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Test 2015: Marathon-Fullys & sportliche All Mountains

Acht Marathon-Bikes ab 3799 Euro im Test

Christoph Listmann am 25.02.2016

In jeder Firma gibt es Mitarbeiter, die hoch qualifiziert sind UND alles geben. Hier sind die passenden Bikes für die Leistungsträger. Acht heiße Maschinen, die Gas geben wollen UND können.

Sie arbeiten schnell, zuverlässig und mit geringer Fehlerquote. Sie sind kompetent in vielen Bereichen. Je schwerer die Aufgabe, desto mehr hängen sie sich rein. Als High Performer bezeichnet man die Leistungsträger in einem Betrieb. High Performer haben wir auch bei den Bikes entdeckt.

Schon die erste von acht Testrunden über staubtrockene, von Wurzeln und Sandstein gepfefferte Waldpfade rund um die Kalmit im Pfälzerwald zeigte uns den Anspruch der aktuellen Gruppe. Und das klingt so: "Mann ist das Bike schnell!" Hörbare Schnappatmung unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Situation. "Sag Bescheid wenn du vorbei fahren willst", lautet die Antwort. "Leider kann ich nicht so schnell wie das Bike will" schnauft es wieder aus dem Off. Damit ist die Sachlage klar. Rasen statt reisen lautet das Motto, ein Blick auf die Position des Vorbaus reicht um das zu erkennen.

test 2015 marathon-fullys trail

Rasen statt reisen: So lautet das Motto, wenn man im Sattel der Marathon-Fullys sitzt.

Schnelle Fullys für sportliche Touren und Marathons

Leichte Bikes sind geil. Bikes, die bergab was wegstecken können auch. Insofern haben wir hier das perfekte Testfeld für einen laktathaltigen und adrenalingeschwängerten Test-Tag beisammen. Es treffen auf etwa 650 Metern über Normalnull nämlich nicht nur Bergziegen aufeinander – Centurion Numinis CF, Merida Ninety-Nine, Scott Spark und Simplon Cirex – sondern auch High Performer, die abfahrtsorientiert sind und gleichzeitig die Herausforderung eines langen Anstiegs annehmen. Deren Stärken liegen in etwas mehr Federweg, breiteren Reifen oder Teleskop-Sattelstützen. GT Helion, Marin Rift Zone, Specialized Camber und das Trek Fuel EX schlagen die Brücke von der Kategorie Marathon/Race zu All Mountain Sport. Manche sagen auch Trailbike dazu – und dieser Begriff passt gut, wie sich beim Test auf den schmalen Pfaden an der Kalmit zeigt.

Fotostrecke: Test 2015: acht Marathon-Fullys ab 3799 Euro

Diese Marathon-Bikes und All Mountain Sport-Modelle finden Sie im Test:

(Die komplette Punktetabelle finden Sie unten als kostenlosen PDF-Download.)

• Centurion Numinis Carbon 3000.29 – 3999 Euro
• GT Helion Carbon Pro – 3799 Euro
• Marin Rift Zone 29er C XC8 – 3999 Euro
• Merida Ninety-Nine 9.7000 – 4399 Euro
• Scott Spark 910 – 3799 Euro
• Simplon Cirex 29 Pro – 4279 Euro
• Specialized Camber FSR Elite Carbon – 4199 Euro
• Trek Fuel EX 9.8 29 – 4699 Euro

Fakten-Check:

