4 Islands: Nah am Wasser 4 Islands: Nah am Wasser 4 Islands: Nah am Wasser

4 Islands Etappenrennen in Kroatien: Rennbericht

4 Islands: Nah am Wasser

  • Henri Lesewitz
 • Publiziert vor 6 Jahren

Vier Tage, vier Inseln, Übernachtung auf dem Hotelboot: Mit dem 4 Islands in Kroatien wurde 2015 die Lücke zwischen Marathon und Urlaub geschlossen. Ein Erfolgskonzept? Unser Reporter war Vorort.

Träge, wie schlaftrunkener Wabbelpuddig, schwappen die Wellen des Adrianischen Meers gegen die Kaimauer. Die Sonne geht schon deutlich energischer zu Werke. Mit voller Heizleistung bollert sie vom Himmel. So, als wäre sie direkt mit der Soundanlage gekoppelt, die den Startbereich des 4 Islands immer vehementer in einen Schmelztigel aus Anspannung und Vorfreude verwandelt.

Bis eben noch lag der Touri-Ort Baška am südlichen Zipfel der Insel Krk in der Winterpause. Menschenleere Hafenpromenade. Leere Anliegeplätze. Verlassene Souvenierstände. Jetzt wird das Küsten-Städtchen rigoros aus der Vorsaisonstarre gerissen. Entspannungsverneinende Heavy Metal-Klassiker dröhnen durch die Häusergassen, um die 210 Teams in maximale Leistungsbereitschaft zu versetzen. Syncrone Zweiereinheiten in gleichen Trikots und farblich korrespondierenden Hosen. Schnurrende Freiläufe. Nassrasierte Waden. Abgestimmte Gabeln. Was für ein wunderbares Aufeinanderprallen von Welten. Liebreiz und Hardcore. Ruhe und Hektik. Yin und Yang, sagen Yoga-Freunde.

4 Islands 2016: Insel-MTB-Rennen in Kroatien

15 Bilder

Kein anderes Rennen verknüpft die Gegenpole Urlaub und Rennsport so konsequent wie das 4 Islands-Etappenrennen in Kroatien . Vier Tage, vier Inseln. Schlafen entweder im Vielsterne-Hotel oder auf dem Hotelboot. Eine Kreuzfahrt mit täglichen Laktateinheiten durch die malerische Kvarner Bucht, die völlig zu Recht als Perle Kroatiens gepriesen wird. Ein Konzept, das den Nerv der sportlich interessierten Bikerzielgruppe zu treffen scheint. Bereits bei der Premiere im vergangen Jahr standen 200 Fahrer an der Startlinie. Und das, obwohl die Veranstaltung erst vier Monate zuvor ausgeschrieben worden war. Eigentlich war die Premiere für 2016 geplant gewesen. Doch Ende 2014 stand die Finanzierung. Also hatte sich Veranstalter Tomislav Zobec spontan für einen Testlauf entschieden. "Bike ahoi", hieß die Reportage in BIKE 7/2015, die nicht mit euphorischen Worten geizte. Die 200 Teamplätze für dieses Jahr waren dann auch ratzfatz weg. "Wir hatten am Ende mehr als 100 Leute auf der Warteliste", freut sich Zobec, der seit dem frühen Morgen ruhelos im Startbereich umherhetzt. Mit der Größe des Starterfeldes ist auch sein Stresspegel gestiegen. Streckensicherung, Verpflegungsstationen, Notfall-Logistik, Zeitmessung, Shuttle-Fähren für den Tross – das 4 Islands ist für die Macher ein gewaltiger Organisationsakt.

Ich selbst bin schon bei der Erstaustragung über die Trails gepest und habe mir auch diesmal wieder eine Startnummer an den Lenker gezippt. Zusammen mit Kumpel und BIKE-Tester Michael Veith will ich im entspannten Vollgas-Modus ein bisschen die Schweißdrüsen stimulieren. Und nebenbei noch zwei Race-Hardtails mit interessanten Integrations-Konzepten testen. Das Mondraker Podium, dessen Vorbau direkt aus dem Oberrohr zu wachsen scheint. Sowie das Look 989, das die Idee mit einer integrierten Sattelstütze noch auf die Spitze treibt. Den Test gibt es in BIKE 7/2016 zu lesen.

Henri Lesewitz Captain Croatia: Für 50 Kuna, umgerechtet 7 Euro, hat sich BIKE-Reporter Lesewitz ein standesgemäßes Yacht-Outfit zugelegt.

