Fahrbericht: Das neue Felt Compulsion im Gardasee-Trail-Check Fahrbericht: Das neue Felt Compulsion im Gardasee-Trail-Check Fahrbericht: Das neue Felt Compulsion im Gardasee-Trail-Check

Fahrbericht: Das neue Felt Compulsion im Gardasee-Trail-Check

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 7 Jahren

Ist es ein Enduro oder ein All Mountain? Beim neuen Felt Compulsion ist man sich nicht so sicher. Die 160er-Federwege sagen: Enduro. Das Gewicht und das Klettervermögen sagen: All Mountain. Wir haben das erste fahrbereite Bike über die Gardasee-Trails gescheucht.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen: Wer am Gardasee Trails genießen will, muss sie sich erarbeiten – oder in einen Shuttle steigen. Weil ich aber probieren will, wie gut das neue Felt Compulsion bergauf klettert, kommt der Shuttle nicht in Frage. Also rolle ich von Riva durch Torbole, schraube mich vom Ortskern die gepflasterte Straße hinauf Richtung Parco Busatte, lasse unsere klassische Testrunde rechts liegen und biege auf die legendäre Asphaltstraße Richtung Baldo/Altissimo ab.

Christoph Listmann Das neue Felt Compulsion sieht schon mal cool aus.

Wer kennt diese Strecke nicht? Es ist vermutlich einer der meistgefahrenen Anstiege überhaupt. Tausende Biker schrauben sich hier seit über 25 Jahren hinauf, der Gardasee ist schließlich einer der wenigen Orte, wo man sich von quasi Meereshöhe auf über 2000 Meter schinden kann. Man kennt die Typen, die hier mit Helm am Lenker ihr Hardtail bergauf kurbeln und (immer noch mit Helm am Lenker) wieder hinunter rasen (…Kopfschüttel…). Das ist aber eigentlich auch klar, denn die Trails, die man von dieser Straße erreichen kann, eignen sich weder für Hardtails noch für Leute ohne Helm. Sie eignen sich aber bestens fürs Felt Compulsion. Schauen wir es uns also mal genauer an.

Das strahlend blaue Alu-Fahrwerk wurde nicht einfach nur auf die neue Laufradgröße 27,5 Zoll umgestellt. Besonderes Augenmerk wurde bei der Entwicklung auf das Felt-eigene Federungssystem Equilink gelegt. Hier soll einiges an Gewicht eingespart worden sein. Insgesamt bringt das Top-Modell Compulsion 10 etwa 12,9 Kilo auf die Waage. Der hydrogeformte Rahmen bietet 160 Millimeter Federweg und ist standesgemäß mit einer 142x12-Millimeter-Steckachse ausgerüstet. An der Front soll die Rock Shox Pike mit ebenfalls 160 Millimeter Federweg verhindern, dass man sich an gröberen Brocken verschluckt. Für den richtigen Grip sorgen am Testbike Schwalbes Hans-Dampf-Reifen.

Christoph Listmann Der Hinterbau besitzt 160 mm Federweg, genauso die Gabel.

Die Kategorie Enduro ist seit jeher am Lago daheim, zumindest für alle, die Shuttle-Busse verabscheuen. Ich bin überrascht, wie gut das Felt klettert, die Sitzposition ist gelungen und die Einfach-Übersetzung reicht auch soweit aus, dass mir trotz der steilen Rampen immer noch ein Gang (das 42er Ritzel) als Reserve bleibt. So lange man im Sattel sitzen bleibt, zeigt sich das Fahrwerk unauffällig. Im Wiegetritt kommt Bewegung ins Heck, das liegt am Fahrwerks-Konzept. Der Rock-Shox-Dämpfer besitzt drei Plattform-Stufen, die härteste kommt einem Lockout am nächsten und empfiehlt sich für solche Uphills unbedingt.

Christoph Listmann Einfach-Antriebe sind eine tolle Sache, sofern die Übersetzung zur Topographie oder der eigenen Wattleistung passt. Eine ISCG Aufnahme lässt sich bei Felt nachrüsten.

