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Enduro-Elite: Acht potente 160-mm-Bikes im Test

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 4 Jahren

Trotz konstruktiver Hürden bietet der Enduro-Markt drei verschiedene Laufraddimensionen an. Auf der Suche nach dem besten Konzept haben wir acht Enduro-MTBs mit 160 mm Federweg getestet.

Je weiter man sich von der Mitte entfernt, desto spezieller werden die Dinge. Beim Thema Enduro, wo es um 160 Millimeter Federweg geht, scheinen jedoch andere Gesetze zu gelten. Doch immer der Reihe nach. Wir sprechen von der Kategorie, die bei BIKE das obere Ende der Testbandbreite markiert. Um üppigen Federweg und ein agiles Handling in Einklang zu bringen, müssen die Bike-Konstrukteure oftmals um jeden Millimeter feilschen. Stichwort Kettenstrebenlänge. Denkt man an die ersten Entwürfe der Bikes mit dem neuen Laufradmaß 27,5 Zoll zurück, gab es zum Teil Lähmungserscheinungen statt quirligem Trail-Genuss. Lange Kettenstreben hielten das Vorderrad am Boden, während die schweren Laufräder nur behäbig auf Touren kamen. Umso erstaunlicher präsentiert sich das aktuelle Enduro-Angebot. Trotz ordentlich Hub im Gepäck sind nicht nur Bikes mit dem aktuellen Standardmaß 27,5 Zoll vertreten, sondern ebenfalls ein paar 29-Zöller sowie neuerdings sogar das Maß 27,5-Plus. Volle Auswahl also, selbst im Enduro-Lager.

Um zu überprüfen, welches Konzept das größte Potenzial besitzt, luden wir acht Highend-Enduros zwischen 5499 und 7999 Euro zum Test ein. Darunter sechs Bikes mit konventioneller Bereifung sowie ein Specialized auf großen 29 Zöllern und das Scott Genius LT im Plus-Reifen-Format. Zum Überprüfen der Touren-Tauglichkeit ging es auf die Isar-Trails, die Abfahrts-Performance loteten wir auf dem Tschilli-Trail in Latsch aus. Mit seinem abwechslungsreichen Charakter die ideale Strecke, um Handling, Fahrwerk und Pannensicherheit von Laufrädern und Reifen gleichermaßen zu testen.

Diese Enduro-MTBs finden Sie im Test:

  • Cube Stereo C:68 Action Team
  • Focus Sam C Team
  • Liteville 301 MK13 (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Mondraker Dune Carbon RR
  • Propain Tyee CF Light (BIKE-TIPP: Tour)
  • Rocky Mountain Altitude 790 MSL Rally
  • Scott Genius LT 700 Tuned Plus
  • Specialized Enduro Expert Carbon 29 (BIKE-TIPP: Allround)

BIKE-Test: Enduro-Bikes mit 160 mm Federweg

8 Bilder

Bereits in den vergangenen Testgruppen sind wir auf die Allround-Tauglichkeit von aktuellen Enduros eingegangen. Dank moderner Geometrien klettern die Bikes auch ohne Gabelabsenkung sehr ordentlich, weshalb alle Testkandidaten auf dieses Feature verzichten. Zudem lassen sich die Hinterbauten im Bedarfsfall per Plattform straffen. Bei Cube, Rocky Mountain und Scott gelingt diese Übung mit Leichtigkeit vom Lenker aus, was im Renneinsatz echte Vorteile bringt. Scott geht beim Genius LT Plus sogar noch einen Schritt weiter und passt per Twinloc-Hebel gleichzeitig auch die Gabel an.

Ein zentrales Thema, das einem Bike Alleskönnerfähigkeiten verleiht, ist jedoch das Gewicht. Je teurer die Testgruppe, desto leichter lässt sich diese Anforderung unter einen Hut bringen. Mit nur 12,2 Kilo inklusive Pedalen zeigt Versender Propain eindrucksvoll, was möglich ist und impft dem Tyee CF Light erstklassige Klettereigenschaften ein. Im Durchschnitt bewegt sich die Testgruppe bei respektablen 13 Kilo. Im Vergleich zum vergangenen Highend-Enduro-Test in BIKE 12/14 hat der neue Jahrgang ein halbes Kilo abgespeckt, wodurch sich der Einsatzbereich nochmals erweitert.

Der Einfluss des Cockpits ist immens: Eine zu tiefe Front, zu dicke Griffe oder zu schmaler Lenker schränken ungemein ein. 

Das zentrale Thema Gewicht spielt selbstverständlich auch in das Laufradkonzept mit rein. Sobald der Durchmesser größer oder die Reifen und Felgen breiter werden, steigt das Gewicht der rotierenden Masse. Zumindest, wenn man in Sachen Reifenstabilität und Pannenschutz keine Kompromisse eingehen möchte. Mit 4863 Gramm belasten die Plus-Laufräder (komplett inklusive Reifen) trotz Tubeless-Setup die Waage am stärksten. Dabei zählen die montierten 2,8er-Schwalbe-Nobby -Nic mit ihrer dünnen, flexiblen Karkasse sogar schon zu den Leichtgewichten im Plus-Bereich. Wer mehr Stabilität und Pannenschutz wünscht, muss zwangsläufig nochmals 300 Gramm draufpacken. Im Vergleich dazu liegt der 29er-Laufradsatz des Specializeds mit 4274 Gramm im guten Mittelfeld. Nur das Gewicht alleine schützt jedoch nicht vor einer hohen Trägheit, wie die Versuche auf unserem Beschleunigungsmesser belegen. Weil die Masse weiter von der Nabe entfernt ist, lassen sich die 29er nur ähnlich gut beschleunigen wie der Plus-Laufradsatz. Lediglich der ebenfalls schwere, normale 27,5er-Laufradsatz im Focus ist noch schlechter in Schwung zu bringen. Bergab können alle drei Laufradgrößen bestehen, wobei sich die Plus-Reifen durch das komfortablere, aber auch bei hoher Geschwindigkeit schwammigere Fahrgefühl am stärksten abheben. Auch das 29er vermittelt ein hohes Maß an Sicherheit. Noch mehr beeindruckt aber das spielerische Handling, das man bei den großen Lauf­rädern keinesfalls vermuten würde, was weniger für das Maß an sich, sondern für die Umsetzung im Fall des Specialized spricht.

Vollgasfest und laufruhig, oder doch maximal verspielt? Rocky Mountain, Specialized und Focus fahren sich am quirligsten. 


Fazit Peter Nilges, BIKE-Testleiter:
Vom Prinzip her können alle drei Laufrad­dimensionen auch im Enduro-Einsatz bestehen. Es kommt aber nach wie vor darauf an, ob das entsprechende Konzept auch gut umgesetzt wird. Die Laufradgröße alleine macht definitiv noch kein gutes Bike. In Sachen Gewicht sind den Plus-Reifen allerdings Grenzen gesetzt. Denn ein stabiler und pannensicherer Drei-Zöller wird mit entsprechend breiter Felge immer wesentlich schwerer und damit träger sein, als ein üblicher 2,3er-Reifen und auch schwerer als die meisten Enduro-fähigen 29er-Pneus. Vor allem im harten Renneinsatz, wo ein hoher Pannenschutz zählt, werden Breitreifen es daher schwer haben. Vielleicht liegt die goldene Mitte ja doch bei 2,5–2,6 Zoll Breite?

Peter Nilges, BIKE-Testredakteur

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Schlagwörter: 160 mm BIKE 8/2016 Enduro Test 2016


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