Epic? Das neue Specialized-Hardtail im Test Epic? Das neue Specialized-Hardtail im Test Epic? Das neue Specialized-Hardtail im Test

Erster Test: Specialized Epic HT

Epic? Das neue Specialized-Hardtail im Test

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 6 Jahren

Mit Entwickler Peter Denk im Boot hat Specialized das neue Epic HT vorgestellt und ein Rekordgewicht für den S-Works-Rahmen ausgerufen. Wir konnten beim Roc d'Azur die Pro Carbon-Version testen.

Bereits Ende Juli ließ Specialized die Katze aus dem Sack: das neue Epic HT . Mit dem Hardtail wollen die Amerikaner den Gewichtsrekord geknackt haben und das leichteste MTB-Hardtail der Welt auf die Räder stellen. Der S-Works-Rahmen soll gerade einmal 828 Gramm auf die Waage bringen. Damit ist das Kohlefaser-Chassis der leichteste Rahmen, den Specialized je gebaut hat – Rennräder eingeschlossen. Doch eine Verifizierung des angepriesenen Gewichts im BIKE-Labor steht noch aus, denn bisher konnte Specialized keinen Rahmen liefern. Allerdings soll selbst der etwas einfachere Carbon-Rahmen, der in den Comp-, Expert- und Pro-Modellen zum Einsatz kommt, leichter sein als der S-Works-Rahmen des alten Stumpjumper-Hardtails. Wir konnten beim Roc d'Azur in Fréjus das Epic HT Pro Carbon World Cup erstmals testen. Auch die Messungen im BIKE-Labor hat das Bike mittlerweile durchlaufen. Und siehe da: Der Rahmen der Pro Carbon-Version in Rahmengröße L bringt 1317 Gramm auf die Waage. Gemessen mit Steckachse und Sattelstützenklemme. Damit unterbietet das neue Specialized-Hardtail die Werte des S-Works-Vorgängers (1336 Gramm).

Michal Cerveny Unser Testbike: das Specialized Epic HT Pro Carbon World Cup in orange. Leider soll in Deutschland nur die mattschwarze Version erhältlich sein.

Einschlagschutz am Unterrohr

Allerdings hat sich beim neuen Epic HT nicht nur der Name geändert, Specialized hat mit Entwickler Peter Denk ein komplett neues Bike auf die Beine gestellt, dass mit dem alten Stumpjumper-Hardtail nicht mehr viel gemeinsam hat. Alleine an den Rohrformen hat das Entwickler-Team lange gebastelt, um Gewicht zu sparen. Dazu kommen die integrierte Kabelführung ohne durchgängige Außenhüllen oder Führung im Rahmen, leichte Steckachsen und ein leichter Steuersatz, der mit seiner flachen Endkappe die Weichen für ein tiefes Cockpit stellt. Außerdem bekommt jede Rahmengröße ihr eigenes Carbon-Layup. Damit will Specialized erreichen, dass das Bike über alle Rahmengrößen dieselben Fahreigenschaften mitbringt und größere Fahrer beispielsweise ein genauso steifes Chassis unter sich haben wie Cross Country-Flöhe. Für ein präzises Handling und erhöhte Steifigkeit setzt Specialized zudem auf Boost. Wer das Epic HT ohne Umwerfer fährt, profitiert von einem cleanen Sitzrohr, da der Adapter zur Umwerfer-Montage abschraubbar ist. Auffälligstes Detail beim Epic HT dürfte aber der Gabelkronen-Anschlag am Unterrohr sein, der verhindert, dass sich bei einem Sturz ein Bremshebel ins Oberrohr bohrt. Der Einschlagschutz aus einem Nylon-Gummi-Gemisch soll im Ernstfall die Energie auf die beiden Schrauben verteilen, so dass der Rahmen unbeschädigt bleibt. Wenn's hart auf hart kommt, soll der auswechselbare Anschlag auch brechen. Beim Rahmendesign wurde zudem Wert darauf gelegt, die Kettenstreben möglichst "schlank" zu halten, so dass man beim Pedalieren viel Fersenfreiheit hat, um nicht an der Strebe zu scheuern.

