Neuheiten im Fahrbericht: Trek Remedy Carbon im ersten Check

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Nur eine Hand voll Journalisten durften bei der Trek-Präsentation in Brevard, North Carolina schon ihren Hintern auf die Trek-Neuentwicklung setzen. Wir haben eine Runde mit dem Remedy Carbon gedreht und sagen, was es kann.

Auch beim Remedy kommt die neue RE:aktiv-Technik im Federbein zum Einsatz.

Unschuldig weiß. Kein Sticker. Kein Logo. Auf den ersten Blick entlarvt man Hersteller und Modell nicht. Die Form der Rohre deutet immerhin auf den Werkstoff Kohlefaser hin. Die mächtigen Alu-Kettenstreben verraten Insidern: hier handelt es sich um einen Erlkönig des Remedy 29 9.8. Die Alu-Kettenstreben nämlich gibt es nur beim Modell 9.8, das Topmodell 9.9 verwendet solche aus Carbon – ist aber voraussichtlich nicht in Deutschland erhältlich. Das 9.8 in 29 Zoll spart alleine am Rahmen gegenüber dem Alu-Remedy knapp 400 Gramm. Beim 9.9 wären es über 500 Gramm.

Die gewachsene Reifenfreiheit ist sichtbar, ebenso bleibt Raum für Kettenblätter bis 38 Zähne.



Nur eine Hand voll Journalisten durften in Brevard, North Carolina schon ihren Hintern auf die Trek-Neuentwicklung setzen. Die Remedy-Prototypen waren ausgestattet mit Rock Show Pike-Gabel, Fox-Federbein mit der neuen, Trek-exklusiven RE:aktiv-Dämpfung, Shimano XT-Bremsanlage und Sram X01-Schaltung (32er Kettenblatt). Dazu die unverzichtbare Reverb-Teleskop-Stütze, ein angenehm breites Cockpit und 2,3 Zoll breite Bontrager-Reifen auf der neuen Laufradtechnik Boost 148. Hier bietet die Hinterradnabe sechs Millimeter mehr Stützbreite (Flanschabstand größer), was die Steifigkeit des 29er Rades auf 26 Zoll-Niveau heben soll.

Boost 148 heißt der neue Standard, der das Laufrad steifer machen soll (6 mm breitere Naben/Flansche).


Ob das Hinterrad wirklich steifer ist? Isoliert gesehen schwer zu sagen, dazu müsste man intensiver und vergleichend testen. Das Laufrad fiel jedenfalls nicht durch geringe Steifigkeit oder Schwänzeln auf. Die gewachsene Reifenfreiheit und die Kurbel-Optionen des Boost 148-Standards sind allerdings auf jeden Fall ein Gewinn. Bontrager-Reifen bis 2,35 Zoll passen ins Heck, inoffiziell auch Schwalbe-Reifen bis 2,4 Zoll. Das Bike wird natürlich mit Bontrager ausgeliefert.

Der Prototyp war noch nicht serienmäßig ausgestattet.


Die Geometrie passt auf Anhieb. Man sitzt schön integriert im Bike, die Lenkung verhält sich bergauf ruhig ohne kippeln und die Steigfähigkeit ist beeindruckend. Das Remedy bäumt selbst an steilen Rampen nicht auf. Das Bike fühlte sich – zumindest in der gewichtsoptimierten Prototypen-Version – behände und agil an.

Auch beim Remedy kommt die neue RE:aktiv-Technik im Federbein zum Einsatz.


Man spürt sofort die steife und lenkpräzise Front, das Bike fährt genau dort hin wo man es will. Die Pike-Gabel arbeitet bekannt sensibel und trägt ihren Teil zum Skalpell-Charakter bei. Das RE:aktiv-Heck arbeitet so wie bereits beim Fuel EX 9.8 erfahren (siehe Fahrbericht): Starke Plattform im Climb-Mode des Fox-Federbeins, dennoch saugt das Fahrwerk auch hier Hindernisse auf. Das Heck taucht dabei in Kompressionen oder Steilkurven nicht weg.

Die ersten Meter auf dem noch unbeklebten Prototyp des Remedy 29 Carbon.

Für den Normal-Einsatz bietet sich der Trail-Mode an, hier freut man sich über eine spürbare Plattform und den Käsehobel-Effekt: das Fahrwerk hobelt den Untergrund glatt, nur wenig kommt beim Fahrer an. Der Descend-Mode macht freilich beim gebotenen längeren Federweg auch Sinn – und mehr Sinn als beim Fuel EX. Wenn es richtig rumpelt schaltet man auf D, selbst wenn die Rückmeldung dann nicht gigantisch ist.


Insgesamt wird das gewichtsoptimierte Remedy 29 Carbon eine echte Trail-Maschine mit breitem Einsatzbereich. Das Alu-Remedy war durch sein hohes Gewicht ja eher ein Panzer denn ein Wiesel. Für mich liegt die Zukunft in dieser Art Bikes, sofern man mit 29ern klar kommt (Fahrstil/Körpergröße). Der lange Federweg fällt nicht negativ auf. Das Remedy zieht souverän und unbeeindruckt von sämtlichen äußeren Einflüssen seine Bahn, spendet Vertrauen und macht dem Fahrer Mut: „Trau dich was, ich kann das!“


Fazit: Der unbeklebte Prototyp des Bikes zeigt schon mal wohin die Reise geht. Das Remedy sieht cool aus, die Formen gefallen, das Fahrverhalten überzeugt. Für mich ist der leichtere Carbon-Rahmen sowohl technisch als auch optisch ein Zugewinn – ein hoffentlich bezahlbarer.

So sieht das Serienbike des Remedy 29 Carbon 9.8 dann aus.

Themen: All MountainFahrberichtNeuheitenTestTrek


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