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Teil 2: Die Stationen im Labor-Test

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 4 Jahren

Harte Praxistests, Prüfstandsorgien und Computer-Simulation – im BIKE-Test gehen wir dem Charakter der Mountainbikes mit allen Mitteln auf den Grund. Wie aufwändig wir testen, lesen Sie hier.

DER TEST IM DETAIL – JEDES BIKE MUSS INS LABOR

Ein Blick in die heiligen Hallen des Testteams: Im BIKE-Testlabor wird jedes Test-Bike zerlegt und vermessen. Zahlreiche Prüfstände liefern objektive Testergebnisse und helfen, Fahreindrücke zu erklären. Welche Stationen ein Bike im Testlabor durchläuft, zeigt dieses Video.

Grundsätzlich setzt sich der BIKE-Test aus den Elementen Labor (objektiv) und Praxis (subjektiv) zusammen. Die Basisdaten aus dem hauseigenen Testlabor liefern nicht nur Testergebnisse und decken so manche Falschaussage der Hersteller auf. Mit ihnen lassen sich auch die Erkenntnisse aus dem Praxistest erklären – sozusagen als Rückversicherung.

Unser Testlabor ist bestückt mit zahlreichen Prüfständen, dabei unterstützt uns seit Jahren das Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH ( www.zedler.de ). Das Testcenter haben wir für die Saison 2016 um moderne Prüfstände erweitert: Im neuen Steifigkeitsprüfstand, entwickelt von unserem Partner Zedler, steckt auch eine Funktion für die Messung der Kennlinie von Gabel und Hinterbau sowie die Erfassung der Raderhebungskurve. Wegen dieser drei Funktionen haben wir die brandneue Maschine intern "Triceratops" getauft. Nach wie vor ermitteln wir die Rahmensteifigkeit isoliert, ohne Laufräder und Gabel. Der Wert fließt in die Punktetabelle ins Kriterium Fahrstabilität ein.

Ebenfalls neu angeschafft: eine Maschine zur Messung der Massenträgheit. Dazu werden die kompletten Laufräder einzeln beschleunigt und der Kraftaufwand dafür ermittelt. Zwar hat das Laufradgewicht einen relativ geringen Anteil an der Beschleunigung des gesamten Systems, dennoch spart ein leichter Laufradsatz wertvolle Energie. Außerdem entscheidet besonders das Gewicht des Vorderrads über das Handling eines Bikes. Wer schon mal ein Fatbike mit einem Hardtail mit Carbon-Laufrädern verglichen hat, kennt das.

Den Lacktest ergänzen wir um eine Scheuerprüfung. Schließlich leidet ein Rahmen nicht nur unter Steinschlag, sondern es setzen ihm auch scheuernde Hosenbeine oder an der Sitzstrebe kratzende Schuhe zu. Jeder Rahmen wird an exponierten Stellen mechanisch malträtiert – ein Hinweis auf die Widerstandsfähigkeit der Oberfläche.


DAS PRÜFMONSTER NAMENS TRICERATOPS

Einer für (fast) alles: Mittelpunkt des neuen BIKE-Tests ist der vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH ( www.zedler.de ) entwickelte Prüfstand, intern genannt: Triceratops. Hier wird nicht nur die Rahmensteifigkeit ermittelt, sondern im nächsten Arbeitsschritt auch die Federkennlinie von Gabel und Hinterbau akkurat gemessen.

BIKE Magazin Triceratops heißt intern der neue BIKE-Prüfstand, der vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH ( www.zedler.de ) entwickelt wurde. Auf ihm werden die Federkennlinien von Hinterbau (1) und Gabel (2) sowie die Rahmensteifigkeit (3) ermittelt.


1. FEDERKENNLINIE Wir ermitteln Federweg und -kennlinie eines jeden Bikes selbst. Die gibt Auskunft über die Fahrwerkscharakteristik sowie den tatsächlich nutzbaren Federweg. Der neue Prüfstand von unserem Technologiepartner Zedler schreibt die Kennlinie, die dann im Testbrief zu finden ist und zeichnet auch die Raderhebungskurve auf. Die hilft bei der Analyse des Charakters eines Hinterbausystems.


