Odyssee durch Nordgriechenland Odyssee durch Nordgriechenland Odyssee durch Nordgriechenland

Bike Odyssey: Etappenrennen in Griechenland

Odyssee durch Nordgriechenland

  • Adrian Kaether
  • Igor Schifris
  • Shlomi Deutch
 • Publiziert vor 5 Jahren

Die Bike Odyssey soll mit 600 Kilometern und 25000 Höhenmetern die härteste MTB-Herausforderung Griechenlands sein. Ein israelisches Team war am Start und berichtet.

Zehn lange Jahre irrte der Grieche Odysseus nach der Einnahme Trojas über das Mittelmeer. Während die meisten Eroberer der Stadt ungeschoren davonkommen, wird Odysseus, der das Ende des Krieges um Troja mit der Idee des trojanischen Pferdes erst möglich machte, von den Göttern für die frevelhafte Abschlachtung der Trojaner bestraft. Hunger und Durst muss er erdulden, elf seiner zwölf Schiffe werden von Riesen versenkt, nach und nach fällt auch die gesamte Crew seines letzten Schiffes dem Wahnsinn zum Opfer, wird von Monstern, Menschenfressern oder Zyklopen verspeist, bis auch noch der klägliche Rest in einem Sturm sein Ende findet. Allein Odysseus selbst kann sich retten und erreicht die Heimat Ithaka nach 20 Jahren der Abwesenheit als alter Mann.

Odyssee: ein guter Name für ein Etappenrennen?

Igor Schifris Straßensperre: Schafe im Weg


Sein Leiden, von dem in Homers Odyssee berichtet wird, ist sprichwörtlich geworden. Eine Reise voller Strapazen und Entbehrungen und Irrwege nennt man seither Odyssee. „Odyssee – ein guter Name für ein Etappenrennen", dachte sich deswegen vielleicht auch Chris Makrygiannis, genannt Christo, der Organisator und Frontmann der Bike Odyssey.


Das Rennen, das seit 2015 im nordgriechischen Pindos-Gebirge ausgetragen wird, ist kein Cape-Epic und keine BIKE Transalp. Nur 15 Teams mit je zwei Fahrern kämpften sich 2016 über die gesamte Distanz von acht Etappen mit insgesamt 600 Kilometern und rund 25000 Höhenmetern. Dafür kennt jeder jeden und die Teams, die alle Etappen fahren wollen, halten zusammen wie Pech und Schwefel. Bei 30 Fahrern pro Etappe bleibt es trotzdem nicht, denn man kann die Bike Odyssey auch als Event mit nur drei Etappen fahren, oder auch an einzelnen Etappen wie an einem Marathon teilnehmen. So stieg die Teilnehmerzahl für manche Etappen in diesem Jahr bis auf etwa 100.


Die Nationalitäten der Teams sind bunt gemischt. Viele Griechen, einige Schotten, Franzosen, Engländer, Dänen. Sogar ein Team aus Trinidad hatte im vergangenen Jahr die Reise auf sich genommen. Die Asketen können sich mit der Unterbringung in Turnhallen die ganze Portion Etappenrenn-Feeling geben, für einen Aufpreis bietet der Veranstalter aber auch Übernachtungen in den umliegenden Hotels an. So können sich die Teams wenigstens nachts ein bisschen erholen, bevor am nächsten Tag die Strapazen wieder von Neuem beginnen. Mit dabei war in diesem Juni auch ein israelisches Duo, bestehend aus Iosi und Shlomi alias „The good guys“, die mit breit bereiften Norco-Fullys mit klobigen Pedalen einen ungewöhnlichen Anblick zwischen den vielen Carbon-Hardtails boten. Hier ihr Bericht:

„The good“ – Shlomi und Iosi aus Israel bei der Bike Odyssey

Igor Schifris Die Fullys von Shlomi und Iosi sind bei der Bike-Odyssey eher die Ausnahme.


„Irgendwo in Nordgriechenland am Nachmittag des 18. Juni 2016. Unser vollgestopfter Reisebus mit seinem Fahrradanhänger rollt über eine endlose Serpentinenstraße im nördlichen Pindos-Gebirge, fast schon in Mazedonien. Früh sind wir von Athen aus gestartet. Aber erst jetzt, nach fast einem ganzen Tag im Bus, erreichen wir das Dorf Smixi, unser Ziel und am morgigen Tag Schauplatz des Prologs sowie der ersten Etappe am Tag darauf. Fahrer und Räder werden ausgeladen und in den örtlichen Hotels untergebracht. Hier, im absoluten Niemandsland, soll ab morgen die härteste Mountainbike-Herausforderung Griechenlands ihren Anfang nehmen. Wir sind gespannt!

Bike Odyssey 2016

22 Bilder


Vielleicht ganz kurz zu uns: Wir, das sind mein Bikekumpel Iosi und ich, Shlomi. Wir kommen aus Modi’in, einer Stadt, etwa auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Tel-Aviv. Das milde Klima unserer Heimat erlaubt es uns, das ganze Jahr über zu trainieren, doch unsere Hitzeresistenz ist trotzdem nicht gerade berauschend, wie sich später noch herausstellen sollte. Etwa fünf Mal die Woche gehen wir zusammen biken, häufig für etwa 2-3 Stunden. Da im Sommer die Temperaturen häufig unerträglich sind, weichen wir mit den Bikes lieber in die frühen Morgenstunden aus. Frühstück, Biken, Büro – das ist unsere Routine. Aber wir bleiben nicht immer in unserem Heimatland. Regelmäßig, meistens einmal pro Jahr, schweifen wir in die Ferne und fahren ein Etappenrennen. Für uns der ideale Weg, Mountainbiken, körperliche und mentale Herausforderung und Fernweh miteinander zu verknüpfen. Grundlegend gilt dabei immer: Je exotischer, desto besser.