Nach gut einer Stunde über die grobe Asphaltstraße erreichen wir den Einstieg zum Coast-Trail. Kurze Rast, einen Riegel kauen, trinken, Jacke anziehen und das Fahrwerk öffnen. Luftdruck in den Reifen etwas absenken, Sattelstütze einfahren. Schon auf den ersten Metern Trail – ein Mix aus Waldboden und schlammüberzogenen Felsen – bin ich um die Reifen froh und um die Lenkpräzision. Dank der Pike-Gabel fährt das Compulsion wohin man es haben will. Zwischendurch schadet aber auch eine lockere Hand am Lenker nicht, denn das schmierige Geläuf gibt eh den Weg vor. Durch das moderate Tempo nutzt man die Federwege zwar nicht aus, sie sind aber da wenn man sie braucht.

Christoph Listmann Kurze Rast für Fahrer und Bike nach über 1000 Höhenmetern bergauf, kurz vorm Einstieg in den Coast Trail.

Weiter geht‘s: Der obere Teil des Coast ist Geschichte, auf dem Forstweg biegen wir rechts ab, um zum 601er zu gelangen. Zwei, drei Kilometer strampeln wir tendenziell bergauf, Coast und 601 zu verbinden ist sicher kein Klassiker, aber möglich, warum also nicht? Mit einem Handgriff also wieder Gabel und Dämpfer straffen, Sattel ausfahren, Reißverschluss öffnen. Dann geht es in den 601er. Er ist trocken und griffig, weil ihn nicht so viele Leute befahren hat sich der feuchte Erdboden nicht über die Felsen verteilt. Wer den 601er kennt, weiß aber: Er macht mit einem Enduro keinen Spaß. Auch mit dem Felt bin ich mehr Passagier denn Pilot, auch hier wähle ich ein moderates Tempo, steige lieber auch mal ab – mangels Protektoren und Full-Face-Helm…

Christoph Listmann Schnappschuss am 601, im Hintergrund der Monte Brione.

Ein Downhill-Bike wäre die richtige Waffe für diesen Weg. Dennoch zeigt sich das Compulsion auch hier spurstabil, sicher und das Fahrwerk arbeitet sehr gut. Besonders die Gabel verdient erneut Lob wegen ihrer sensiblen Funktion und Steifigkeit.

Christoph Listmann Das Compulsion macht erst so richtig Spaß, wenn das Fahrwerk auch gefordert wird.


Fazit: Der Parco Busatte ist erreicht, die letzten Meter jagen wir über bekanntes Terrain, nämlich unsere BIKE-Magazin-Testrunde. Auf dieser wird der Eindruck komplett: Das Felt Compulsion ist ein ausgezeichnetes Lago-Trail-Bike. Steif, lenkpräzise, überzeugendes Fahrwerk mit sensibler Funktion und Reserven fürs ganz Grobe. Man kann damit klassische Touren fahren, Marathon-Tauglichkeit erwartet hier eh niemand. An der Ausstattung – dem Topmodell – gibt es auch nichts zu kritisieren. Felt reiht sich mit dem Compulsion damit in die Riege von Radon Slide Carbon, Cube Stereo 160, Simplon Kuro oder Specialized Enduro ein. Alles Bikes, bei denen die Grenze zwischen All Mountain und Enduro verschwimmt. Nach dem Motto: 160 ist das neue 150 – federwegsmäßig.

Hersteller Hier sind die ersten offiziellen Infos zum Felt Compulsion.

Christoph Listmann Srams neue Guide-Bremse hat bei ihrem ersten Einsatz überzeugt.

Preise und Messwerte haben wir zum Bike noch nicht, das gefahrene Topmodell wird aber wohl sicher im Bereich von 4000-5000 Euro liegen. Hier gibt es die ersten Infos vom Hersteller zum Compulsion 10 inklusive der Geometriedaten.

Themen: All MountainEnduroFahrberichtFeltGardasee


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