Test 2017: Trailbikes mit unterschiedlichen Konzepten

Moderne Mehrkämpfer: 5 Trailbikes im Test

  • Stefan Frey
 • Publiziert vor 4 Jahren

Verwinkelte Trails, flowige Abfahrten, schnelle Hausrunde, lange Touren: Trailbikes sollen in mehreren Disziplinen punkten. Im Test zeigte sich, dass die Räder sehr verschieden sind.

Gut vier Stunden lang haben wir das Gaspedal unseres Transporters ans Bodenblech gedrückt, bis wir endlich am äußersten Rand des Erzgebirges unser Reiseziel erreichen. Vom Parkplatz des Trailcenters Rabenberg könnte man schon beinahe rüber auf die andere Seite der tschechischen Grenze spucken. Wieso wir diesen weiten Weg auf uns nehmen? Wir haben fünf aktuelle Trailbikes um 3000 Euro geladen – und im Sportpark Rabenberg befindet sich das erste und aktuell auch noch einzige echte Trailcenter Deutschlands.


Wie eine Ringelnatter schlängelt sich der Archetyp einer Trailbike-Teststrecke durch den dichten Fichtenwald des Rabenbergs.

Das Konzept Trailpark ist denkbar einfach: Modern angelegte Pfade können mit moderaten Federwegen, aber maximalem Spaß befahren werden. Zurück zum Ausgangspunkt geht es entspannt und dennoch aus eigener Kraft. Kein Lift, kein Shuttle, Mountainbiken in Reinform. In großen Teilen Deutschlands kämpft man als Biker noch immer gegen Wegsperrungen und 2-Meter-Regeln wie Don Quichotte gegen Windmühlen. In der sächsischen Provinz hat man das umgesetzt, was in Schottland oder Wales längst Realität ist: Trails per Hand gebaut und nur für einen Zweck geschaffen – Mountainbiken.

Wir stimmen die Fahrwerke ab und rollen rüber zum Startpunkt. Was folgt, liest sich wie die Liste der Fahrgeschäfte eines Vergnügungsparks: Flowing Ten, Rollercoaster, Hunters Path und Stone Garden. Schnelle Trails, winkelige Trails und auch technische Herausforderungen, wo unsere Test-Bikes ihre Downhill-Skills abrufen müssen. Als uns nach einer wahren Achterbahnfahrt der Final-Flow-Trail wieder am Parkplatz ausspuckt, wird uns klar: Die Wege hier sind so abwechslungsreich wie die Konzepte unserer Test-Bikes.


Diese Trailbikes finden Sie im Test:

  • Alutech ICB 2.0 Erdgeschoss
  • Kona Process 134
  • Maxx Jinxx 29"
  • Norco Optic A9.1 (BIKE-TIPP: Allround)
  • Stevens Jura Carbon

Test 2017: Trailbikes mit unterschiedlichen Konzepten

5 Bilder

Verwinkelte Trails, flowige Abfahrten, schnelle Hausrunde, lange Touren: Trailbikes sollen gleich in mehreren Disziplinen punkten. Doch dass sich die fünf Räder unserer Testgruppe nur schwer über einen Kamm scheren lassen, konnten wir im Trailcenter Rabenberg erfahren. 

Laut Definition verfügen Trailbikes über 120 bis 130 Millimeter Federweg am Heck, lassen sich agil über verwinkelte Wege scheuchen und scheuen weder Abfahrten noch Anstiege. In unserem Testfeld reichen die Federwege allerdings von straffen 115 Millimetern am Norco bis zu 140 Millimetern am Heck des Maxx’. Alutech spendiert dem ICB 2.0 an der Front sogar eine 150er-Gabel. Ähnlich vielseitig zeigen sich die Laufräder: Während Alutech und Kona auf 27,5 Zoll setzen, rollen Maxx, Norco und Stevens auf 29-Zöllern über den wurzligen Waldboden.

Dass man heutzutage in der 3000-Euro-Klasse keine Ausstattungswunder mehr erwarten kann, ist zur bitteren Erkenntnis gereift. Bei so manchem Teil in dieser Testgruppe zieht man dennoch überrascht die Augenbrauen zusammen. Eine Rock Shox Sektor Silver und ein bunter Mix aus Shimano- und Sram-Schaltkomponenten am Kona? Zaghafte Bremsen und rutschige Race-Reifen an diversen Test-Bikes? Da hätten wir etwas mehr Glanz erwartet. Den finden wir dann aber doch noch: bei Alutech und Maxx. Am ICB 2.0 wechseln wir mit der Sram-GX-Gruppe samt passendem 30er-Kettenblatt präzise die Gänge. Das potente Fahrwerk mit Rock Shox Pike und Monarch-Plus-Dämpfer trägt uns sänftengleich durch die Steinfelder des Stone Gardens. Der Rosenheimer Versender Maxx schraubt an das Jinxx 29 eine komplette XT-Gruppe samt passender Bremsanlage und 200er-Scheiben an der Front. Damit ist der laufruhige 29er wie geschaffen für lange Abfahrten in den Alpen, wirkt auf den kurvigen Trails aber etwas überfordert. Norco trifft mit dem Optic trotz großer Laufräder dagegen voll ins Schwarze auf der Trailbike-Zielscheibe: wendig, verspielt und mit gut pedalierbarer Sitzposition. Das Optic könnte glatt als Prototyp hergehalten haben, als die Trail-Bauer am Rabenberg die verwinkelten Kurse in den dichten Fichtenwald des Erzgebirges gegraben haben.

Bei der Fotoproduktion zum Trailbike-Test konnten wir noch über sonnenbeschienene Wiesen gleiten. Beim Test am Rabenberg begleiteten uns dagegen dichte Wolken und leichter Regen.


FAZIT von BIKE-Testredakteur Stefan Frey
Von modernen Trailbikes haben wir uns echte Allround-Talente erwartet, und doch kann man bei drei Bikes im Test eine klare Tendenz in eine Richtung erkennen. Das schwere Kona fühlt sich vor allem in der Abfahrt heimisch, das laufruhige Maxx eher auf klassischen Alpen-Touren. Stevens scheut dank leichtem Carbon-Rahmen und den schnell rollenden Reifen auch vor langen Anstiegen nicht zurück. Die Essenz eines Trailbikes findet man jedoch bei Alutech und Norco. Beide Bikes lassen sich mit maximalem Fahrspaß über verwinkelte Trails zirkeln und dennoch entspannt berghoch treten. Den ausgewogensten Charakter aber können wir dem Norco Optic bescheinigen.

Stefan Frey, BIKE Testredakteur

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Themen: AlutechKonaMaxxisNorcoStevensTestTrailbike


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