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So testet BIKE – das Mountainbike-Magazin

BIKE – die Test-Instanz der MTB-Szene

  • Ludwig Döhl
  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 3 Jahren

Um Mountainbikes wirklich objektiv zu beurteilen, betreiben wir bei BIKE einen beispiellosen Aufwand. Ein Blick hinter die Kulissen des aufwändigsten MTB-Tests weltweit.

So macht es sonst keiner: Um Komplett-Bikes wirklich objektiv zu beurteilen, betreiben wir bei BIKE einen beispiellosen Aufwand. Aussagekräftige Praxistests und überprüfbare Labordaten ergeben ein umfassendes, unabhängiges Urteil. So testet BIKE: Ein Blick hinter die Kulissen des aufwändigsten Magazin-Tests weltweit.

Das BIKE-Testlabor

Acht Stunden pro Bike und rund 150 Bikes im Jahr: Im BIKE-Testlabor herrscht durchgängig Hochbetrieb. Jedes Mountainbike, das bei BIKE in den Test geht, durchläuft ein umfassendes Komplettprogramm – und wird dabei bis in seine Einzelteile zerlegt.

Auch die anderen Radsporttitel unseres Verlages ( TOUR , FREERIDE , EMTB und MYBIKE ) greifen auf die wertvollen Daten unserer gemeinsam mit dem Prüfinstitut Zedler entwickelten Prüfstände zurück. Etwa 600 Räder werden so pro Jahr durch das aufwändige Prozedere unseres Testlabors geschleust. Ein unvergleichlicher Datenschatz, geschürft in tausenden Arbeitsstunden.

Warum wir keinen Aufwand scheuen

Doch wozu dieser enorme Aufwand? Reicht es nicht, die Aussagekraft der Herstellerangaben mit reichlich Fahrpraxis zu überprüfen? Nein, das reicht nicht. Nicht überprüfte Werte und subjektive Fahreindrücke liefern nur oberflächliche Erkenntnisse. Die Tagesform der Testfahrer, schlechte Testbedingungen oder persönliche Vorlieben könnten zu leicht das Zünglein an der Waage sein.

Für eine umfassende Beurteilung gleichen wir die in der Praxis gewonnenen Eindrücke des Testteams daher mit den objektiven und reproduzierbaren Ergebnissen des Testlabors ab. Damit werden unsere Testurteile nachvollziehbar und transparent für die Leser, aber auch für die Hersteller.

Markus Greber Bremsleistung: Auf unserem hauseigenen Trommelprüfstand bringen wir jede Bremse ans Limit und können genaue Aussagen über Bremskraft und Standfestigkeit liefern.

Abweichungen von den Herstellerdaten werden ebenso aufgedeckt wie gravierende konstruktive Mängel. Neben den Komplett-Bikes fühlen wir selbstverständlich auch den einzelnen Komponenten auf den Zahn. So können wir Laufräder, Federgabeln oder sogar Bremsen auf den hauseigenen Prüfständen testen.

In acht Schritten durch das BIKE-Testlabor

1. Bestandsaufnahme:
Nachdem das Bike im Karton angeliefert oder persönlich übergeben wurde, beginnt zunächst die Erfassung der Daten. Rahmennummer, Ausstattung und Zubehörumfang, selbst die Gummimischung des Reifens und das Dämpfer-Setup – alle Daten und Details des Bikes werden erfasst. Hat ein Hersteller sein Bike entgegen dem serienmäßigen Aufbau getunt – etwa mit Tubeless-Reifen – wird das Bike von uns in den Serienzustand zurückgebaut, bevor die Messungen beginnen.

2. Erfassen der Geometrie:
Der nächste Schritt führt zum Geometrieprüfstand. Alle Winkel, Maße und die Drehpunkte eines Fullys werden mit einem Laserpointer exakt erfasst. Nicht selten ergeben sich signifikante Abweichungen zu den Herstellerangaben, beispielsweise bis zu zwei Grad beim Lenkwinkel. Auch der Einfluss einer Geometrieverstellung mittels Flipchip oder ähnlichen Systemen wird erfasst.

3. Gesamtgewicht ermitteln:
Bevor das Bike dann komplett zerlegt wird, ermitteln wir das Gesamtgewicht.

4. Komplett zerlegen:
Um das Rahmen-, Dämpfer-, Gabel- und Laufradgewicht zu bestimmen, wird jedes Bike bis auf das letzte Schräubchen zerlegt. Durch die innen verlegten Züge und Bremsleitungen ist der Aufwand für unsere Labor-Crew erheblich gestiegen, denn am Ende müssen alle Einzelteile wieder fahrfertig zusammengepuzzelt werden – und zwar mit perfekt justierter Schaltung und entlüfteter Bremse.

5. Steifigkeit, Federkennlinie und Raderhebungskurve:
Am nächsten Prüfstand werden die zentrale Rahmensteifigkeit sowie Federwege und Kennlinien von Gabel und Hinterbau erfasst. Dazu wird der Rahmen über einen Gabeldummy fixiert. Über den hinteren Reifenaufstandspunkt kann der Rahmen wie in der Realität gekippt werden.

