Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD
Seite 1:

Test Frauen-Bikes: Scott Genius Contessa / Trek Remedy WSD

Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 2 Jahren

Scott Genius Contessa 710 gegen Trek Remedy 9.8 WSD: Das Prestige-Duell schien eine ausgewogene Sache zu werden. Doch auf dem Trail zeigen die Frauen-Bikes überraschend unterschiedliche Qualitäten.

„Furchtbar, dieser tiefe Einstieg immer bei den Frauen-Bikes“, lästerte ein Biker neulich im Vorbeifahren auf Tour. So viel zum Thema Vorurteile. Das Scott Genius Contessa hat nämlich exakt den gleichen Rahmen wie sein Unisex-Pendant. Scott und auch Trek haben sich schon vor Jahren von speziell weiblichen Rahmen-Geometrien verabschiedet. Es ist die Ausstattung, die mittlerweile den Unterschied macht – bei Scott etwas mehr, bei Trek eher weniger. Das macht den Vergleich dieser beiden doch sehr ähnlichen All-Mountain-Bikes umso interessanter. Spürt man die durchdachten weiblichen Features am Genius überhaupt? Oder reicht das Minimal-Tuning aus Frauen-Sattel und kleineren Griffen am Trek Remedy aus?

Die Kategorie All Mountain bedeutet für die Konstrukteure: ein robustes Bike mit viel Federweg für sportliches, technisches Terrain und möglichst guter Bergauf-Performance. Unser Testparcours bestand daher aus einem längeren Anstieg (Asphalt, Schotter, steiler Trail mit Wurzeln) und einer Abfahrt samt verwinkeltem, wurzeligem Wald-Trail. Okay, das schwerere Bike zuerst, denkt man sich als Tes­terin und greift spontan zum Genius. Schnell wandert die Kette aufs zwölfte Ritzel – klar, die 2,8 Zoll breiten Reifen fordern ihren Tribut. Dank der kürzeren Kurbelarme (170 mm) und des 30er-Kettenblatts lässt sich der Anstieg aber angenehm kleinkurbeln. Das Einzige, was stört, ist das Wippen im Wiegetritt – trotz Traction-Mode, der sich am Scott-Bike bequem per Twinloc-Hebel am Lenker einstellen lässt. Der somit auf 110 Millimeter verkürzte Federweg am Heck reichte aber völlig aus, um über die Wurzeln in der Schlussrampe souverän hinwegzuwalzen. Netter Nebeneffekt des Traction-Modes: Man sinkt weniger in den Federweg des Dämpfers, was bei steilen Anstiegen das Vorderrad länger am Boden hält.

Georg Grieshaber Scott Contessa Genius 710 (Modelljahr 2018)

Im Vergleich müsste das Trek den gleichen Anstieg nun hochfliegen. Doch Fehlanzeige. Das Remedy klettert zwar gut, aber in Anbetracht der 0,4 Zoll schmaleren Reifen nicht merklich besser. Warum das so ist, zeigen erst unsere Labormessungen: Das Remedy hat zwar einen 200 Gramm leichteren Rahmen, wiegt aber komplett 260 Gramm mehr als das Genius. Das liegt zum einen am deutlich schwereren Dämpfer und zum anderen an den nicht gerade leichten Laufrädern (196 Gramm mehr) – dies zum Thema optische Täuschung und dem zum Teil ungerechtfertigten Vorurteil in Bezug auf Plus-Reifen. Das große 32er-Kettenblatt am Trek erfordert etwas mehr Krafteinsatz, wenn es steil wird, und die 175er-Standard-Kurbellänge passt nicht so recht zu durchschnittlich langen Beinen.

Doch nun zur Paradedisziplin der beiden langhubigen Bikes: die Abfahrt. Das Scott Genius hält, was es optisch verspricht. Es liegt mit seinem per Knopfdruck zugeschalteten Federweg satt auf dem Trail, bügelt kleinere Fahrfehler gutmütig aus und größere Hindernisse sowieso. Nichts scheint dieses Bike aus der Ruhe zu bringen. Nur seinen tiefen Schwerpunkt darf man nicht vergessen. Bei größeren Hindernissen daher besser aufs Pedalieren verzichten, sonst sitzt man auf. Um beim Remedy die Reservefederung hervorzulocken, muss man eine Hand kurz vom Lenker nehmen und die Plattform am Dämpfer ausschalten, dann kann der Tanz um die Baumstämme losgehen. Das Trek zirkelt etwas direkter und aktiver durch den Trail.