Der Stapel bedruckten DIN-A4s, den uns Laborleiter Hans-Peter Ettenberger vor der Reise in die Pfalz noch überreicht hat, erzählt von schlaflosen Nächten der Produkt-Manager, von unzähligen Meetings mit der Produktion in Fernost und Excel-Tabellen voller Ausstattungsoptionen. Geringe Rahmengewichte, ausgefeilte Sport-Geometrien, antriebsneutrale Kinematiken – die Messwerte sprechen für sich. Auch das ist typisch für High Performer: Sie setzen ihr Umfeld latent unter Druck. Mit im Schnitt zwölf Kilo Gesamtgewicht und 2,4 Kilo fürs Fahrwerk sind die Test-Bikes im Jahresvergleich unserer Teststatistik ganz vorne dabei. Bei den Verkaufspreisen kein Wunder, sagen Sie? Klar, 4000 Euro sind eine Menge Geld für ein Sportgerät. Aber in dieser Liga schöpft ein Produkt-Manager noch lange nicht aus dem Vollen. Geprasst wird nicht, stattdessen vernünftig kalkuliert. Vernunft, die sich kommende Saison vermutlich in Sparzwang verwandelt, sofern sich der Dollarkurs nicht verändert. Vernunft hat einen Namen: Shimano XT. Die Bremse: verlässlich. Die Schaltung: präzise und schnell. Mehr braucht auch ein Profi-Rennfahrer nicht. Sram-Komponenten tauchen, außer beim Specialized, in Form der X1-Einfach-Konfiguration mit elf Gängen, erstaunlicherweise nicht auf. Neben leichten Laufrädern wichtig für Marathonfahrer wäre ein zweiter Flaschenhalter, doch das lassen die Rahmen-Layouts nicht zu.

test 2015 marathon fullys abfahrt

Ein Federwegs-Plus an der Gabel sowie eine absenkbare Sattelstütze verbessern die Fahrsicherheit bergab sofort. Beim Specialized Camber kommen noch griffige Reifen dazu.

Schnell fahren – das klingt immer gut. Jeder weiß , dass sich erst ab einem gewissen Tempo so etwas wie Flow einstellt. Wenn die Bäume links und rechts vorbeirauschen, man mit Schwung in den Gegenanstieg schmettert, einfach den Gang stehen lässt, im Wiegetritt über die Kuppe zieht. Für all das sind diese High Performer gerüstet. Im Vorwärtsdrang stechen besonders die Modelle von Centurion oder Simplon hervor. Bei beiden schaltet der rechte Daumen einen Gang schwerer, und man geht aus dem Sattel, wo man bei anderen Modellen Druck vom Pedal nimmt und Tempo verliert. Pures Dopamin. Trek und Marin fordern mehr Watt bergauf, zahlen den Mehraufwand aber mit Endorphin zurück, hat man erst mal die Sattelstütze abgesenkt und sich der Erdanziehung hingegeben.

Ja, es ist auch eine Frage des Federwegs, welche Linie man wählen kann. Also über die Felsen drüber (Marin und Trek) oder drumherum (Scott und Simplon). Unterm Strich bringt die direkte Spurwahl inklusive Abkürzungen in der Luftlinie einen Zeitgewinn von einigen Sekunden. Sekunden, die Bikes vom Schlag eines Scotts oder Simplons im Anstieg der Testrunde aber wieder reinfahren. Dass mehr Federweg nicht schadet, zeigt sich auch bei den Rennpferden von Centurion und Merida. Beide rollen serienmäßig mit 120er-Gabeln in den Startblock. Wir finden diesen Trend gut, weil er keine Nachteile mit sich bringt. Die 100er-Gabeln im Scott und Simplon massieren den Oberkörper hingegen deutlich kräftiger durch.

Wer sind nun die High Performer, die Leistungsträger? Letzter Anstieg, letzte Test­runde, als letztes Bike das Simplon Cirex. Und da ist es wieder, das Gefühl, dass das Bike überlegen ist. Es will härter gefahren werden, als die eigene Form es erlaubt. Und es liefert die mit Abstand schnellste Rundenzeit. Demnach ist das Simplon ganz sicher das schnellste Bike bergauf, auch wenn die Punktwertung das Merida knapp vorne sieht. In der All-Mountain-Wertung überzeugt das Trek. Wir würden jedoch die Bontrager-Reifen gegen schneller rollende Modelle tauschen. Während das Trek Fuel EX wegen des starken Dollars schon jetzt 200 Euro teurer wurde, geht der Preis/Leistungst­ipp an Scott.

Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe BIKE 7/2015 können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

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Christoph Listmann am 25.02.2016