Markus Greber Zentrale Rahmensteifigkeit, Federkennlinien von Gabel und Hinterbau plus Raderhebungskurve: Unser neuester Prüfstand vom Prüfinstitut Zedler misst alle drei Kriterien gleichzeitig. Das erleichtert den Prüfalltag im BIKE-Labor.

Am Tretlager wird der Rahmen beidseitig mit definierter Kraft ausgelenkt. Auch das Lagerspiel am Hinterbau eines Fullys geht in die Messung ein. Anschließend werden die Kennlinien der Federelemente über einen Pneumatikzylinder ermittelt und gleichzeitig die Raderhebungskurve des Hinterbaus aufgezeichnet.

6. Massenträgheit der Laufräder messen:
Ursprünglich für Golfschläger entwickelt, aber auch perfekt geeignet, um die Massenträgheit von Laufrädern zu bestimmen: Mit unserem Präzisionsmessinstrument können wir exakt bestimmen, wie gut sich ein Laufradsatz beschleunigen lässt. Dabei spielt nicht nur das Gewicht, sondern vor allem die Verteilung der Masse eine große Rolle.

Markus Greber Laufradträgheit: Das Gewicht von Laufrädern erzählt nur die halbe Wahrheit. Mit unserem Messinstrument zur Bestimmung der Massenträgheit können wir exakt sagen, wie leicht sich welches Laufrad beschleunigen lässt.

7. Sitzkomfort bei Hardtails:
Da Hardtails keine hintere Federung im eigentlichen Sinne besitzen, messen wir den Sitzkomfort und den Flex des kompletten Rahmens mit der originalen Sattelstütze. Eine ausgeklügelte Faserbelegung bei Carbon-Rahmen und Komfortsattelstützen machen sich hier deutlich bemerkbar.

8. Lackqualität prüfen:
Im letzten Schritt ermitteln wir bei jedem Rahmen die Lackqualität. Ein Schlag- und Scheuertest klärt, wie resistent der Lack gegenüber Steinschlägen und Scheuerstellen, beispielsweise durch die Schuhe an der Kettenstrebe, ist.

Markus Greber Sitzkomfort: Flexible Sattelstützen, Rohrformen und die Faserbelegung bei Carbon-Rahmen können Hardtails komfortabler machen. Unsere Messung deckt selbst feine Unterschiede auf.

Werkstatt-Check: Wartungsfreundlichkeit

Begleitend zu unserer RIDE-GREEN -Kampagne überprüfen wir ab BIKE 6/2021 auch die Wartungsfreundlichkeit der getesteten Mountainbikes. Dabei steht der Rahmen im Fokus.

Eine Ampel im Testbrief gibt Auskunft darüber, wie leicht die häufigsten Wartungsarbeiten erledigt werden können. Grün bedeutet eine gute Wartungsfreundlichkeit, orange eine mittlere und rot eine schwache.

BIKE Magazin Die Ampel im Testbrief gibt ab BIKE 6/2021 Auskunft über die Wartungsfreundlichkeit des jeweiligen Test-Bikes.

Wartungsfreundlichkeit: Folgende Punkte werden an jedem einzelnen Testbike genau bewertet:

1. Zugverlegung:
Sind die Züge und Leitungen (Schaltung, Bremse, Teleskopstütze) innen oder außen verlegt? Muss eine Hinterradbremse für die Verlegung vom Bremsgriff getrennt werden? Gibt es eine interne Führung für die im Rahmen liegenden Züge oder eine Serviceklappe, die die interne Zugverlegung erleichtert?

Georg Grieshaber Eine Serviceklappe hilft bei der internen Zugverlegung.

2. Tretlager:
Sind die Lagerschalen verpresst oder können sie einfach geschraubt werden, was Ein- und Ausbau erleichtert.

Georg Grieshaber Geschraubte Tretlager erleichern Ein- und Ausbau.

3. Steuersatz:
Können die verwendeten Lager werkzeuglos von Hand getauscht werden oder wird Spezialwerkzeug benötigt?

4. Rahmenschützer:
Wie gut ist der Rahmen vor Beschädigungen durch Ketten- und Steinschlag geschützt? Gibt es nur dünne Schutzaufkleber oder verwendet der Hersteller passgenaue Formteile, die zusätzlich dämpfen. Auch das verwendete Rahmenmaterial spielt in diesem Punkt eine Rolle.

5. Schaltauge:
Handelt es sich um ein universelles Schaltauge (Sram Universal Derailleur Hanger), das man in jedem Bikeshop bekommt oder wird ein spezielles verwendet? Gibt es eine Sollbruchstelle für die Befestigungsschraube (Syntace X-12), die eine Beschädigung des Schaltwerks/Schaltauges verhindert?

Hersteller Ein universelles Schaltauge wie den Sram Universal Derailleur Hanger bekommt man in jedem Bikeshop.

Auch wenn ein Bike auf unseren Prüfständen gut funktioniert und bei der Wartungsfreundlichkeit Punkte sammelt, ist das Testurteil noch lange nicht gefällt. Der weitere Weg dahin ist im Wortsinne steinig – oder doch wenigstens schlammig – und führt über ausgiebige Testfahrten mit unseren erfahrenen Testpiloten. Lesen Sie mehr zum BIKE-Praxistest auf der nächsten Seite.

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Themen: BIKE 5/2019LabortestPraxistestprüfungSo testet BIKETestVideozedler


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