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Die 10 schnellsten Hardtails im Profi-Test 2016

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

Mit dem Test der Race-Hardtails für 2016 leiten wir die neue Test-Saison ein. Wir haben zehn der schnellsten Mountainbikes mit zwei Profis auf einem Cross-Country-Kurs gestetet. Hier die Ergebnisse.

Fast and Furious – ein typischer Hollywood-Blockbuster. Sie kennen ihn nicht? OK, hier ist der Plot: Ein Undercover-Polizist verschafft sich Zugang zur illegalen Straßenrennszene, um Verbrecher hochzunehmen. In waghalsigen Autorennen durch die Stadt muss er sich beweisen, um Ansehen in der Szene zu bekommen. Wie so oft in adrenalingesättigten Actionfilmen geht es auch um Geld. Doch vor allem dreht es sich in diesem Film um Autos, sogenannte Muscle Cars. Optisch aufgedonnerte, auf Serienmodellen basierende Kisten, mit ordentlich Bums unter der Haube.

Was das mit unserem Test zu tun hat? Auch bei uns dreht es sich um potente, hochgezüchtete Boliden für die Rennstrecke. Die Bikes sind die Crème de la Crème der Hersteller, das Tüpfelchen auf dem i, das Cover-Girl auf dem Produktkatalog. Und: Auch in unserem Drehbuch geht’s um viel Geld, Rennen und Prestige.

Schauplatz unseres Vollgas-Thrillers ist Obergessertshausen. Auf der Cross-Country-Strecke, dem "Wohnzimmer" des amtierenden Deutschen U23-Meisters Georg Egger, spielten sich bereits im Sommer spannende Szenen im Rahmen der Bayerischen Meisterschaft ab. Die anspruchsvolle Runde mit Rockgarden, Doubles, North-Shore-Elementen, tückischen Wurzel-Trails sowie giftigen Rampen und schnellen Drückerpassagen ist ein Spielplatz für Biker und bietet ideale Bedingungen für unsere "Muscle Bikes".


Die Testergebnisse dieser Race-Hardtails finden Sie hier:

• BMC Teamelite 01
• Bulls Black Adder Team
• Cannondale F-SI Hi-Mod 1
• Centurion Backfire Carbon Team.29
• Corratec Revolution 29 SL XTR
• Focus Raven Max Team
• Ghost Lector ULC Worldcup
• KTM Myroon 29 Prestige B11
• Rose Mr. Big 3 Di2 29
• Stevens Sonora SL 2.0 Di2

Die besten Race-Hardtails 2016 und die Details

37 Bilder

Alles Hersteller, die auch im Rennsport Bestzeiten setzen. Mit den beiden Profi-Racern Georg Egger und Simon Stiebjahn sind auch die weiteren Besetzungen top – ebenso wie die Preise der aufgemotzten Rennfeilen: insgesamt fast 65000 Euro! Der Knaller ist das Ghost Lector ULC Worldcup, das – Achtung, anschnallen! – 9999 Euro kostet. "Für das Geld könnte ich mir schon zwei Bulls hinstellen", rechnet Stiebjahn vor. "Und könnscht sogar no vierhundert Apfeltasche kaufe", schwäbelt Egger und deutet auf die gefüllten Gebäckstückchen im Kofferraum des BIKE-Transporters.

Aber die müssen warten. "Zehren", sagen die Profis und grinsen. Ernsthaft zehren die beiden allerdings nur in bestimmten Saisonphasen, um sich aufs Wettkampfgewicht zu trimmen. Das nächste Test­rundenrennen steht an. Akribisch, auf die Zehntel genau, stimmen Georg und Simon den Luftdruck in Reifen und Federgabel ab. Beim schlanken Schwalbe Thunder Burt am KTM sind sie skeptisch: "Wenn’s trocken ist, okay. Im Marathon und im Hinblick auf Pannensicherheit und Durchschlagschutz sollten Hobby-Racer bei Reifen ihre Priorität nicht auf Leichtbau legen. Generell sinnvoll: tubeless mit Milch!" Beim Federgabel-Setup mag’s CC-Racer Georg eher hart: "Ich brauche das Feedback in den Kurven. Eine softe Abstimmung gibt mir das nicht." Bei der Federung dominiert Rock Shox mit der RS-1 zahlenmäßig das Feld. Abwechslung bieten nur Centurion (SID Worldcup), BMC (Fox) und Cannondale (Lefty).