Georg Grieshaber Trek Remed 9.8 WSD (Modelljahr 2018)

Allerdings spürt man deutlich, dass die Federung nicht für leichtgewichtige Frauen angepasst wurde. Schon bei einem Gewicht von 65 Kilo mussten wir die Zugstufe des Dämpfers komplett offen fahren. Unterschiede zwischen den Bikes sind also da. Doch unser Punktesystem führt dennoch zum Foto-Finish. Warum? Die schlechtere Bremse macht Scott durch mehr Platz für die Trinkflasche wett. Trek punktet zusätzlich mit lebenslanger Garantie. Es ist zum Haareraufen. Aber dieses Duell endet unentschieden.


Test-Fazit von Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin:

Das Kopf-an-Kopf-Rennen endet in unserer Punkte­tabelle unentschieden. Müs­ste ich mich für eine größere Alpen-Tour für eines dieser beiden Bikes entscheiden, würde ich das komfortablere Genius (mit einem anderen Sattel) wählen und eventuell auf 29er umrüsten. Für kürzere, Trail-haltige Trips würde ich dagegen die Quirligkeit des Trek und seine bissigeren Bremsen bevorzugen. Auch die Purple-Lackierung fanden alle sehr schick.

Wolfgang Watzke Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin


Mehr zu den Bikes lesen Sie auf der nächsten Seite....

  • 1
    Test Frauen-Bikes: Scott Genius Contessa / Trek Remedy WSD
    Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD
  • 2
    Test-Duell Frauen-Bikes: Scott Contessa gegen Trek Remedy
    Die Testergebnisse : Scott Contessa Genius 710 gegen Trek Remedy 9.8 WSD

Themen: ContessaDuellFrauenFrauen-BikeRemedyScottTestTrekWSD


Lesen Sie das BIKE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test: Ion K-Lite-R
    Ion Knieschützer von Richie Rude im Test

    17.10.2017Der Ion K-Lite-R will mit bester Passform, gutem Halt und solidem Schutz die Herzen von Enduro-Piloten gewinnen. Wir haben den Knie-Protektor ausgiebig getestet.

  • Test-Duell 2021: Canyon Exceed CF SLX 9 / Radon Jealous 10.0
    Duell Race-Hardtails: Canyon Exceed vs Radon Jealous

    21.12.2020Mit wenigen Klicks kommt man in die erste Liga des Cross-Country-Sports. Doch welcher deutsche Versender baut das bessere Racehardtail für 2021?

  • Test-Duell 2021: Leichte E-Enduros von Specialized und Rotwild
    2 Enduros unter 20 Kilo im harten Duell

    27.09.2021Das Specialized Kenevo SL und das Rotwild R.E375 sind die neuesten Sterne am Himmel der Light-E-MTBs. Dicke Muckis und Mini-Motor also ‑ geht das Konzept auf?

  • Konzeptvergleich 2015: Mountainbike-Fahrwerke
    5 MTB-Fahrwerkskonzepte im Test

    02.06.2015Infinity Switch, Shapeshifter, RE:aktiv & Co. sind der letzte Schrei in Sachen Fahrwerkstechnologie. Marketing oder echter Nutzen für den Fahrer? Wir haben die fünf spannendsten ...

  • Cube Sting WLS

    30.06.2008Das kleinste Bike im Test verfügt über den sensibelsten Hinterbau und eine gelungene Geometrie. Empfiehlt sich sogar für Frauen unter 1,55 Meter.

  • Test 2019: Marzocchi Bomber Z1
    Schon gefahren: MTB-Gabel Marzocchi Bomber Z1

    08.11.2019Wer schon einige Jahre auf dem Bike sitzt, wird sich an die italienische Legende erinnern, die damals das Ansprechverhalten von MTB-Federgabeln völlig neu definierte. Die neue ...

  • Test 2017 – Race-Hardtails: Cube Elite C:68 Race
    Cube Elite C:68 Race im Test

    05.06.2017Cube nimmt als günstigstes Fachhandels-Bike die Herausforderung zum Kampf gegen die elitäre Konkurrenz an. Die Ausstattung lässt dabei kaum Kompromisse erkennen.

  • Test Canyon Offspring AL 20
    Canyon Offspring AL 20: Kinderbike im Fahrtest

    23.12.2017Durchdachte Details, angepasste Parts und coole Optik: Mit vier Kinderbike-Modellen will Canyon den Nachwuchsmarkt aufmischen. Also Kette rechts und rein in den Matsch. Das ...

  • Test: SQlab 411 R / 311 FL-X / 711 R
    Ergonomie-Set von SQlab im Praxis-Check

    13.03.2020Lenkerhörnchen! Der Spott der Mitfahrer während des Dauertests der neuen SQLab Performance Linie war uns sicher. Aber es gab einen Aha-Effekt bei den anderen Bikern. Mehr lesen ...