Dauertest: Lapierre Spicy 916

  • Josh Welz
 • Publiziert vor 7 Jahren

Mit 12,4 Kilo unterbietet das Lapierre-Enduro so manches All Mountain. Doch trotzt das Spicy auch den Härten des Winters?


Dauertest-Leistung: 2.700 km | 22.000 hm

Ich halte es mit der Wartung meines Bikes wie die Menschen im Mittelalter mit der Körperpflege: einmal waschen im Monat reicht. Besonders im Winter bescherte dieser Umstand dem Lapierre ein leidvolles Dasein. Matsch und Salz ließen den Antrieb im Zeitraffer altern und raspelten Bremsbeläge wie Parmesan auf einer Käsereibe. Dauereinsatz bei Schmuddelwetter und frostige Temperaturen scheinen auch anderen Bauteilen eines Mountainbikes nicht gutzutun: Teleskop-Stützen mögen offenbar grundsätzlich keine widrigen Bedingungen – die Kindshock i950 R machte da keine Ausnahme: Mal ließ sie sich nicht absenken, mal wollte sie nicht in der Versenkung verweilen, und auch der Remote-Hebel verrichtete seinen Dienst zunehmend widerwillig.

Als wenig begeisternd empfand ich diesmal auch die Performance der 36er-Fox-Float. Trotz softer Einstellung mühte sich dieses Exemplar vergeblich, sein 160-Millimeter-Versprechen einzulösen. Kritik an einzelnen Bauteilen, für die das Bike eigentlich nichts kann. Denn Basis und Eckdaten des Spicy entsprechen dem Idealtypus eines Enduros: 12,4 Kilo Gesamtgewicht und ein potentes Fahrwerk mit 165 mm Federweg hinten und 160 vorne – das trifft genau meine Erwartungen als Trail-verliebter Trainingsmuffel. Die kompakte Geometrie mit kurzen Kettenstreben, flachem Lenk- und steilem Sitzwinkel ergibt eine gelungene Symbiose aus Uphill- und Downhill-Qualitäten. Auch dank der federleichten Easton-Carbon-Laufräder sprintet das Lapierre los wie ein Renndackel und zirkelt wieselflink durch verblockte Trails. Für Highspeed-Downhills und Parkeinsätze fehlt dem 2688 Gramm (inkl. Dämpfer) leichten Rahmen die End-Steifigkeit.


Fazit: Viele Monate Schmuddelwetter setzten einigen Bauteilen zu. Aber der Mix aus filigranem Leichtbau und robustem Fahrwerk begeistert.


Funktionalität *****
Haltbarkeit ****

(max. 6 Sterne)


TUNING

• 10 km – Lenker getauscht: Für bessere Kontrolle: 74er-Crank-Bros- statt 72er-Easton-Carbon-Lenker
• 400 km – Kettenführung: Doppelt hält besser: Das Shimano-Shadow-Plus-Schaltwerk wird von einer Bionicon-Kettenführung unterstützt.
• 400 km – Breiter Vorderreifen: Der 2.2er wurde vorne durch einen 2.4er-Conti-Rubber-Queen ersetzt. Hinten muss man sich mangels Reifenfreiheit mit 2.2 begnügen.


DEFEKTE
• 1200/2000 km – Bremsbeläge: Die teilorganischen Beläge hatten eine kurze Lebensdauer.
• 1400 km – Kette gewechselt: Nässe und Streusalz machten aus der Kette eine Rostlaube.
• 1600 km – Tretlager knackt: Lager gereinigt, gefettet
• Diverse Mal – Tele-Stütze fest: Klemmung gelockert, Zugaufhängung kontrolliert, Stütze geschmiert, Bowdenzug getauscht

Enges Korsett: Der Hinterbau limitiert die Reifenbreite – ein 2.4er-Conti-Rubber-Queen passt nur aufs Vorderrad, am Hinterrad muss man sich mit 2.2 begnügen.

Rostlaube: An Kette, Ritzel und Kettenblatt nagten monatelang Nässe und Salz.

Rider: Josh Welz, BIKE-Chefredakteur. Fährt Bike seit 1999; Gewicht/Größe 83 kg/1,83 m; Fahrertyp Enduro/Tour; Lieblingsrevier technische Trails


Test: Lapierre Spicy 916

Hersteller/Modell/Jahr
Lapierre Spicy 916 / 2012
Fachhandel/Versender
Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos
Lapierre SAS, 0033/380525186, www.bikes-lapierre.de
Material/Grössen/Testgrösse
Carbon / H: 42, 46, 50 / 46 cm
Preis
5599.00
Preis (Rahmen)
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale
12400.00
Lenk-/Sitzrohrwinkel
65.20
Vorbau-/Oberrohrlänge
70.00
Radstand/Tretlagerhöhe
1143.00
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max
-/161, -/166
Übersetzung
2
BB Drop/Reach/Stack
12.00/393.00/596.00
Ausstattung
Gabel/Dämpfer
Fox 36 Float RLC 160/Fox Float RP2 Boostvalve
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel
Shimano XTR/Shimano XT/Shimano XT
Bremsanlage/Bremshebel
Formula The One/Formula The One
Laufräder/Reifen
Easton Haven - - - -/Continental Rubber Queen 2,2 Continental Rubber Queen 2,2
BIKE Urteil¹
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.

Schlagwörter: Dauertest Lapierre Spicy


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