Fahrbericht Cannondale Rize

  • BIKE Magazin
 • Publiziert vor 12 Jahren

Mit zwei neuen Fully-Plattformen und innovativen Details will Cannondale wieder das werden, was sie einmal waren: Innovationsmarke Nummer eins

Es ist immer schöner, eine Sache mit eher geringen Erwartungen anzugehen, um dann positiv überrascht zu werden, als umgekehrt. Von der Cannondale-Präsentation erwarteten wir nicht mehr als ein paar kosmetische Änderungen hier, vielleicht das ein oder andere neue Modell dort. Vorgesetzt bekamen wir auf Gran Canaria jedoch zwei komplett neue Plattformen: Der All-Mountain-Alleskönner “Rize” als Nachfolger des “Prophet” und das leichte Enduro “Moto”. Beide Linien sollen – glaubt man den Versprechen der Ingenieure – mit einigen Superlativen aufwarten können.


DAS “RIZE” FÜR ALL MOUNTAIN SPORT

130 Millimeter Federweg, ein Rahmengewicht von 2115 Gramm (ohne Dämpfer) und Steifigkeitswerte, die deutlich höher als die der Konkurrenz (Specialized “Stumpjumper”, Santa Cruz “Blur”, Trek “Fuel EX”) liegen sollen – das sind die Eckdaten für Cannondales neues All-Mountain-Bike “Rize”. Das Rezept für diese Werte besteht aus einer Mischung aus Carbon und Aluminium. Herzstück ist der so genannte “Backbone”, bei dem Sitzrohr, Tretlagergehäuse und Schwingenlageraufnahme aus einem Stück geschmiedet sind. Mit diesem Aluteil wird der Monocoque-Hauptrahmen im so genannten “Co-Molding”-Prozess verbacken. Dieses Verfahren, das übrigens im Cannondale-Werk in den USA stattfindet, soll für die enormen Steifigkeitswerte bei geringem Gewicht sorgen. Der Eingelenk-Hinterbau besteht aus stark asymmetrischen Alu-Kettenstreben und Carbon-Sitzstreben. Über eine filigrane Alu-Wippe (“Rocker-Link”) wird der Luftdämpfer angelenkt. Die Kinematik legten die Cannondale-Ingenieure vordergründig auf antriebsneutrales Pedalieren aus. Die Gabel zum Bike: Die neue “Lefty Max Carbon 130 RLC” kommt mit neuer Lockout-Funktion. Mit Druck aufs Rebound-Verstellrad blockiert sie, der blaue Knopf entriegelt die Mechanik.

Ebenfalls neu und in Federweg und Charakteristik auf das “Rize” abgestimmt ist die “Lefty Max Carbon 130 RLC”-Gabel. Die Gabel soll nur 1475 Gramm auf die Waage bringen und hat einen neuen, schnell bedienbaren Lockout-Mechanismus. Drei Carbon- und zwei Alu Versionen des “Rize” will Cannondale bis zum Frühsommer ausliefern. Das Topmodell “Rize Carbon 1” soll mit Mavic “Crossmax SLR”-Rädern und SRAM “X.O”-Schaltung nur 10,7 Kilo wiegen und kostet 6999 Euro. Das Einstiegsmodell “Rize 5” wiegt 13,7 Kilo und steht für 1899 Euro im Laden.


FAHRBERICHT “RIZE”

Knackige Asphalt- und Schotteranstiege, ruppige Fels-Singletrails bergab, haarige Trialpassagen – Gran Canaria bietet das ideale Terrain, um das “Rize” ausgiebig zu fahren. Gemäß dem Einsatzbereich “All Mountain Sport” nimmt man eine sportliche Sitzposition ein und hat eine top Kraft übertragung. Die Federung spricht sehr sensibel an, vor allem der Dämpfer zuckt schon bei jedem Kieselstein. Das “Rize” pedaliert sich dabei äußerst neutral, weder Pedalrückschlag noch Antriebswippen sind spürbar. Eine Lockout-Funktion ist vorne und hinten zwar vorhanden, das neutrale Fahrwerk macht dieses Feature aber fast überflüssig. Bergauf wünscht man sich eigentlich nur noch eine Absenkfunktion der Gabel – das würde die Klettereigenschaften an steilen Rampen nochmal verbessern. Bergab profitiert man von 130 Millimetern gut nutzbarem Federweg und einer ausgewogenen Dämpfungsabstimmung. Die Zugstufe lässt sich vorne und hinten fein justieren. Die Geometrie ist eher gestreckt. Das sorgt für einen unbeirrbaren Geradeauslauf, macht das Bike in engen Kehren aber etwas träge.


Fazit: Ein leichtes, ausgewachsenes All-Mountain-Bike, das es mit jeder Konkurrenz aufnehmen kann.


