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Cape Epic: Am Sonntag geht's los! [Vorschau]

  • Robert Vogel
 • Publiziert vor 5 Jahren

Mitte März startet das legendäre Cape-Epic-Rennen in Südafrika. 647 Kilometer und 14950 Höhenmeter müssen die Starter insgesamt zurücklegen. Teilnehmer Robert Vogel berichtet in seinem Blog für uns.

Manche bezeichnen das Cape Epic als Tour de France der Mountainbiker. Medial gesehen ist das Etappenrennen kaum zu toppen. Über kaum ein anderes Mountainbike-Rennen wird weltweit so viel berichtet. Auch dieses Jahr müssen die Profi-Teams und Hobby-Biker neben Schmackes in den Waden auch Taktik und strategisches Können beweisen, um bei der 13. Auflage eine gute Figur zu machen. Für unseren BIKE-Blog berichtet vom 13.-20. März Robert Vogel täglich vom Rennen und schildert, was eine Hobby-Fahrer beim Cape Epic erlebt.


Hier sein erster Blog-Eintrag mit einer Vorstellung und seiner Vorbereitung auf das Cape Epic 2016:

Ich bin 46 Jahre alt und lebe seit 45 Jahren in Kapstadt. Meine Eltern sind damals von Berlin nach Südafrika ausgewandert als ich ein Jahr alt war. Bis 2006 war ich passionierter Golfer. Als unsere Tochter geboren wurde, habe ich eine längere Pause eingelegt und irgendwann fing ich mit dem Mountainbiken an. Im April 2010 habe ich mir das Cape Pioneer Trek zum Ziel gesetzt, das war dann das erste MTB-Etappenrennen meines Lebens. Ohne viel Planung habe ich mich da reingestürzt und nach sechs Tagen das Ziel erreicht. Während des Rennens habe ich einen Biker kennengelernt, der mich gefragt hat,ob ich mit ihm als Team am Cape Epic 2011 starten möchte. So hat das mit den Mehrtagesrennen bei mir angefangen.

Privatfoto Das bin ich: Robert Vogel, 46 Jahre, geboren in Deutschland aber ich lebe seit 45 Jahren in Kapstadt.

Wollte eigentlich 2015 damit aufhören

2016 wird mein sechstes Cape Epic in Folge sein. Letztes Jahr musste meine Partnerin während der zweiten Etappe wegen eines schweren Asthma-Anfalls aufgeben und ich war alleine unterwegs. Ich habe 2013, 2014 und 2015 im Mixed-Team am Cape Epic teilgenommen. 2014 sind wir Neunte in der Mixed-Kategorie geworden und auf dem 170. Platz gesamt gelandet.

Eigentlich wollte ich nach dem Cape Epic 2015 aufhören – fünf Mal in Folge reicht! Aber irgendwann setzte das FOMO (“Fear Of Missing Out”) ein und ich musste einfach wieder dabei sein. Mit ein wenig Glück und viel Betteln habe ich ein paar Sponsoren auftreiben können, die meinen Partner und mich beim Startgeld unterstützen.

Privatfoto Auf einer meiner Bike-Runden rund um Kapstadt.

Jetzt musste noch ein Startplatz her, denn die wurden schon im Juni 2015 vergeben. Im Januar habe ich einen der raren Startplätze finden können, aber dann bin ich ganz unglücklich mit meinem Cyclocross-Bike gestürzt und habe mir das Handgelenk gebrochen! Zum Glück gab der Arzt grünes Licht und sagte, dass dass Gelenk rechtzeitig verheilen würde bis zum Cape Epic. Somit trainierte ich einige Wochen mit einem Gipsarm, anfangs auf dem Ergometer und seit vier Wochen wieder auf meinem Mountainbike.

Mit einem stärkeren Partner Spaß haben?