Ob ein Hardtail wirklich die richtige Wahl ist? Beim Blick auf die Streckendaten würde man das ohne zu zucken bejahen. Die Etappenlängen schwanken zwischen 44 und 70 Kilometern, die Höhenmeter zwischen 900 und 1580 Höhenmetern. Doch genau darin liegt eine Tücke des 4 Islands. Die Teilnehmer des Vorjahres wissen das: Man kann die Strecke leicht unterschätzen.
Im letzten Jahr wollte ich erst gar keine Trinkflasche mitnehmen. Bloß gut, dass ich diesen Fehler nicht gemacht habe. Wir waren alleine bei der ersten Etappe vier Stunden unterwegs. Und besonders die letzte Rampe kam mir vor wie das Tor zur Hölle.

Wer glaubt, das 4 Islands locker abrollen zu können, der täuscht sich gewaltig. Der Rennkurs bietet alles auf, was das geologische Artenreichtum zu bieten hat. Feinschotter, Grobschotter, Sand, Waldboden. Und das in allen Wegvarianten. Double-Track, Singletrail, Gravel-Piste. Der Asphaltanteil ist homöopatisch. Es geht steil rauf und ebenso wieder runter. Dazwischen geht es wellig dahin. Immer nah am Wasser. Ein perfekter Mix. Doch der verträgt kein gigantisches Starterfeld. Was der Grund dafür ist, dass die Startplätze limitiert sind. Gut so, wie sich schnell zeigt. Die Etappen auf den Inseln Krk, Rab, Cres und Lošinj entsprechen bis auf kleinste Abweichungen denen des Vorjahres. Dennoch ist das Fahrgefühl, besonders im ersten Drittel, ein deutlich anderes. In den verblockten, technischen Trails kommt es öfter zu kurzen Staus. Egal, einreihen, mitfahren, durchatmen. Die meisten Fahrer bleiben entspannt. Keineswegs selbstverständlich. Wenn Semi-Profis, Hitzige und Alterklassen-Aspiranten mit so klangvollen Teamnamen wie "Adrenalina", "Top Fit Biker", oder "Explosiwe Bike Terror Crew" derart verdichtet dem Ziel entgegen hecheln, kommt es ja sonst oft zu unschönen Szenen.

Die Trails sind knackig. Ich würde sogar sagen, dass sie denen am Gardasee ebenbürtig sind. Viele der Beingecremten kommen offensichtlich vom Straßenradsport, was ihre aerodynamische Sitzposition und der Grad ihrer Ausmergelung verrät. Sie zittern mit Schlotterknien und vor Panik geweiteten Pupillen durch die Trails. Elf Punkte auf der zehn Punkte unfassenden Angstskala, quasi. Trotzdem bleiben sie trotzig eingeklickt. Ein interessanter Aspkekt im Sinne der Verhaltensforschung: Obwohl die Typen wahrscheinlich sonst streng nach Fitness-Zölibat leben, nehmen sie jetzt offensichtlich sogar Außenbandzerrungen und Schlüsselbeinbrüche billigend in kauf. Nur um ja keinen Platz auf der Ergebnisliste einzubüßen. Startblock A-Helden eben.

Henri Lesewitz Voll auf Speed: Tester Michael Veith scheucht das Mondraker Podium über die steinigen Trails.

Das perfekte 4 Islands-Bike? Ein Race-Fully mit stabilen Reifen. Auch gut: Ein All Mountain-Fully mit 120 Millimetern Federweg. Wer sich wie ich mit einem Hardtail ins Rennen wagt, sollte nicht nur über gute Fahrtechnik, sondern auch über eine gehörige Portion Mut verfügen. Ich bin weder ein Fahrtechnik-Gott, noch suizidal veranlagt. Im Zweifel also lieber mal absteigen und schieben.

Kreuzfahrts-Feeling auf dem Hotelboot Andela Lora

Das Gros der erfahrenen "Marathon-Hasen" brauchte für die Etappen zwischen dreieinhalb und fünf Stunden. Danach ist Relaxen angesagt. Besonders gut haben es diejenigen, die nicht auf den allgemeinen Fähr-Shuttle angewiesen sind, sondern eine Kabine auf einem der Hotelboote gebucht haben. Der Konstanzer Kroatien-Spezialist "Inselhüpfen" ist offizieller Partner der Veranstaltung und bietet Rundum-Sorglos-Pakete samt Rennteilnahme, Bootübernachtung, Shuttle und Vollverpflegung. Das Flaggschiff heißt "Andela Lora" und verfügt über geräumige Doppelkabinen mit extra Bad (Toilette und Dusche). Auf dem Sonnendeck räkeln sich die Fahrer in der Sonne und tun sich an Erfrischungs-Bierchen, Cappuccinos, oder mitgebrachten Amino-Säuren gütlich. Die Crew verlädt derweil die Bikes. Wer ein normales Hotel gebucht hat, muss sich nach den Fahrplänen der Sammelfähre richten.

