Fahrbericht: Mit dem Cannondale F-Si auf der Worldcup-Strecke Fahrbericht: Mit dem Cannondale F-Si auf der Worldcup-Strecke Fahrbericht: Mit dem Cannondale F-Si auf der Worldcup-Strecke

Fahrbericht: Mit dem Cannondale F-Si auf der Worldcup-Strecke

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 7 Jahren

Die trockenen Fakten sind das eine, ein ausgiebiger Fahrbericht das andere: Wir haben das Cannondale F-Si Carbon Team auf dem Worldcup-Kurs und beim Marathon gefahren.

Im Vorfeld des CC-Worldcups in Albstadt hat Cannondale sein neues Race-Hardtail präsentiert: das F-Si. Nachdem wir bereits alle Details, Modelle und Neuerungen des neuen Worldcup-Racers von Cannondale vorgestellt haben, haben wir das Bike über die Trails gejagt. Hier geht's zu den Fakten: Cannondale stellt Race-Hardtail F-Si vor

Antreten und über den Trail fliegen: Cannondales F-Si im Fahrbericht

Für mich gestaltet sich bereits die Größenwahl beim F-Si zum Problem: Das M ist mir mit meinen 1,80 Meter etwas kompakt, das L dagegen ist mit knapp 19 Zoll etwas lang für mich. Am Ende entscheide ich mich dafür, die feuchten Trails um Albstadt mit der Rahmengröße L in Angriff zu nehmen. Von Beginn an schieben ich den Sattel ganz nach vorne, was bei der "Save 2"-Stütze mit ihrem Versatz von zwei Zentimetern aber nichts dramatisch ändert. Mit 1,8 Bar in den mit Milch befüllten Schwalbe-Reifen klettern wir anschließend am Ortsrand von Albstadt steil hinauf. Das Testbike - ein F-Si Carbon Team - schraubt sich im Wiegetritt blitzschnell die Asphaltstraße hinaub und bleibt dabei erstaunlich ruhig und spurtreu. Das muss an der Kombination aus langem Nachlauf und flachem Lenkwinkel liegen, wie mir Peter Denk vorher erklärt hat.

Aggressives Race-29er: Das F-Si im ersten Fahrtest

10 Bilder

Egal, auf jeden Fall wandelt das steife Carbon-Chassis jeden Tritt in Vortrieb um. Antreten, Speed halten und Haken über die waldigen Trails schlagen: Das beherrscht das F-Si wie aus dem Effeff. Im Downhill fällt sofort das verspielte Handling auf, das in keiner Sekunde aufgeregt wirkt und gebändigt werden will. Ganz im Gegenteil: Jede Geländekante lädt zum Abziehen ein, weil man weiß, dass einen die Lefty schon sanft in der richtigen Spur halten wird. Ich bin begeistert: Das F-Si gehört zum Besten, was ich mit großen Laufrädern je fahren durfte. Der einzig limitierende Faktor auf den feuchten Alb-Trails waren die schmalen, aalglatten Racing Ralph-Pneus in 2,1 Zoll Breite. Hier würde ein 2,25er in jeder Situation mehr Sicherheit geben. Auch die deutlich tiefere Front im Vergleich zum Vorgänger empfinde ich als positiv. Schließlich gehört ein gewisses Maß an Sattelüberhöhung zu einem Racebike wie die Schmerzen in den Beinen beim Marathon.

Privatfoto Test-Redakteur Stefan Loibl nach dem Gonso Albstadt Classic-Marathon.

Wald-Autobahnen können das F-Si beim Marathon nicht fordern

Heute durften wir den Marathon mit dem F-Si mitfahren und gestern kurz einige Runden auf der CC-Worldcup-Strecke in Albstadt drehen. Da der Marathon zum Großteil über Asphalt- und Schotterpisten führte, war ich oft mit blockierter Lefty-Gabel unterwegs. Dank hydraulischer X-Loc-Fernbedienung funktioniert das in jeder Situation zuverlässig und immer blitzschnell. Das angenehme, gutmütige und gleichzeitig agile Handling konnte das F-Si nur auf wenigen Highspeed-Passagen ausspielen. Die meiste Zeit kurbelte man mit ordentlich Druck auf Kurbel und Kette sanfte Anstiege empor und jagte in Kleingruppen über die harmlose Strecke. Speziell die tiefere Front, der unbändige Vorwärtsdrang im Wiegetritt und die direkte Kraftübertragung fielen dabei posititv auf. Durch die 1x11-Übersetzung mit 32er-Kettenblatt gingen mir in den superschnellen Passagen die Gänge zum Mittreten aus. Aber das war egal, ich freute mich für einige Sekunden durchatmen zu können.

Privatfoto Beide begeistert vom neuen Race-Hardtail von Cannondale: Manuel Fumic (links) und BIKE-Testredakteur Stefan Loibl.

Die Worldcup-Strecke als Härtetest

Eine wahre Herausforderung waren die Runden auf dem Worldcup-Kurs in Albstadt. Die giftigen Rampen fordern vollen Krafteinsatz, die feuchten Technik-Passagen dagegen teils Zentimeter-genaues Handling. Auf diesem anspruchsvollen Terrain fühlt sich das F-Si auf Anhieb wohl - im Gegensatz zum Fahrer. Die Steilabfahrten, die Rock-Gardens und die kleinen Holzrampen lassen den Cannondale-Racer richtig aufblühen. Die Lefty schmatzt dauerhaft und bietet selbst bei superschnellen Schlägen fast immer Bodenkontakt und Kontrolle am Vorderrad. In den Serpentinen bergauf lenkt sich das F-Si einfach, ein "Wegknicken" kann man durch die größere Gabelvorbiegung fast nicht provozieren. Schwups, schon rutscht mir der Vorderreifen in einer Rechtskurve weg und ich liege da. Nichts passiert, aufstehen und weiter. Aber das passiert eben, wenn man mit einem 2,1er Racing Ralph über matschige Passagen zirkelt und mit 180er-Puls technisch sauber fahren muss.

Als ich nach drei Runden immer besser mit der Strecke zurechtkomme, lasse ich es bleiben und überlasse den knackigen Kurs wieder den Profis. Eine tolle Erfahrung, die meinen Respekt für die CC-Stars noch steigert, die am Sonntag beim Rennen mit Vollspeed über den Kurs heizen werden.

Fazit zum Cannondale F-Si

Der Vorgänger, das Flash, gehörte zu den schnellsten und besten Racebikes der Welt, war aber bereits in die Jahre gekommen. Cannondale hat konsequent und akkribisch an den 29er-bedingten Schwächen gearbeitet und eigenständige Lösund und Ansätze ins F-Si gesteckt, die es zurück in die Top-Liga katapultieren. Das außerordentlich gutmütige, verspielte und gleichzeitig aggresive Handling gehört zum Besten, was ich bei Hardtails je in die Finger bekommen habe. Als Paket mit der überarbeiteten Lefty-Forke dem steiferen Eindruck gibt es ab sofort für Manuel Fumic und Marco Fontana keine Ausreden mehr im Worldcup. Auch der Komfort bleibt bei allem Fokus auf die Steifigkeit nicht auf der Strecke. Das qualifiziert das F-Si auch für Mehrtagesrennen wie die Transalp.

Privatfoto Fühlen wie ein Profi: Unser Testbike mit Flagge und Name.

Themen: 29 ZollCannondaleCross CountryFlashHardtailRace


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