All Mountains 29 Zoll 3000 Euro 2015 All Mountains 29 Zoll 3000 Euro 2015

Mountainbike-Test: 29er All Mountains

Test 2015: All Mountains in 29 Zoll für 3000 Euro

Christoph Listmann am 25.08.2015

Ein paar Millimeter mehr hier, eine Kettenführung dort, Kohlefaser an der richtigen Stelle. Für Fahrspaß gibt es klare Indikatoren. Welche das sind, zeigt der Test der 29er All Mountains um 3000 Euro.

Fahrspaß ist Millimeterarbeit, Fahrspaß lässt sich schon auf dem Papier ablesen. Drei Millimeter bei den Gabeln, etwa sechs bei den Reifen und bis zu 20 Millimeter Unterschied bei den Federwegen sorgen im Gelände für dramatische Unterschiede.

All Mountains 29 Zoll 3000 Euro

Das Specialized zeigt ein verspieltes Handling, ist immer für einen Trick gut.

Für welchen Einsatzbereich sich ein Bike eignet, kann man anhand gewisser Indikatoren bereits auf den ersten Blick feststellen. Für diesen Test haben wir ausschließlich All Mountains der 3000-Euro-Klasse mit 29 Zoll-Laufrädern ausgewählt. Über die Vor- und Nachteile dieses Formats wurde schon alles geschrieben. 

Diese elf All Mountains in 29 Zoll finden Sie im Test:

  • BMC Speedfox FS02 29 XT
  • Canyon Spectral AL 9.9
  • Cube Stereo 140 HPC Race 29 (BIKE TIPP: Fachhandel)
  • Felt Virtue 2
  • Ghost AMR LT 8 LC
  • Müsing Petrol 3
  • Rocky Mountain Instinct 950
  • Scott Genius 930 (BIKE TIPP: Sport)
  • Specialized Stumpjumper Comp Carbon
  • Stevens Whaka ES (BIKE TIPP: Enduro)
  • Votec VX Elite (BIKE TIPP: Versender)

Fotostrecke: Test 2015: All Mountain Bikes um 3000 Euro

Fahrspaß-Indikator 1: Die Laufradgröße.

Während Twentyniner den meisten Fahrern ein deutliches Sicherheitsplus bergab und bessere Klettereigenschaften mit auf den Weg geben, fühlen sich sehr gute Fahrer mitunter durch die enorme Laufruhe bevormundet. Die wählen dann das verspieltere Format 27,5 Zoll (zum All Mountain-Test 27,5 aus BIKE 2/15). Weil 29er schon eine Weile länger am Markt sind, wirken sie etwas ausgereifter und wiegen mitunter sogar etwas weniger als Bikes im noch jungen 27,5-Zoll-Format.

All Mountains 29 Zoll 2015 3000 Euro

Innerhalb der Kategorie gibt es einen Gewichtsunterschied von über einem Kilo.

Fahrspaß-Indikator 2: Der Federweg

Hubraum ist nur durch noch mehr Hubraum zu ersetzen. Was vor dem Downsizing-Trend das Credo für Motoren war, lautet aufs Bike übersetzt: Jeder Zentimeter Federweg zählt. Die getesteten Bikes bieten 120 bis 140 Millimeter. Eigentlich würde man sagen: je mehr, desto besser. Aber es kommt auch auf die Qualität des Federwegs an. Man muss wissen, dass der Federweg auf dem Papier nicht identisch mit dem tatsächlich genutzten Federweg ist. Nicht alle Fahrwerke und Gabeln geben den vollen Hub frei. Die Revelation-Gabel beispielsweise, 130 mm Werksangabe, federte auf der harten Testrunde am Gardasee nur 120 mm ein. Gleiches Bild bei der 130er-Fox. Der Rest bleibt als Sicherheitsreserve. Es überrascht aber nicht, dass die mit 140 Millimetern Federweg gerüsteten Cube und Stevens bergab deutlich schneller fahren als alle anderen. Sie besitzen auch die dicke Pike-Gabel – und das führt direkt zum nächsten Indikator.

Fahrspaß-Indikator 3: das Gabelmodell

Aufgepasst, jetzt geht es um die eingangs erwähnten drei Millimeter! Canyon, Cube und Stevens stecken eine Rock-Shox-Pike-Gabel ins Steuerrohr. Der vergrößerte Stand­rohrdurchmesser – 35 statt 32 Millimeter – steht für mehr Führung, zielgenauere Lenkung und insgesamt höhere Fahrstabilität. Eine Gabel, die sich weniger verwindet, federt und dämpft auch im Wurzelteppich oder auf Felsbrocken zuverlässig. Interessant: Das Pendant zur Pike, die Fox 34, taucht hier im Test nicht mehr auf. Offenbar haben die Produkt-Manager erkannt, dass sie sich die höhere Steifigkeit mit 400 Gramm "Hüftspeck" erkaufen. Die Fox 34 wiegt deutlich über zwei Kilo. Wer sein Bike nicht nur bergab ausreizen will, dem reicht das klassische 32er-Format (Fox-F-Serie oder Rock Shox Revelation) aus.

Fahrspaß-Indikator 4: die Ausstattung

Die 32er-Gabel passt ausgezeichnet zum ambitionierten Touren-Einsatz, und entsprechend sportlich richten die Firmen meistens auch den Rest des Bikes aus. Der Blick auf BMC, Ghost oder Scott bestätigt das. Nur Canyon purzelt aus dem Rahmen und kombiniert schnelle Reifen mit Downhill-Spezifikation. Das macht bergauf Sinn. Geringes Gewicht bereitet immer Freude, und die Beschleunigung steht und fällt mit den Laufrädern. Die Schaltung ist übrigens kein Indikator. Unter dem Fahrspaßaspekt spielt es keine Rolle, welche Kurbel, welches Schaltwerk oder welches Ritzelpaket montiert ist. Viel mehr zählt die Übersetzung (in dieser Testgruppe gibt es nur noch Zweifach-Kurbeln) und, dass die Kette auf den Zähnen bleibt. BMC, Canyon und Specialized montieren eine schaltbare, mitunter geräuschvolle Kettenführung. Alle anderen setzen zumindest Schaltwerke ein, die für eine höhere Kettenspannung sorgen – genannt Shadow Plus bei Shimano, beziehungsweise Type 2 bei Sram.

Die Schlussfolgerung: Fahrspaß ist natürlich eine Sache des eigenen Anspruchs. Der eine sucht ihn bergauf, der andere bergab. Dicke Gabel, breite Reifen, Teleskop-Stütze, kurzer Vorbau und ordentlich Federweg signalisieren, dass die Produkt-Manager dem Bike eine besonders gute Downhill-Eignung mit auf den Weg geben. Schmale, schnelle Reifen, schlanke Gabel und flaches Cockpit sprechen für einen sportlichen Charakter. Das Schöne an den 29ern: Schon mit einem neuen Satz Reifen können Sie Ihr Bike frisieren. Dem Scott Genius beispielsweise impft man mit breiten Schlappen mehr Adrenalin ein, das Cube Stereo galoppiert mit leichteren Pneus deutlich flinker bergan. Wie schon gesagt, auch hier sind es eben nur Millimeter, die einen großen Unterschied machen.

 

 

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Christoph Listmann am 25.08.2015
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