2. GABEL-KENNLINIE Federgabeln spannen wir ebenfalls in den Triceratops ein. Auch hier werden Federweg und -kennlinie aufgezeichnet. Das alles erfolgt pneumatisch, und mittels des daran angeschlossenen Rechners laufen die Grafiken in die Daten zum Test-Bike ein.


3. STEIFIGKEIT Die Rahmengesamtsteifigkeit ermitteln wir isoliert, ohne Anbauteile wie Laufräder oder Gabel. Der Rahmen wird an Steuerrohr und Hinterachse aufgespannt und am Tretlager in beide Richtungen gemessen. In die Punktewertung fließt zu diesem reinen Labormesswert noch der Praxiseindruck ein. Achtung: Die neuen Messwerte sind nicht mehr mit den alten bis 1/16 vergleichbar. Auch die Maßeinheit hat sich verändert: Newton pro mm (N/mm).

ERST INS LABOR, DANN AUF DIE TRAILS

Sechs bis acht Stunden verbringt jedes Test-Bike im BIKE-Labor, wird vermessen, zerlegt, verkratzt und unter
Druck gesetzt. Erst dann jagt es die Testcrew über die standardisierten Strecken. Die Mischung aus objektiven und nachvollziehbaren Messwerten und dem Fahrgefühl der Tester führt zum BIKE-Urteil.

BIKE Magazin Im BIKE-Labor wird jedes Test-Bike zerlegt und vermessen: Geometrieerfassung (1), Scheuertest (2), Laufradträgheit (3) und Komfortprüfstand (4).


1. ERFASSUNG DER GEOMETRIE Schon die Rahmengeometrie sagt viel über den Charakter eines Bikes aus. Dabei übernehmen wir keine Herstellerdaten, sondern ermitteln alle Werte mithilfe eines Laser-Prüfstands. Die Koordinaten sind dann auch Grundlage für die Berechnung der Antriebseinflüsse per Kinematik-Software.


2. DER NEUE SCHEUERTEST Es gibt wenig Ärgerlicheres, als wenn das brandneue Bike schon nach der ersten Schlamm-Tour Kampfspuren trägt. Scheuernde Hosenbeine, an der Sitzstrebe schmirgelnde Fersen oder am Steuerrohr kratzende Schaltzüge setzen dem Lack zu. Wir testen jetzt nicht nur die Lackqualität wie gewohnt mit einem Fallbeiltest, sondern simulieren eben dieses Scheuern an exponierten Stellen. Beide Ergebnisse fließen in das Punktekriterium "Lackqualität" ein.


3. LAUFRADTRÄGHEIT Mit einer neuen Prüfmaschine ermitteln wir die Massenträgheit (Moment of inertia, MOI). Hier werden die kompletten Laufräder der Test-Bikes einzeln beschleunigt und der Kraftaufwand dafür ermittelt. Zwar hat das Laufradgewicht einen geringeren Anteil an der Beschleunigung des gesamten Systems als landläufig vermutet, dennoch spart ein leichter Laufradsatz bis zu 34 Joule Arbeit (bei Beschleunigung von 0 auf 36 km/h in zehn Sekunden). Außerdem entscheidet besonders das Gewicht des Vorderrads (Stichwort Kreiselkräfte) über das Handling eines Bikes. Wer schon mal ein Fatbike mit einem Hardtail mit Carbon-Laufrädern verglichen hat, kennt das. Wir können nun objektiv differenzieren zwischen 27,5er-, 29er- und auch Plus- und Fatbike-Laufrädern.


4. KOMFORTPRÜFSTAND Der vom Zedler-Institut für Fahrradtechnik und -Sicherheit GmbH ( www.zedler.de ) entwickelte Prüfstand entlockt Hardtails die letzten Geheimnisse. Hier wird die Sattelstütze über einen Hebel mit einer Last beaufschlagt. Über einen Wegaufnehmer messen wir jetzt die Auslenkung am Hinterbau. Das ist sozusagen der Federweg eines Hardtails an den Sitzknochen des Fahrers, also das, was er spürt. In die Bewertung von Hardtails fließt dieser Wert ein und zwar im Kriterium "Sitzkomfort".

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    Teil 3: Praxistest und BIKE Punktebewertung
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So testet BIKE: Status Quo Saison 2016


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