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Test 2017: All-Mountain-Bikes mit unterschiedlicher Rezeptur

12 All-Mountain-Bikes mit Plus- oder Standard-Reifen

  • Peter Nilges
  • Florentin Vesenbeckh
 • Publiziert vor 4 Jahren

Flink bergauf – potent bergab: All Mountains spannen den größten Bogen über die Bike-Disziplinen. 27,5 oder 29 Zoll, Plus- oder Normal-Maß, Einfach- oder Zweifach-Antrieb – wir testen zwölf Modelle.

Die Klasse der All Mountains ist ein riesiges Sammelbecken. Hier gibt es nichts, was es nicht gibt. Durch den Anspruch in wirklich jedem Gelände bestehen zu können, ist der Freiraum an Interpretationen seitens der Hersteller riesig. Alleine beim Laufradmaß kann der Biker aus aktuell drei gängigen Größen wählen. Dazu kommen unterschiedliche Antriebe, unterschiedlich lange Federwege, und eine breite Range an Preisklassen erlaubt diverse Kombinationen von Rahmenmaterialien und Ausstattungen. Wer hier den Durchblick bewahren will, muss genau vergleichen. Um zu überprüfen, welches All-Mountain-Konzept wen glücklich macht, sind wir daher parallel mit zwei Testgruppen nach Südtirol ausgerückt. Acht herkömmliche All Mountains (27,5 und 29 Zoll) zwischen 3500 und 4300 Euro und zusätzlich vier bis zu 3500 Euro teure Bikes der Plus-Klasse. Trotz der unterschiedlichen Gene und einem Preisunterschied von bis zu 1075 Euro wildern die Kandidaten im gleichen Revier und wenden sich an ähnliche Zielgruppen – ein spannender Vergleich also.


Diese verschiedenen All-Mountain-Bikes finden Sie im Test:


All Mountains bis 4300 Euro 
Die abfahrtsstarken Tourer bringen mit Pedalen im Schnitt 13,8 Kilo auf die Waage und geizen nicht mit Federwegen. Einen Dämpfer mit zuschaltbarer Plattform für langes Klettern findet man leider nicht bei allen Modellen. Bei der Laufrad­größe gibt es sowohl 29 als auch 27,5 Zoll, wobei die meisten Hersteller auf das kleinere Maß vertrauen. Durch breitere Felgen und Reifen profitiert die Fahrperformance.

  • Conway WME 829 Carbon
  • Felt Decree 2
  • Last Clay Trail
  • Propain Tyee AM Carbon (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Rotwild R.X1 FS Comp
  • Saracen Ariel
  • Simplon Rapcon 140 XTE
  • Trek Remedy 9 RSL (BIKE-TIPP: Fachhandel)

Wolfgang Watzke All Mountains bis 4300 Euro


Plus-Bikes bis 3500 Euro
Breite Reifen bringen Komfort und Grip – fast, als hätte das Bike eine Federwegs-Extension. Daher verschwimmen mit den Plus-Reifen die Kategorien. Durch die breiten Felgen und Reifen steigt allerdings auch das Gewicht. Um zu überprüfen welcher Federweg am meisten Sinn macht, haben wir vier Bikes zwischen 110 und 150 Millimetern Federweg mit 2,8 Zoll breiten Reifen getestest.

  • Cube Stereo 150 HPA SL 27,5 Plus
  • Radon Slide Plus 9.0
  • Scott Spark 720 Plus (BIKE-TIPP: Testsieger)
  • Silverback Synergy Plus

Wolfgang Watzke Plus-Bikes bis 3500 Euro


Test 2017: 12 All Mountain Bikes mit Plus- oder Standard-Reifen

12 Bilder

Flink am Berg und potent in der Abfahrt: All Mountains spannen den größten Bogen über die Bike-Disziplinen. Dazu müssen die Hersteller die richtigen Zutaten mischen: 27,5 oder 29 Zoll, Plus- oder Normal-Maß, Einfach- oder Zweifach-Antrieb – wir testen zwölf Modelle mit unterschiedlicher Rezeptur. 


Plus- oder Normal-Format – an dieser Frage scheiden sich die Geister. Auf Vor- und Nachteile der beiden Divergenten wurde bei unseren Testfahrten ganz besonderes Augenmerk gelegt. Zusätzlich hat uns bei dieser Frage die Außenmeinung interessiert. Dazu haben wir zwei BIKE-Leser zu einem zusätzlichen Test auf die Isar-Trails eingeladen. Die Erkenntnis nach drei Test-Tagen: Bis auf wenige Ausreißer fällt der All-Mountain-Jahrgang 2017 so abfahrtsfreudig aus wie noch nie zuvor – sowohl bei den auf Normalreifen rollenden Modellen wie auch bei den Plus-Bikes mit 2,8-Zoll-Schlappen. Alleine der Blick auf die Lenk- und Sitzwinkel bestätigt, dass viele Entwickler auf moderne Geometrien setzen, die bergab viel Sicherheit geben. Durchschnittlich 66 Grad beim Lenkwinkel und 74,7 Grad beim Sitzwinkel fand man in dieser Kategorie bislang nicht. Manche Testkandidaten wie das Trek Remedy in der RSL-Variante und das Saracen Ariel tendieren dabei schon klar in Richtung Enduro. Durch die Bank rollen alle All Mountains auf breiten Reifen: 2,3 bis 2,4 Zoll sind es in der Normal-Klasse (auf bis zu 30 Millimeter breiten Felgen), 2,8 Zoll breite Pneus in der Plus-Klasse. Damit lassen sich die Bikes mit geringerem Luftdruck fahren, was mehr Sicher­heit und Kontrolle auf technischen Abfahrten bringt.