Und wieder preschen die Profis los. Auf der langen Schottergeraden beschleunigen sie, bis die Oberschenkelmuskeln die weiße Laktatfahne schwenken. "Wahnsinn, wie die Bikes nach vorne gehen", schwärmt Stiebjahn. Kein Wunder: Mit durchschnittlich 9,3 Kilogramm zeigen sich unsere Hauptdarsteller austrainiert. Rekordverdächtig das Ghost: nur magersüchtige 8,38 Kilo!

Eine lange Rennsaison in den Knochen und dann sowas: Die Profis Stiebjahn und Egger waren während des Tests physisch gefordert. Vollgas, immer nur Vollgas … 

Vollgas geht’s in die Abfahrt. Der enge und schnelle Trail rüttelt uns durch wie ein Presslufthammer. Schmatzend verschlingen die Federgabeln Wurzeln und Steine, während sich Hinterbau und Stütze der Hardtails nur die Filet-Stückchen aus dem Untergrund picken. Gerade beim Thema "Komfort" gibt es deutliche Unterschiede: BMC setzt mit dem Elastomer in den Sitzstreben die Benchmark; Stevens,

Focus und Cannondale montieren dagegen schlanke, flexende Carbon-Stützen als Weichmacher. Im Vergleich fühlen sich Rose und Corratec mit langem Sitzrohr und dicker Sattelstütze knüppelhart an.

Erbarmungslos ist auch die Teststrecke: Noch einmal pressen Egger und Stiebjahn die Steilrampe hinauf, bollern durch den Rockgarden, reiten über die Wellen im Pumptrack und überlisten die Schwerkraft in den Hühnerleiter-Steilkurven. Am Abend des ersten Testtages ist dann auch bei den Profis mal Schluss mit "zehren": Sie ordern Zwiebelrostbraten und Spätzle. "Und was ist mit Eis?", fragen sie in die Runde. Von wegen Profis und Salat! Am Ende waren für beide drei Gänge ausreichend. Ihre Bikes sollten aber schon mit mindestens elf Gängen an die Startlinie rollen: "Im Cross Country wird sich über kurz oder lang 1x11 durchsetzen", ist sich Egger sicher. Sein Motto: "Alles oder nichts!" Marathon-Ass Stiebjahn setzt dagegen weiter auf zwei Kettenblätter: "Bei Marathons oder der Transalp weiß ich ja nie hundertprozentig, was mich erwartet. Warum soll ich mich also mit nur einem Kettenblatt bergauf unnötig quälen und bergab zu Tode kurbeln?" Bei den Hauptdarstellern unseres Test-Movies gibt’s bei dieser Frage ein Remis zwischen Shimano (2x11) und Sram (1x11). Shimano-intern hat dagegen immer noch die mechanische XTR die Nase vorn. Nur Rose und Stevens motzen ihre Bikes mit der elektronischen Di2 auf. Bei den Bremsen ist Shimano klar in der Überzahl und muss nur am Ghost und Focus Sram Platz machen.

Im Film hat sich der Undercover-Polizist letztlich den Respekt "erfahren" und findet Gefallen an schnellen Autos und wilden Duellen. Spaß am Rennfahren hatten unsere Profis dagegen schon immer. Dennoch konnten die "Fast and
Furious"-Bikes unsere Profis in einen Geschwindigkeitsrausch versetzen und sich damit ihre Anerkennung verdienen. Ob Actionfilm oder Test-Thriller – im Rennen zählt: Wer bremst, verliert!

Unter CC-Rennbedingungen gehörte das Cannondale zu den Lieblingen der Tester. Besonders die steife, sehr direkte Lefty-Gabel erntete Lob.


Fazit David Voll, BIKE-Testautor:
"Mit dem Test der Luxus-Hardtails stehen die Top-Modelle der Hersteller auf dem Prüfstand. Sie definieren den Status quo 2016. Im Vergleich zur Vorjahrestest­gruppe ist das Gesamtgewicht der Bikes ähnlich: Durchschnittlich 9,3 Kilogramm zeigt die Waage an. BMC beweist mit dem MTT-System, dass Komfort nach wie vor ein Thema ist. Bei den Komponenten scheint sich Rock Shox im Race-Bereich mit der RS-1 klar durchzusetzen. Gut finden wir, dass die Hersteller offenbar auf die Kritik am Einfach-Trend vom Vorjahr reagiert haben und nun wieder häufiger auf 2x11 setzen – so hat der Käufer beide Optionen. Auf dem verwinkelten CC-Kurs ließen sich BMC, Cannondale, Focus, Ghost und Stevens am besten um die Bäume zirkeln. Dabei boten BMC und Focus den höchsten Komfort. Wer sich dagegen eher bei Marathons austobt, liegt beim Centurion und Bulls genau richtig."

David Voll, BIKE-Testautor


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