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Test 2015: Race-Fullys mit Shimano XTR Di2

Super-Racer: die teuersten Marathon-Fullys der Welt

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Der Mountainbike-Sport ist Lust, nicht Pflicht. Im Test in BIKE 3/15: vier sündteure Super-Race-Fullys mit Shimanos elektronischer XTR Di2-Schaltung. Hier finden Sie die komplette Punktetabelle.

Es gibt Menschen, die ordern zum Hauptgericht immer Vor- und Nachspeise – egal, ob sie großen Hunger haben oder nicht. Manche Leute kreuzen beim Autokauf Schiebedach und Anhängerkupplung an, obwohl sie keinen Hänger haben und am liebsten geschlossen fahren. Andere suchen beim Weinhändler den teuersten Bordeaux – und wollen ihn gar nicht trinken. Es geht ums Prinzip. So wie bei Shimanos elektronischer XTR Di2 .

Christoph Listmann Wer Profibikes beurteilen will, sollte sie von Profis testen lassen. Karl Platt und Christoph Listmann bei der Diskussion der Ergebnisse.

Diese vier Race-Fullys mit Shimano XTR Di2 sind im Test – die komplette Punktetabelle gibt es unten als PDF zum kostenlosen Download:

  • Cannondale Scalpel 29 Carbon Black Inc.
  • KTM Scarp 29 Prestige Di2
  • Scott Spark 700 Ultimate
  • Trek Superfly FS 9.9 SL Project One Di2


Eine XTR-Di2-Schaltgruppe ist eine Sache der Lebenseinstellung und nicht etwa eine Frage des Gewichts oder der Präzision. Wer immer das Neueste, Technischste, Hochwertigste sucht und für den Geld keine Rolle spielt, kauft in dieser Saison ein Bike mit Shimanos Schaltungswunderwerk. Es gibt nüchtern gesehen keine zwingende Gründe, elektronisch zu schalten. Doch wer es einmal getan hat, will es nie mehr missen .

Race-Fullys mit Shimano XTR Di2 im Test

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Bikes mit Shimano XTR Di2 bleiben eine Nische


Wie zu erwarten, polarisiert die Di2. Die Gegner maulten schon im Vorfeld: „Braucht kein Mensch!“ Diejenigen, die die elektronische Ultegra oder Dura Ace vom Rennrad her kennen und eher zu emotionalen Kaufentscheidungen neigen, freuen sich still drauf. Doch der Aufpreis ist so hoch und die Auswahl an Bikes noch so klein, dass XTR Di2 wohl vorerst eine Nische bleiben wird.

Für diesen Test haben wir mit Mühe vier Bikes organisiert, die ins Schema Racefully passen. Cannondale, KTM, Scott und Trek konnten liefern. Kaum ein halbes Dutzend weitere Di2-Racefullys gibt es überhaupt am Markt. Eine detaillierte Übersicht aller XTR-Di2-Bikes finden Sie hier.

Exklusiver geht es nicht, leichter schon. Wer das leichteste Bike sucht, sucht es hier vergebens. Das Cannondale Scalpel wiegt nur 50 Gramm weniger als das Team-Modell aus 2014 (6999 Euro), Trek und Scott sind sogar schwerer als im Vorjahr. Das liegt nicht nur an der Di2, sondern auch am elektronischen Fox-iCTD-Fahrwerk, das beide Firmen montieren. Und dieses ist mehr als eine Spielerei. Es ist einfach klasse, gerade in Verbindung mit der XTR.

Insgesamt ist die XTR Di2 eine ausgefuchste Schaltgruppe mit unglaublich vielen Möglichkeiten. Neben allen Programmieroptionen per Software kann man die Hebellänge der Schalter und die Härte des Shadow-Plus-Kettenspanners justieren. Wo bei anderen Bikes Shadow Plus beim Schalten höhere Handkräfte verlangt, spielt das hier keine Rolle. Schließlich erledigt der Stellmotor den Job. Alle Testfahrer brauchten eine Weile, um sich an die Funktionen zu gewöhnen, auch ergonomisch. Und allen fiel die Geräuschkulisse, gerade in Kombination mit Fox iCTD, unangenehm auf. Luxus kann man ab sofort hören!

Gespannt waren wir auf den Praxistest. Als Gastfahrer konnten wir Profi-Racer Karl Platt gewinnen. Er quetschte die Testfahrten zwischen zwei Trainingslager und kam obendrein direkt von einer Di2-Produktschulung bei Shimano-Importeur Paul Lange. Platt fährt an seinen Racebikes Shimano, das ist kein Geheimnis. Der Berufsradfahrer entwickelte sofort Ideen, wie er die XTR Di2 an seinem Racebike optimieren kann. Er wird bei bestimmten Rennen auf Einfach-Antrieb setzen: "38 Zähne vorne reichen mir, das spart Umwerfer und Kettenblatt." Zudem wird er die Schaltung frisieren: "Ich montiere statt des Schalthebels den Satellite-Shifter der Dura Ace an den Lenker und vielleicht einen zweiten Satz an die Lenkerhörnchen", verrät Platt. Das könnte eine gute Idee sein. Denn zum Gangwechsel reicht im Prinzip ein simpler Druckknopf aus. In Platts Heimrevier, dem Pfälzer Wald, gaben wir den Bikes die Sporen. Die abwechslungsreiche Singletrail-Runde um die Kalmit liefert alle Erkenntnisse, die man braucht.

Die schlechte Nachricht: Die Di2 macht aus diesen Bikes keine Space Shuttles, und die Reifen von Cannondale und Trek funktionieren auf den feuchten Trails so gut wie Sommerreifen bei Blitzeis.

Die gute Nachricht: Alle vier Superbikes fahren so, wie man es von ihnen kennt und erwartet. Das Cannondale so vortriebsorientiert wie gewohnt, das Trek schnell wie immer und dabei etwas relaxter als das Cannondale. KTM überzeugt durch Optik, Fahrverhalten und sein Gesamtpaket. Scott ist das einzige 27,5er im Vergleich. Es bietet mit seinem 120er-Fahrwerk mehr Reserven. Es fährt bergab den 29ern aber nicht davon. Das Federwegs-Plus bringt keinen spürbaren Vorteil gegenüber den 100 Millimetern der 29er. Im Gegenteil: An Stufen fühlt man sich mit den kleineren Laufrädern unsicherer als mit den großen. Doch fürs Laufradgrößen-Philosophieren ist hier kein Platz. Alle vier sind absolute Traum-Bikes – doch das wären sie auch ohne Di2. Sie runden die Top-Modelle ab. So wie Vorspeise und Dessert den exklusiven Hauptgang.


Fazit Christoph Listmann, BIKE-Testleiter: "Auch mit der Elektronik werden die Top-Racefullys nicht zu Kampfjets oder Raumfähren. Es bleiben Mountainbikes, die man mit Muskelkraft antreibt und mit Reflexen lenkt. Racebikes mit Shimanos XTR Di2 sind etwas für Liebhaber oder Profis. Kein Mensch braucht sie, doch viele wollen sie. Und ja, sie haben das Potenzial für Angeber-Bikes. Bling-Bling in Carbon sozusagen. Ich gebe es zu: Ich find’s geil! Auch wenn ich mir nie so ein Bike kaufen werde."


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Themen: cannondale scalpel 29KTM ScarpRace-FullysScott sparkTest 2015TrekXTR Di2

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