Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70 Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Langstrecken-Test|Trailbike Rocky Mountain Pipeline C70

Josh Welz am 01.02.2020

Unter 13 Kilo bei reichlich Federweg – damit gehört das Rocky Mountain Pipeline C70 zu den letzten seiner Art. Überzeugt das Multitalent auch durch Zuverlässigkeit?

Laufleistung:  2590 km | 47.600 hm

Ein potentes Trail-/All-Mountain-Bike unter 13 Kilo ist heutzutage selbst in diesem Preisbereich eine Rarität. Insofern fiel mir die Wahl nicht schwer, zumal ich im Alltag meine Bikes viel über die flachen Isar-Trails treibe. Gerade in diesem Einsatzgebiet machte das Pipeline richtig Laune. Der potente Hinterbau gibt viel Gegendruck – wichtig im Antritt und wenn man mal über eine kleine Rampe abziehen will. Um fleißig Kilo- und Höhenmeter zu sammeln, ging das Rocky mit unterschiedlichen Piloten auf Reisen. So musste es sich auf langen Alpen-Touren ebenso beweisen wie im Shuttle-Revier Latsch und auf den materialmassakrierenden Gardasee-Trails. Wer auch immer dabei das Pipeline im Gepäck hatte, kam mit einem breiten Grinsen zurück. Die Serienbereifung mit den super griffigen, aber schweren Maxxis Minion DHF und DHR II musste allerdings einer schnelleren Conti-Kombi weichen. Als ideale Wahl erwiesen sich der sehr gut rollende Cross King hinten und der griffige Mountain King vorne. Beide Pneus wurden in 2,6 Zoll Breite montiert und bauen auf den breiten 35er-Felgen ähnlich hoch und stabil – was im Hinblick auf das recht tiefe Tretlager nicht unerheblich ist. Zudem spart man mit dieser Reifen-Kombi im Vergleich zur Serienbereifung rund 300 Gramm. Das zahlt sich auf flachen Trails ebenso wie auf langen Touren aus.

Das tiefe Tretlager ist im Übrigen das Einzige, was einem Pipeline-Piloten im Gefechtsmodus in die Quere kommen kann. Über die Ride-9-Verstellung an der hinteren Dämpferaufnahme lassen sich unterschiedlich flache Geometrien wählen. Wer nicht nur im Downhill-Modus ins Tal rauschen, sondern auch über Trails pedalieren möchte, sollte die flachste/tiefste Einstellung unbedingt meiden.

Und die Haltbarkeit? Probleme gab’s mit der Bremsanlage: Shimanos XT musste zweimal entlüftet werden und hatte immer einen etwas schwammigen Druckpunkt. Zudem verschlissen die Beläge wie im Zeitraffer: Alle 600 Kilometer war ein Wechsel fällig. Ein paar Blessuren waren eher der Unachtsamkeit der diversen Piloten geschuldet: Das Schaltauge musste nach Felskontakt gerichtet werden, die hintere Felge zeigt eine kleine Delle, und die Tauchrohre der 34er-Fox sind etwas angeschrabbt.


FAZIT zum Rocky Mountain Pipeline C70 von BIKE-Chefredakteur Josh Welz

Leicht, potent und zuverlässig: Das Pipeline in der teuren C70-Ausführung deckt einen riesigen Einsatzbereich ab und punktet mit Zuverlässigkeit.

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Rocky Mountain Pipeline C70


Defekte / Wartung

  • 180 km: Schaltauge verbogen Nach einem Sturz ließ sich die Sram GX Eagle nicht mehr sauber schalten. Das Schaltauge war verbogen, ließ sich allerdings wieder richten.
  • 600 / 1200 / 1800 / 2400 km: Wechsel der Bremsbeläge Die Bremsbeläge verschlissen wie im Zeitraffer und mussten ungefähr alle 600 km ersetzt werden, einmal sogar auf Tour.
  • 800 / 1700 km: Bremse Entlüften Der Druckpunkt der Shimano XT war immer etwas schwammig. Zweimal wurde die Bremse entlüftet – ohne dauerhafte Besserung.
  • 1850 km: Kettenwechsel Nach einer Gardasee-Touren-Woche mit reichlich Höhenmetern war die Sram-Kette runtergenagt. Der Wechsel schlug mit 22 Euro zu Buche.

Details

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Weich im Nehmen: Der Sattel WTB Volt Race ist bequem gepolstert und sogar verhältnismäßig leicht. Hart im Nehmen ist er allerdings nicht. Beim ersten Sturz platzte die geschmeidige Microfiber-Satteldecke auf. Wenigstens riss sie im Laufe des Dauertests nicht weiter.

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Reifenwechsel: Serienmäßig rollt das Rocky Mountain Pipeline C70 auf 2,8er-Maxxis-Minion-DHF vorne und -Minion-DHR hinten. Das garantiert viel Grip, aber auch hohen Rollwiderstand. Als perfekte Kombi erwies sich der Conti Crossking 2,6 hinten und der Mountain King in 2,6 vorne.

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Nur ein bisschen bissig: Ein Bike mit der Potenz des Rocky Mountain Pipeline lechzt nach schnellen Downhills. Entsprechend würden ihm 200er Scheiben besser stehen als die verbauten 180er. Shimanos XT-Zangen fühlten sich trotz Entlüften immer etwas schwammig an. Die Beläge verschlissen schnell.

Dauertest: Rocky Mountain Pipeline C70

Schutzpanzer: Ein massiver Kunststoffpanzer schützt den Rahmen des Rocky Mountain Pipeline  im Bereich des – vor allem in der flachen Einstellung – recht tiefen Tretlagers. Die luftige Kabelumschlingung birgt allerdings die Gefahr, dass man mit Schalt- oder Bremsleitungen hängen bleibt.


Das Bike: Rocky Mountain Pipeline C70

Material / Größe   Carbon / M
Preis / Gewicht   5800 Euro / 12,92 kg o. Pedale
Federweg (vo. / hi.)   142 mm / 134–153 mm
Laufradgröße   27,5 Zoll
Gabel   Fox 34 Float Performance Elite
Dämpfer   Fox Float Performance Elite


Der Tester: Josh Welz, BIKE-Chefredakteur

Alter / Größe / Gewicht   51 Jahre / 1,83 m / 80 kg
Fahrerprofil   Touren mit knackigen Trails; zahme Bikeparks
Lieblingsreviere   Isar-Trails, Alpenvorland, Saalbach, Livigno, Willingen, Gardasee

Josh Welz

Rider: Josh Welz, BIKE-Chefredakteur


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Josh Welz am 01.02.2020