Igor Schifris Am Ende der zweiten Etappe galt es auch einen Fluss zu durchqueren.


Dieses Jahr fiel die Wahl auf Griechenland. Das Rennen mit nur wenigen Teams sprach uns an, auch vom Pindos, dem Zentralgebirgsmassiv Griechenlands, hatten wir nur Gutes gehört. Viel Natur, wenig Zivilisation, eine der letzten Gegenden Europas, wo das Leben noch in ganz ursprünglichen Bahnen verläuft. Pittoreske, kleine Bergdörfer, zurückgezogene Einwohner, wenig Fremde und Touristen. Genau unser Ding also. Unbarmherzige Hitze und ein Höhenprofil ohne Verschnaufspausen.


Schon nach dem Prolog und der ersten Etappe hatten wir unser Tempo gefunden. Mit zwei weiteren, griechischen Teams bildeten wir eine konstante Gruppe und konnten so die Führungsarbeit immer gut verteilen und das Tempo konstant halten. Ich weiß nicht, ob wir sonst die Strapazen der ersten Tage überstanden hätten. Vor allem gegen Ende der Etappen mussten wir meistens ziemlich kämpfen. Lange Stunden im Sattel hatten uns zermürbt, die Berge hatten unsere Reserven vollständig aufgesaugt, die unbarmherzige Junihitze in Kombination mit heftigen Wetterlaunen wie starkem Regen oder Wind setzten uns zu. Genug zu trinken war beinahe unmöglich. So mischte sich auch nach und nach der Durst noch ein, der Körper forderte seinen Tribut.

Igor Schifris Über das Panorama konnte sich niemand beschweren.

Doch das alles schweißte uns nur noch mehr zusammen. Als in den letzten Tagen die Teilnehmerzahlen wegen der Ein- und Dreitagesstarter deutlich stiegen, empfanden wir uns bereits als erfahrene Veteranen. Wir wussten einfach, zusammen werden wir das schon schaffen. Die Freundschaft mit Iosi erwies sich auch hier als echter Segen. 16 Jahre kennen wir uns schon, seit 16 Jahren biken wir bereits zusammen. Unsere große Erfahrung kam uns zugute, schließlich sind wir schon 56 beziehungsweise 60 Jahre jung. Da ist absolut klar, dass man sich zu 100 Prozent auf den anderen verlassen kann. Und wenn die Zeit einmal lang wurde, konnten wir uns mit tiefgründigen Themen etwas von den Strapazen ablenken.


Denn an Strapazen bestand wirklich kein Mangel. Was vor allem am Streckenprofil lag, das wie das Wetter nur schwarz und weiß zu kennen schien, keine Graustufen. Entweder es ging steil bergauf oder so lange auf technischen Trails und Wegen bergab, dass einem die Arme und Hände vor Anstrengung zitterten. Verschnaufpausen? Fehlanzeige! Es war einfach nie easy und flach und das bei Etappen mit um die 100 Kilometern und mehr als 3500 Höhenmetern.

Shlomi muss einen Tag aussetzen

Igor Schifris Allein der Anblick der Rampe im Hintergrund treibt das Laktat in die Oberschenkel.


Nach der Königsetappe, der Etappe Nummer drei, die wir komplett in glühender Hitze abspulen mussten, war ich so fertig, dass ich den nächsten Tag auf ärztlichen Rat hin pausieren musste. Mit Sonnenstich und Dehydrierung ist bei einem Etappenrennen eben nicht zu spaßen. Doch meine Zwangspause erwies sich im Nachhinein als echter Segen. Nach nur einem Tag war ich wieder vollkommen regeneriert und konnte außerdem wie ein außenstehender Tourist das Rennen beobachten. Sonst wäre mir nie aufgefallen, welcher Aufwand hinter einem solchen Event steckt und wie hart vor allem die Mechaniker arbeiten, die vor dem Start und nach dem Finish pausenlos an den Radständern stehen, damit Fahrwerk, Bremsen und Schaltung ihren Fahrer nicht nach der Hälfte der nächsten Etappe im Stich lassen.


Am Ende, als wir nach den unzähligen Strapazen im Hoch- und Mittelgebirge im strahlenden Sonnenschein durch die Straßen von Nafraktos zum Finish rollten und in den Bike-Hosen im warmen Mittelmeer tanzten, waren wir alle vom Glück erfasst. Sämtliche Strapazen waren vergessen und die ersten Pläne für das nächste Etappenrennen wurden bereits wieder diskutiert.


Abends, fast 23 Uhr am 26. Juni 2016 in der Athener Vorstadt Gerakas. Wieder ein voller Reisebus mit einem Fahrradanhänger, Rücktransfer zum ursprünglichen Start unserer Reise. Die Räder und die Taschen werden in die Autos umgelagert oder zu den Nachbarhotels getragen. Wir verabschieden uns von den Teams und wünschen jedem eine gute Heimreise. Und vielleicht trifft man sich ja bald wieder. Bei der nächsten Etappen-Odyssee.“

Termin der Bike Odyssey 2017: 18.-25. Juni. Hier geht's zur
Website der Bike Odyssey.

Themen: EtappenrennenGriechenland


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