Henri Lesewitz Auf zur nächsten Insel: Anbieter Inselhüpfen schipperte diesmal gleich mit vier Hotelbooten von Etappenort zu Etappenort.

Samstag, 16. April, die finale Etappe. Die 44 Kilometer und 900 Höhenmeter, die es vor der Abschlussparty noch zu absolvieren gilt, haben keinerlei einschüchternden Charakter. Alle rasen in feinster Endspurt-Manier los. Der erste Anstieg hat 300 Höhenmeter. Es wird fast schon hysterisch auf die Pedale getreten. Doch hossa! Hat es in der Nacht etwa Felsbrocken gehagelt? Die erste Abfahrt des Tages entpuppt sich als fieser Knochenschüttler. Mehr noch: Der Untergrund scheint zu leben. Wie Kugellager winden sich die Wackersteine unter den völlig überforderten Reifen. So manches Nervenkostüm geht ruckzuck in die Knie. Selbst für Enduro-Verhältnisse wäre diese Abfahrt grenzwertig.
"Sabotage!", zürnt Rennchef Tomislav Zobec, während neben ihm die Finisher jubelnd unter dem Aufblaszielbogen hindurchhuschen. "Heute früh ist einer unserer Crew den Downhill noch einmal abgefahren. Da war alles in Ordnung. Dann muss irgendeiner mutwillig Steine von den Begrenzungsmauern auf die Strecke geworfen haben. Keine Ahnung, wieso", schüttelt er fassungslos den Kopf. Egal, bis auf das hat alles funktioniert. Alle Fahrer scheinen happy. Gewonnen hat ein Team aus Tschechien. Matouš Ulman und Pavel Boudný. Bärenstarke, schnelle Jungs. International aber eher unbekannt. 10:03 Stunden Gesamtzeit. Wahnsinn!

Am Abend, bei der Finisher-Party, werden keine Aminosäuren mehr getrunken. Die Biere gluckern in die Kehlen, als wären die Fahrer gerade von einer mehrwöchigen Wüstendurchquerung zurück gekommen. Unten an der Promenade schwappen die Wellen des Adrianischen Meers ans Ufer, wie träger, schlaftrunkener Wabbelpudding. Die Sonne hat bereits schlapp gemacht und sich mit einer glutrot-violetten Farbshow in den Feierabend verabschiedet. Nur die Aufputsch-Hits drücken gewohnt vehement und bassintensiv aus den Boxen – so wie jeden Morgen bei den Etappenstarts.

Das Rennen im Überblick


Etappen: Das 4 Islands wird auf den Inseln Krk, Rab, Cres und Lošinj in der Kvarner Bucht im Norden Kroatiens ausgefahren. Die Etappenlängen schwanken zwischen 40 und 70 Kilometern, täglich müssen zwischen 900 und 1580 Höhenmetern gefahren werden. Die Etappen sind auch für Hobby-Fahrer machbar, erfordern aber eine sehr gute Fahrtechnik. Unser Reporter Henri Lesewitz hat die Etappen der 2015er Austragung, die denen des diesjährigen Rennens zu 95 Prozent gleichen, ausführlich beschrieben. zur Etappen-Übersicht inkl. Beschreibung


Anfahrt: Von München aus fährt man fünfeinhalb Stunden mit dem Auto bis Omišalj auf der Insel Krk. Wer ein Hotelboot gebucht hat, steigt hier aufs Schiff. Wer im Hotel übernachten will, muss knapp eineinhalb Stunden weiter bis zum Startort Baška fahren. Dort übernachtet man während der ersten drei Etappen und schippert per Sammerfähre zu den Starts und wieder zurück.

Boot: Die Firma Inselhüpfen bietet das Vollverwöhnprogramm. Komfortabler, als auf einem der Hotelboote, lässt sich das 4 Islands nicht erleben. Es stehen verschiedene Boote in verschiedenen Komfortklassen zur Auswahl. Das Top-Schiff "Andela Lora" verfügt sogar über ein feines Restaurant sowie einen Bike-Raum. Die Kvarner Bucht ist eine wahre Landschafts-Perle. Wer Zeit hat, sollte nach dem Rennen noch ein paar Tage Kreuzfahrt dranhängen. Inselhüpfen bietet eine große Auswahl an Trips. Das komplette Angebot sowie alle Infos zum Rennen: www.inselhuepfen.de

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