Michal Cerveny Wer das Epic Ht mit Einfach-Antrieb fährt, kann auf den Adapter zur Umwerfermontage verzichten. Auch für eine Variostütze mit interner Zuganlenkung ist das Race-Hardtail vorbereitet.

Michal Cerveny Der hintere Bremssattel sitzt weit innen zwischen Sitz- und Kettenstrebe.

Michal Cerveny Die flache Steuersatz-Endkappe und ein kurzes Steuerrohr machen den Weg frei für ein tiefes Cockpit.

Michal Cerveny Der Lenkanschlagbegrenzer am Unterrohr: gewöhnungsbedürftige Optik, aber effektiver Schutz vor einschlagenden Bremshebeln im Oberrohr.

Michal Cerveny Schlanke Kettenstreben: Speziell Fahrer, die ihre Ferse beim Pedalieren eindrehen, sollten beim Epic HT nicht an den Kettenstreben streifen.

Zu viel Komfort macht langsam

In den vergangenen Jahren haben BMC oder Trek sogenannte "Softtails" präsentiert, die den Hardtails ein Minimum an Heckfederung mitgeben. Auch Canyon setzt beim Exceed CF auf eine superkomfortable Blattfeder-Stütze für mehr Sitzkomfort. Diesen Weg wollte Specialized beim neuen Epic HT nicht einschlagen. „Wir haben in Zusammenarbeit mit McLaren eine Studie durchgeführt, die uns gezeigt hat, dass zu viel Komfort langsam macht. Deshalb wollen wir nicht, das der Sattel zu weit nach hinten flext“, sagt Peter Denk. Deshalb habe man auf spezielle Komfort-Sattelstützen, Elastomere oder Gelenke im Hinterbau verzichtet. Herzstück der Studie, die auch wichtige Erkenntnisse für das neue Roubaix-Rennrad lieferte, waren Simulationen von Bikes samt Fahrer beim Überrollen von Hindernissen und die Auswirkungen. Bei allen Epic HT-Modellen kommen Sattelstützen mit 27,2 mm Durchmesser ohne Versatz zum Einsatz.

Michal Cerveny Laut Specialized soll das neue Epic HT im unabhängigen Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit eine neue Benchmark in Sachen Stiffness-to-weight gesetzt haben. Nicht nur als S-Works-Version, sondern auch der "normale" Epic HT-Rahmen.

Neue Geometrie

Da das Stumpjumper-Hardtail in die Jahre gekommen war und moderne Cross Country-Strecken ein deutlich höheres Maß an Fahrtechnik verlangen, war den Specialized-Ingenieuren eine moderne Geometrie wichtig. Der Reach wurde deutlich länger (441 statt 432 mm), der Lenkwinkel um 1,4 Grad abgeflacht und der Radstand auf 1131 mm verlängert. Die Kettenstreben mit 426 mm Länge zählen zu den kürzesten, was der 29er-Markt momentan hergibt. Mit dieser Geometrie soll das neue Epic HT besser klettern als die Vorgänger-Version, aber vor allem in technisch kniffligen Abfahrten deutlich sicherer und schneller unterwegs sein. Wir sind gespannt, ob Fully-Verfechter wie Jaroslav Kulhavy und Annika Langvad in der nächsten Saison beim ein oder anderen Worldcup aufs Hardtail wechseln. Der kletterlastige Kurs in Albstadt würde sich anbieten.

