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Test-Duell Frauen-Bikes: Scott Contessa gegen Trek Remedy Test-Duell Frauen-Bikes: Scott Contessa gegen Trek Remedy

Test Frauen-Bikes: Scott Genius Contessa / Trek Remedy WSD

Scott Genius Contessa vs. Trek Remedy WSD

Gitta Beimfohr am 12.06.2019

Scott Genius Contessa 710 gegen Trek Remedy 9.8 WSD: Das Prestige-Duell schien eine ausgewogene Sache zu werden. Doch auf dem Trail zeigen die Frauen-Bikes überraschend unterschiedliche Qualitäten.

„Furchtbar, dieser tiefe Einstieg immer bei den Frauen-Bikes“, lästerte ein Biker neulich im Vorbeifahren auf Tour. So viel zum Thema Vorurteile. Das Scott Genius Contessa hat nämlich exakt den gleichen Rahmen wie sein Unisex-Pendant. Scott und auch Trek haben sich schon vor Jahren von speziell weiblichen Rahmen-Geometrien verabschiedet. Es ist die Ausstattung, die mittlerweile den Unterschied macht – bei Scott etwas mehr, bei Trek eher weniger. Das macht den Vergleich dieser beiden doch sehr ähnlichen All-Mountain-Bikes umso interessanter. Spürt man die durchdachten weiblichen Features am Genius überhaupt? Oder reicht das Minimal-Tuning aus Frauen-Sattel und kleineren Griffen am Trek Remedy aus?

Die Kategorie All Mountain bedeutet für die Konstrukteure: ein robustes Bike mit viel Federweg für sportliches, technisches Terrain und möglichst guter Bergauf-Performance. Unser Testparcours bestand daher aus einem längeren Anstieg (Asphalt, Schotter, steiler Trail mit Wurzeln) und einer Abfahrt samt verwinkeltem, wurzeligem Wald-Trail. Okay, das schwerere Bike zuerst, denkt man sich als Tes­terin und greift spontan zum Genius. Schnell wandert die Kette aufs zwölfte Ritzel – klar, die 2,8 Zoll breiten Reifen fordern ihren Tribut. Dank der kürzeren Kurbelarme (170 mm) und des 30er-Kettenblatts lässt sich der Anstieg aber angenehm kleinkurbeln. Das Einzige, was stört, ist das Wippen im Wiegetritt – trotz Traction-Mode, der sich am Scott-Bike bequem per Twinloc-Hebel am Lenker einstellen lässt. Der somit auf 110 Millimeter verkürzte Federweg am Heck reichte aber völlig aus, um über die Wurzeln in der Schlussrampe souverän hinwegzuwalzen. Netter Nebeneffekt des Traction-Modes: Man sinkt weniger in den Federweg des Dämpfers, was bei steilen Anstiegen das Vorderrad länger am Boden hält.

Test-Duell Frauen-Bikes: Scott Contessa gegen Trek Remedy

Scott Contessa Genius 710 (Modelljahr 2018)

Im Vergleich müsste das Trek den gleichen Anstieg nun hochfliegen. Doch Fehlanzeige. Das Remedy klettert zwar gut, aber in Anbetracht der 0,4 Zoll schmaleren Reifen nicht merklich besser. Warum das so ist, zeigen erst unsere Labormessungen: Das Remedy hat zwar einen 200 Gramm leichteren Rahmen, wiegt aber komplett 260 Gramm mehr als das Genius. Das liegt zum einen am deutlich schwereren Dämpfer und zum anderen an den nicht gerade leichten Laufrädern (196 Gramm mehr) – dies zum Thema optische Täuschung und dem zum Teil ungerechtfertigten Vorurteil in Bezug auf Plus-Reifen. Das große 32er-Kettenblatt am Trek erfordert etwas mehr Krafteinsatz, wenn es steil wird, und die 175er-Standard-Kurbellänge passt nicht so recht zu durchschnittlich langen Beinen.

Doch nun zur Paradedisziplin der beiden langhubigen Bikes: die Abfahrt. Das Scott Genius hält, was es optisch verspricht. Es liegt mit seinem per Knopfdruck zugeschalteten Federweg satt auf dem Trail, bügelt kleinere Fahrfehler gutmütig aus und größere Hindernisse sowieso. Nichts scheint dieses Bike aus der Ruhe zu bringen. Nur seinen tiefen Schwerpunkt darf man nicht vergessen. Bei größeren Hindernissen daher besser aufs Pedalieren verzichten, sonst sitzt man auf. Um beim Remedy die Reservefederung hervorzulocken, muss man eine Hand kurz vom Lenker nehmen und die Plattform am Dämpfer ausschalten, dann kann der Tanz um die Baumstämme losgehen. Das Trek zirkelt etwas direkter und aktiver durch den Trail.

Test-Duell Frauen-Bikes: Scott Contessa gegen Trek Remedy

Trek Remed 9.8 WSD (Modelljahr 2018)

Allerdings spürt man deutlich, dass die Federung nicht für leichtgewichtige Frauen angepasst wurde. Schon bei einem Gewicht von 65 Kilo mussten wir die Zugstufe des Dämpfers komplett offen fahren. Unterschiede zwischen den Bikes sind also da. Doch unser Punktesystem führt dennoch zum Foto-Finish. Warum? Die schlechtere Bremse macht Scott durch mehr Platz für die Trinkflasche wett. Trek punktet zusätzlich mit lebenslanger Garantie. Es ist zum Haareraufen. Aber dieses Duell endet unentschieden. 


Test-Fazit von Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin:

Das Kopf-an-Kopf-Rennen endet in unserer Punkte­tabelle unentschieden. Müs­ste ich mich für eine größere Alpen-Tour für eines dieser beiden Bikes entscheiden, würde ich das komfortablere Genius (mit einem anderen Sattel) wählen und eventuell auf 29er umrüsten. Für kürzere, Trail-haltige Trips würde ich dagegen die Quirligkeit des Trek und seine bissigeren Bremsen bevorzugen. Auch die Purple-Lackierung fanden alle sehr schick.

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin


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Gitta Beimfohr am 12.06.2019