freundlicher aus.

Themen: BlogCape EpicEtappenrennenSüdafrikaTagebuch


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