Geometrie-Daten des Specialized Epic HT (Größe L)


Reach: 441 mm
Stack: 622 mm
Lenkwinkel: 69,8 Grad
Sitzwinkel: 74 Grad
Kettenstreben: 426 mm
Steuerrohrlänge: 110 mm
Radstand: 1131 mm
Tretlagerhöhe: 310 mm

Mit dem Epic HT auf der Rennstrecke beim Roc d'Azur

Im Rahmen des Roc d'Azur-Festivals in Südfrankreich hatten wir erstmals die Möglichkeit, die neue Rennfeile von Specialized zu testen. Am Donnerstag bei einem Marathon (40 km/800 hm) auf der staubig-steinigen Marathon-Piste, freitags auf einer Runde im angrenzenden Esterel-Gebirge. Unser Testbike – das Epic HT Pro Carbon World Cup für 4999 Euro – brachte 9,59 Kilo (in Größe L) auf die Waage. Der Reach fällt angenehm lang aus und positioniert den Piloten sportlich-gestreckt zwischen den großen Laufrädern. Im Vergleich zum Stumpjumper-Hardtail kann das Epic mit einer tieferen Front überzeugen, der 720er-Lenker verleiht viel Sicherheit bergab. Über die ausgewaschenen Schotterpisten, die gespickt sind mit fiesen Rampen, kommen schnell einige Höhenmeter zusammen. Was auffällt: Das Bike klettert zwar nicht überraschend leichtfüßig, doch die Bodenhaftung imponiert. Selbst in den Himmelsleitern der Strecke klebt das Vorderrad am Boden und man kann sich aufs Herumwürgen der Kurbel konzentrieren. Auch dank der Brain-Gabel, die ohne Lenker-Fernbedienung auskommt und – je nach Einstellung – im Wiegetritt trotzdem verhärtet. Dank Sram X01 Eagle mit 50er-Ritzel kommt man selbst angezählt die fiesesten Stiche hinauf. Doch das Epic-Hardtail ist kein Komfortwunder, die 27,2er-Alu-Stütze flext nur soviel wie unbedingt nötig, um nicht auf dem Sattel zu sitzen wie ein Rodeo-Cowboy.

Michal Cerveny Verblockte, ruppige Trails an der Côte d'Azur: Gelände, in dem sich das Epic HT wohl fühlt und schnell ist.

Bergab führt die Marathon-Strecke beim Roc d'Azur durch ausgewaschene Bachbette, mit Highspeed über steinig-staubige Schotterpisten und kantige Felsstufen. Obwohl die meisten Hobbyracer hier zum Fully greifen würden, fühlt sich das Epic HT dort wohl. Laufruhig rauscht man mit dem Race-Hardtail über grobe Schotterpisten, direkt und souverän zirkelt es durch die rot-leuchtenden Steinfelder. Die Geometrie ist stimmig, verleiht dem Piloten stets ein sicheres Gefühl – egal wie ruppig oder schnell es hinab geht. Hart im Nehmen ist auch die hauseigene Reifen-Kombi des Fast Trak, die wir tubeless gefahren sind. Die 2,2 Zoll breiten Pneus saßen bei unserem Testbike auf hakenlosen Roval-Carbonfelgen.

Fazit zum Specialized Epic HT

Das Epic HT ist ein würdiger Nachfolger des legendären Stumpjumper-Hardtails. Es ist ein waschechtes Race-Hardtail, das sich nicht verkünstelt. Steif, moderne Geometrie und souveräne Abfahrtseigenschaften. Auch in Sachen Preis/Leistung muss sich die Pro Carbon World Cup-Version nicht vor der Konkurrenz verstecken. Mit Carbon-Laufrädern, 1x12-Antrieb und SID Brain-Gabel bekommt man für 5000 Euro ein Race-Bike, das im vordersten Marathon-Startblock gut aufgehoben ist. Leider wird es in Deutschland den orangen Rahmen nicht geben, sondern nur den mattschwarzen.

Michal Cerveny Hier die mattschwarze Version des Epic HT in der Pro Carbon World Cup-Version, die man in Deutschland kaufen kann.

Themen: 29 ZollCarbonEpicHardtailNeuheiten 2017SpecializedTest


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