Neuheiten im Fahrbericht: Trek Fuel EX 9.8 im ersten Check

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 6 Jahren

Bei der Trek-Neuheiten-Präsentation in North Carolina konnten wir schon einige Stunden im Sattel des brandneuen Fuel EX 9.8 mit 27,5 Zoll-Laufrädern mit dem neuen RE:aktiv-Dämpfer und Carbon-Rahmen drehen. Die Frage: Revolution oder Evolution?

Die Karte zeigt den Weg. Verfahren quasi unmöglich weil gut ausgeschildert.

Man kann sich das hier vorstellen wie einen schönen, typischen Pfälzerwald-Wanderweg. Man zieht einfach ein paar Wurzeln ab, gibt eine Prise Dschungel dazu, knallgrüne Farne und feuchte Hitze. So fühlt sich Biken an im Pisgah Forest Nationalpark in North Carolina, USA. Schmale Pfade die sich am Hang entlang winden, teils steil Richtung Himmel ragen und sich kurvig der Erdanziehung beugen.

Auf dem Trail: Die grelle Farbe des 9.8 muss man mögen.

Hier in Brevard parkt Trek für die versammelte MTB-Journaille eine Flotte der brandneuen Fuel EX 9.8-Modelle in unübersehbarem neongelb mit Carbon-Hauptrahmen, Carbon-Sitzstreben und Alu-Kettenstreben, ausgerüstet mit Shimano XT-Gruppe und Reverb-Teleskop-Stütze. Unverbindlich empfohlener Preis: 4599 Euro. Verständlich, dass Trek für die Weltpremiere nicht die Einsteiger-Modelle aus dem Hut zieht.

Das 2015er EX übernimmt natürlich die Technologie des Vorgängers wie das Active Brake Pivot (APB) Gelenk in der Achse. Gut geschützt zeigen sich die Kettenstreben.


Höchste Zeit für einen Praxischeck: Vor allem interessiert, ob das in seiner siebten Saison erfolgreiche Bike durch die 27,5 Zoll-Räder einen anderen Charakter bekommt und in wie weit man die neue Dämpfertechnologie RE:aktiv fühlt (siehe separater Artikel zur Neuheiten-Präsentation des Bikes). Nach dem Fahrwerks-Setup (80 PSI in der Gabel, 180 im Dämpfer bei 80 Kilo) knirscht schnell der Schotter unter den Bontrager-Reifen. Ein Forstweg führt zum Trailhead – dem Einstieg ins Singletrail-Netzwerk.

Mit 120 mm Federweg und dem unkomplizierten Handling begeistert das Bike eine große Zielgruppe.

Schon auf den ersten Metern fühlt sich das Fuel EX auch mit den 27,5 Zoll-Laufrädern an wie ein alter Bekannter. Klar, warum auch nicht: Die Geometrie wurde vom 26er übernommen, die Sitzposition ist gewohnt ausgewogen, was bedeutet: Sportlich genug für Marathons und übersichtlich genug für anspruchsvolle Trails. Die Bedienung des Bikes stellt niemand vor Rätsel, man findet sich sofort zurecht.

Breiter Lenker, XT-Hebelage, Fernbedienung für die Reverb-Stütze. Mehr braucht man auch in 2015 nicht.


Und das Bike klettert problemlos. Sportlich, effizient, agil. Die Trails hier sind teilweise so steil, dass man häufig die kleinen Gänge braucht. Anstieg und Abfahrt wechseln sich fröhlich ab, man muss häufig schalten. Trek rüstet das Fuel EX 9.8 mit Zweifach-Kurbel aus, die häufige Schaltarbeit nervt. Ständig wechselt man vom kleinen Blatt vorne auf das große, schaltet entsprechen hinten zum Ausgleich ein paar Gänge, beide Hände sind ständig beschäftigt – das nur als Exkurs zum Thema Zweifach (ja, ich bin kein Freund davon – bei einer Dreifach-Kurbel könnte man überwiegend auf dem mittleren Blatt fahren). Wie bereits bei einigen anderen getesteten Trek Bikes steigen die Schaltkräfte stark an, wenn man Shadow Plus am Schaltwerk aktiviert. Woran das liegt? Eventuell an der Zugverlegung.

An der XT-Ausstattung gibt es funktionell nichts auszusetzen, die Zweifach-Kurbel bleibt eben Geschmackssache.

Doch weiter zum Fahreindruck: Trek verspricht, der neue Dämpfer arbeitet sensibler und gleichzeitig effizienter als zuvor. Im Trail-Modus absorbiert das Heck tatsächlich sehr geschmeidig und nimmt dem Terrain sämtliche Spitzen – subjektiv feinfühliger als zuvor. Der Climb-Mode wirkt straffer, ähnlicher einem Lockout denn je, darüber freut man sich vor allem auf langen Asphalt-Anstiegen. Die Plattform hält das Fahrwerk beim Treten stabil, in Kompressionen taucht das Bike erfreulicherweise nicht ab, das macht schneller. Allerdings – und das ist der Clou an RE:aktiv – öffnet die Plattform sofort wenn Schläge von unten kommen. Wer bergauf und im Trail Gas geben will, kann den Climb-Mode über große Strecken aktivieren ohne dass das Bike zu unkomfortabel wird. 

Das Fuel EX überrascht nicht. Der Charakter bleibt.

Der Descend-Mode am Dämpfer hingegen wirkt bei diesem Bike verzichtbar. Es fehlt Progression und mehr Druckstufendämpfung (lässt sich allerdings mit dem speziellen „Push“-Kit tunen), das Heck taucht stark ein – eine Kritik die das DRCV-System schon häufiger einstecken muss. Ohne die Geometriedaten zu kennen – subjektiv wirkt der Lenkwinkel flacher und das Tretlager tief. So tief, dass man beim Kurbeln häufig mit den Pedalen aufsetzt. Trek meint, der Effekt verstärkt sich durchs Einfedern des Hecks und man soll nicht zu wenig Luftdruck fahren. 

Dem Fox-Dämpfer sieht man das veränderte Innenleben nicht an. Es bleibt die DRCV-Technologie, im Trail-Mode fühlt sich das Bike am besten an.

Die 32er Fox-Gabel zeigt übrigens jetzt – auch wenn Fox das nicht so bezeichnet haben will – im Climb-Mode einen Lockout. Quasi starr. Am besten fährt man sie eh‘ im Descend Mode, das CTD ist in unseren Augen unnötige Spielerei.


Fazit: Ist das neu Fuel EX Revolution oder Evolution oder nur ein kleiner Schritt nach vorn?

Ich würde sagen: Beim Fuel EX hat Trek sehr gutes noch etwas besser gemacht. Noch liegen freilich keine Messwerte vor, wir haben das Bike nicht gewogen, aber in Sachen Fahrspaß, -stabilität und Komfort gehört es zu den besten seiner Kategorie. Die Weiterentwicklung ist gelungen.

Und nach dem Ride: eine gut gekühlte Kaltschale aus lokaler Produktion…

Schlagwörter: Eurobike 2014 Eurobike Special 2014 Fahrbericht Neuheiten 2015 Test Trek


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