DAS “MOTO” FÜR ENDURO-PILOTEN

160 Millimeter Federweg vorne und hinten bei einem Gesamtgewicht von 12,5 Kilo – das “Moto Ultimate” ist ein Frontalangriff auf das Specialized “Enduro” und das Scott “Ransom”. Dabei erreicht Cannondale dieses Gewicht nicht nur durch superleichte Komponenten. Auch wenn der Monocoque-Carbon-Rahmen mit seinen überdimensionalen Rohrdurchmessern äußerst wuchtig aussieht, soll das Chassis nur 2875 Gramm auf die Waage bringen. Die paar Gramm mehr lohnen sich: Die Vario-Stütze von Crank Brothers (ehemals Maverick) erweitert den Einsatzbereich des “Moto” enorm. Schade, dass nicht alle Enduros dieses Teil besitzen.

Auch beim “Moto” legen die Amis gesteigerten Wert auf höchste Steifigkeit. Dafür bürgt sowohl der Steuerkopfbereich, in dem Fox-Gabeln mit 1,5-Zoll-Schaftrohren verbaut werden. Tret- und Schwingenlager verbinden zwei zusätzliche Carbonplatten, die den Rahmen in diesem Bereich wie ein Sandwich umschließen. Ziel: Maximale Torsionssteifigkeit.

Beim Hinterbau setzt Cannondale auf das bewährte Eingelenk-System, wobei der Dämpfer über einen aufwändigen Umlenk-Mechanismus angesteuert wird. “Die Kinematik ist zwar auf maximale Federungsperformance ausgelegt, pedaliert sich aber trotzdem äußerst neutral”, erklärt Cannondale-Chefentwickler Dan Connors seine Konstruktion. Bei einer ausgiebigen Probefahrt auf dem ruppigsten Trail von Gran Canaria konnten wir uns vor allem von der extremen Steifigkeit, aber auch den guten Bergauf-Leistungen des Bikes überzeugen. Massive Konstruktion: Hier sieht man die außen aufgebrachten Carbon-Verbindungsplatten zwischen Tret- und Schwingenlager. Sie sollen für noch mehr Steifigkeit im Tretlagerbereich sorgen.

Vier Modelle des “Moto” will Cannondale bis Mai auf den Markt bringen. Die Topversion “Ultimate” kommt mit Mavic “Crossmax ST”- Laufrädern, Fox “36 Float RC2”-Gabel und SRAM “X.O”-Schaltung und kostet 5999 Euro. Für 3499 Euro gibt es das “Moto Carbon 3” als günstigste Version mit Rock Shox “Lyric U-Turn”-Gabel, DT Swiss “E 540”-Laufrädern und SRAM “X.9”-Schaltung.


Fotos: Markus Greber

Die Gabel zum Bike: Die neue “Lefty Max Carbon 130 RLC” kommt mit neuer Lockout-Funktion. Mit Druck aufs Rebound-Verstellrad blockiert sie, der blaue Knopf entriegelt die Mechanik.

Die paar Gramm mehr lohnen sich: Die Vario-Stütze von Crank Brothers (ehemals Maverick) erweitert den Einsatzbereich des “Moto” enorm. Schade, dass nicht alle Enduros dieses Teil besitzen.

Massive Konstruktion: Hier sieht man die außen aufgebrachten Carbon-Verbindungsplatten zwischen Tret- und Schwingenlager. Sie sollen für noch mehr Steifigkeit im Tretlagerbereich sorgen.


Test: Cannondale Moto

Hersteller/Modell/Jahr
Cannondale Moto / 2008
Fachhandel/Versender
Fachhandel
Herstellerangaben
Allgemeine Infos
Cycling Sports Group, 0031/541-589898, www.cannondale.com
Material/Grössen/Testgrösse
Carbon / / 43
Preis
3499.00
Preis (Rahmen)
BIKE-Messdaten
Gewicht ohne Pedale
15450.00
Lenk-/Sitzrohrwinkel
66.80
Vorbau-/Oberrohrlänge
80.00
Radstand/Tretlagerhöhe
1121.00
Federweg Vo. min/max, Hi. min/max
113/160, -/167
Übersetzung
3
BB Drop/Reach/Stack
-/-/-
Ausstattung
Gabel/Dämpfer
Rock Shox Lyrik U-Turn Motion Control/Fox DHX Air 4.0
Kurbel/Schaltwerk/Schalthebel
Truvativ GPX II/SRAM X-9 Trigger/SRAM X-9 Trigger
Bremsanlage/Bremshebel
Magura Louise/Magura Louise
Laufräder/Reifen
- Formula Disc DT Swiss E540 Disc Formula Disc DT Swiss E540 Disc/Maxxis High Roller Super Tacky 26x2.35 Maxxis High Roller Super Tacky 26x2.35
BIKE Urteil¹
Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig. BIKE-Urteile: super (150-125 P.), sehr gut (124,75-110 P.), gut (109,75-90 P.), befriedigend (89,75-65 P.), mit Schwächen, ungenügend.

Schlagwörter: All Mountain Cannondale Enduro Rize


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