Orbea Oiz Carbon Team

  • Tomek
 • Publiziert vor 13 Jahren

Orbea kassiert mit seinem Hardtail Worldcup-Sieg um Worldcup-Sieg. Wir checken, ob das Top-Carbon-Fully ebenso erfolgreich sein könnte. (BIKE 9/2007)

Orbea hat unter Julien Absalon das derzeit erfolgreichste Hardtail im Worldcup im Einsatz. Mal sehen, ob das Fully ebenso schnell ist. Mit fahrfertigen 10,7 Kilo zählt das Top-Modell „Oiz Carbon“ zur absoluten Spitze bei Serien-Fullys. Diesen Wert erreichen die Spanier durch den sehr leichten Carbon-Rahmen, der auf ein echtes Hauptlager verzichtet. Wo sonst der Haupt-Schwingendrehpunkt liegt, ersetzen flache Kohlefaserstreben das Gelenk. Das Unterrohr verbreitert sich flügelförmig und wirkt wie ein kleines Schutzblech. Auch den Dämpfer schützt ein kleines Kunststoffblech vor Schlamm.

Gut: Zwei Flaschenhalter passen ins Rahmendreieck. Den Spaniern ist nicht nur ein optisch unverwechselbarer, sondern auch superleichter Rahmen gelungen: Er wiegt nur 1892 Gramm, der Dämpfer addiert 254 Gramm. Shimanos „XTR“-Gruppe mit „Dualcontrol“-Hebeln ist sehr leicht; die Rock-Shox- „SID“-Gabel spart locker weitere 200 Gramm im Vergleich zu anderen Modellen.

Und diese Diät macht Spaß: Bergauf wird das große Kettenblatt zum besten Freund. Technische, ruppige Uphills sind das Metier des Orbea. Sitzend beschleunigt man über Wurzelteppiche, ständig versucht, noch einen Gang schwerer zu schalten. Die sportliche, steile Geometrie macht das Bike aggressiv und wendig. Das Heck arbeitet gut, nur im Wiegetritt stampft und wippt es – möglicherweise ein Tribut an die Fahrwerks-Kinematik. Durch den fehlenden Hauptdrehpunkt hat das System keine definierte Raderhebungskurve. Besser also, man erzieht sich einen kraftsparenden, sitzenden Fahrstil an oder schaltet den Fox-Dämpfer für Sprints in den Plattform-Modus. Wenn’s schnell bergab geht, wird das „Oiz“ unruhig. Die Kombination aus schmalen Hutchinson-Reifen (rutschig bei Nässe), wenig steifer „SID“-Gabel (unserer Meinung nach ungeeignet für ein Fully) und dem mäßig steifen Rahmen (53 Nm/Grad, STW-Wert 24,7) führen zu Flatterneigung und mäßiger Lenkpräzision.

Die Antwort auf die Eingangsfrage steht noch aus: Wir vermuten, ein Absalon erringt seine Siege weiter auf seinem 9,7-Kilo-Hardtail, denn ein Kilo Mehrgewicht nimmt kein Weltstar im Tausch gegen Komfort in Kauf. Orbea bietet für das „Oiz Team“ diverse Optionen an: etwa eine Fox-„F100“-Gabel, ein erhöhtes Cockpit oder „XTR“-Laufräder. Das nächstgünstigere Modell kostet 3999 Euro.


FAZIT: Ein toller Racer für lange Berge, wurzelige Singletrails und Cross-Country-Kurse. Schwere Fahrer, Schotter-Highspeed und Wiegetritt-Sprints mag das „Oiz Team“ dagegen weniger.

* Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super, sehr gut, gut, befriedigend, mit Schwächen, ungenügend.

Ein kleines Schutzblech schützt den Dämpfer vor Dreck. Das Heck wippt im Wiegetritt stark, die Plattform-Einstellung ist streckenweise essenziell.

Kohlefaser statt Drehpunkt: Die Kettenstreben übernehmen die Funktion eines Hauptlagers. Das „Oiz Carbon“ ist kein Bike von der Stange.

Themen: Carbon-FullyOizOrbea


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