Beim Praxistest konnten wir die 2,8er-Plus-Reifen vorne wie hinten sogar mit rund 0,5 bar weniger fahren als die 2,3er- und 2,4er-Reifen. Dieser Unterschied macht sich deutlich bemerkbar. Mehr Komfort, ein sehr gutmütiges Fahrverhalten im Grenzbereich und gute Traktion durch eine vergrößerte Auflagefläche sind deutlich spürbar. Die Kehrseite der Medaille: Im direkten Vergleich zum normalen Reifen ist die Rückmeldung vom Untergrund diffuser. Viele renn­orientierte Abfahrer kritisieren daher die mangelnde Präzision der Plus-Pneus. Aber was sagt der durchschnittlich gute Biker? "Manche Hindernisse habe ich erst bei der zweiten Runde wahrgenommen, als ich vom Plus-Bike auf das normale gestiegen bin. Auf anspruchsvollen Abfahrten würde ich auf jeden Fall zum Plus-Bike greifen”, fand Martin Heiler, einer unserer Lesertester, der sich selbst als Gelegenheitsbiker beschreibt. Die Frage nach besser oder schlechter hängt damit klar vom Fahrertyp ab.

Wolfgang Watzke Nur wer den optimalen Reifendruck einstellt, kann bei den Plus-Bikes einen deutlichen Komfort- und Grip-Zuwachs spüren.

Das Fahrverhalten bergab ist jedoch nur eine Anforderung im Lastenheft eines Alles­könners. Wer in den Alpen hoch hinaus will oder ausgedehnte Touren im Mittelgebirge in Angriff nehmen möchte, braucht solide Uphill-Qualitäten und effizienten Vortrieb. Breite Reifen und Felgen sowie Dämpfer mit Ausgleichsbehälter liefern zwar Reserven für anspruchsvolles Gelände, drücken aber auf das Gewicht. Fahrfertig bringen die Bikes der All-Mountain-Gruppe daher durchschnittlich 13,83 Kilo auf die Waage, die etwas günstigeren Plus-Bikes nochmals 500 Gramm mehr. Dabei sind die Laufräder der Plus-Bikes im Schnitt nur 290 Gramm schwerer. Auf unserer Testrunde hielt sich der Unterschied beim Klettern daher in Grenzen. Das Reifenmodell bzw. die Gummimischung machen sich viel stärker bemerkbar als der pure Breiten-Unterschied zwischen Plus- und Normalbereifung. Wer auf geringes Gewicht Wert legt, sollte sich das Felt oder das Simplon genauer ansehen. Sie wiegen rund 1,5 Kilo weniger als das Trek Remedy und das Saracen Ariel In der Plus-Klasse liegen die Extreme mit 700 Gramm deutlich enger beisammen.Neben einem akzeptablen Gewicht gehört eine effiziente Pedalplattform zum Straffen des Dämpfers für die meisten zur Grundausstattung. Bis auf Conway und Felt verfügen alle Bikes über dieses Feature. Allerdings mehr oder weniger gut erreichbar: Während am Scott Spark Plus sowohl Gabel als auch Dämpfer vom Lenker aus bedienbar sind, ist der Dämpferhebel am Propain nur sehr schwer zu erreichen.

Mit Zwei- und Einfach-Antrieben teilt sich das Feld bei der Frage nach der optimalen Übersetzung. Acht von zwölf Bikes kommen mit nur einem Kettenblatt. Bei Trek und Saracen sind auf Grund des großen Kletterganges die stärksten Oberschenkel gefragt. Den leichtesten Berggang bieten Felt, Simplon und Cube. Versender Propain spendiert seinem Bike bereits eine Sram 1x12-Gruppe und schafft es so, Bandbreite mit einfacher Handhabung zu verbinden.

Unser Testfeld beweist, dass es viele Ansätze gibt, wie der optimale Alleskönner beschaffen sein sollte. Auch die Frage nach Plus- oder Normal-Format lässt sich pauschal nicht klären. Plus-Bikes sind tenden­ziell etwas verzeihender und bieten mehr Sicherheiten bergab. Doch erst die Mischung aus allen Zutaten gibt genaue Auskunft darüber, für welchen Fahrertyp und welchen Einsatzbereich das entsprechende Modell geeeignet ist. Aufschluss darüber finden Sie in den Testbriefen der einzelnen Modelle.


Fazit von Peter Nilges, Ressortleiter Test und Technik:
Die neuen All Mountains sind abfahrtsstärker denn je und orientieren sich zum Teil in Richtung Enduro. Geometrien und Ausstattung machen auch anspruchsvolle Trails zum Vergnügen. Beim Lesertest konnten die Plus-Bikes durch ihre breiten Reifen einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Der Zuwachs an Sicherheit wurde von beiden Leser-Testern als sehr positiv empfunden, ohne größere Abstriche bei der Tourentauglichkeit in Kauf zu nehmen.

Georg Grieshaber Peter Nilges, BIKE-Testredakteur



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12 All Mountain Bikes mit Plus- oder Standard-Reifen


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