Der Gips kam dann Ende Februar ab (ist eigentlich Glasfaser mit Gore Tex) und dann blieb nicht mehr viel Zeit bis zum Start am Sonntag, den 21. März. Mein Partner trainiert ungehindert weiter und ist sowieso stärker als ich. Wir kommen aber gut miteinander klar und die Top 100-Plazierung, die wir uns als Ziel gesetzt hatten, wird es wohl nicht werden. Das macht aber nichts. Das Zweitziel ist nämlich “Spaß haben“, denn Spaß und Cape Epic passen eigentlich nicht gut zusammen. Sich acht Tage über Stock und Stein zu schinden, werden nur wenige Leute – nur hartgesottene Mountainbiker nämlich – als "Spaß” bezeichnen. Wenn man aber als Team miteinander gut auskommt, dann kommen einem die täglichen Torturen etwas einfacher vor. Bei 600 Teams ist man kaum alleine und nach einer anfänglichen “Starteuphorie“ pendelt sich das Rennen langsam ein. Und nach 2-3 Tagen bildet sich eine temporäre Freundschaft mit den Teams, die man täglich um sich hat.

Privatfoto Ein Bild von meinem damaligen Partner und mir (links) aus alten Cape Epic-Zeiten.

Normalerweise fange ich Mitte Dezember mit dem Cape Epic-Training an, aber dieses Mal war alles anders durch die Verletzung. Ich bin zwar relativ fit, stehe aber nicht so im Saft wie 2014 oder 2015. Ich werde mich wohl mehr auf meine Erfahrung verlassen müssen. Ich bin ein alter Dieselmotor und komme ziemlich langsam in Schwung. Der Prolog ist für mich ein Horror. "Short & sharp”, wie man bei uns sagt, ist für mich nichts. Nach vier Etappen wache ich auf. Die Beine schmerzen, aber der Kopf hat sich daran gewöhnt. Die Herzfrequenz kommt nicht mehr über 150 Schläge, ein klares Zeichen, dass mein Körper müde ist. Die Beine treten aber immer artig weiter und irgendwie schafft man es immer noch, Teams zu überholen. Viele dieser Teams fahren eigentlich rückwärts, weil sie die ersten zwei Tage wie der Teufel gefahren sind und sich das dann rächt. Vor zwei Jahren beispielsweise haben meine Partnerin und ich an einem Tag 50 Plätze gutgemacht! Wir hatten einen starken Tag, aber viele Teams waren einfach kaputt. Wir haben die meisten Teams nach diesem Tag nicht wieder gesehen.

Den Tafelberg vor der Haustür, Top-Trails drum herum

Ich wohne in Kapstadt, direkt über der Innenstadt. Ich fahre von meiner Haustür los und bin in weniger als zehn Minuten auf den Trails am Hang des Tafelbergs. Hier trainiere ich meistens mit fantastischen Ausblicken. Wenn es mal eine längere Traininigseinheit sein muss, haben wir eine Strecke um den Tafelberg herum, teils auf der Straße und teils auf Trails, etwa 50 Kilometer lang. Wenn es eine noch längere Strecke sein muss, können wir weiter in Richtung Kap der Guten Hoffnung radeln.

Privatfoto Auf einer meiner Trainingsrunden in einem Lebensmittel-Shop.

In einem Radius von einer Autostunde von zuhause habe ich eine tolle Auswahl an Trails – von Tygerberg und Welvanpas bis ins Elgin Valley, wo es die Oak Valley, Lebanon, Paul Cluver und Grabouw Country Club Trails gibt.

Das beste Moment des Cape Epic kommt dann hoffentlich am 20. März, wenn wir die Ziellinie in Meerendal überqueren. Das Erfolgserlebnis nach dem fünften Cape Epic war genauso stark wie nach meinem ersten Cape Epic im Jahr 2011. 2016 wird es bestimmt nicht anders. Das Gefühl mit einem guten Freund zu teilen ist einfach fantastisch.

Doch davor berichte ich natürlich täglich auf der BIKE-Website von den Höhen und Tiefen auf dem Weg nach Meerendal.


Liebe Grüße aus Kapstadt,
Robert

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